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Pharmaindustrie Roche liefert im Mai in Deutschland Antikörpertests aus – und weckt damit neue Hoffnung

Mehrere Tests sind auf dem Markt, nun ziehen die Schweizer mit einem eigenen in neuer Qualität nach. In der Diskussion um Immunitätsausweise spielen sie eine wichtige Rolle.
04.05.2020 Update: 04.05.2020 - 20:36 Uhr 1 Kommentar

Spahn zu Corona-Antikörpertest: „Dieser Test ist eine neue Wegmarke“

Frankfurt, Berlin Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat an diesem Montag an seinem Standort in Penzberg prominente Unterstützung für sein neues Produkt erhalten. Dort präsentierte er seinen neuen Antikörpertest zum Nachweis von Sars-CoV-2-Infektionen.

Unter anderem waren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der bayrische Ministerpräsident Markus Söder in den oberbayrischen Ort gereist, um den „wichtigen Meilenstein“ im Kampf gegen das Coronavirus zu würdigen, wie es Söder formulierte.

Der Roche-Konzern hatte in den vergangenen Wochen unter Hochdruck an der Entwicklung des neuen Antikörpertests gearbeitet und bereits mit der Auslieferung begonnen. Am Wochenende bekam der in Europa zertifizierte Test zudem in den USA eine Schnellzulassung.

„Antikörpertests helfen uns zu wissen, wer eine Corona-Infektion schon durchgemacht hat. So gewinnen wir Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen“, sagte Spahn in Penzberg.

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Standort erkennen

    Roche investiert 170 Millionen Euro, um die Produktion am Standort in den nächsten Wochen auf viele Millionen Tests hochzufahren. Im Mai sollen bereits drei Millionen Tests an Gesundheitseinrichtungen in Deutschland geliefert werden, in den drauffolgenden Monaten dann jeweils fünf Millionen.

    In den nächsten vier Jahren will der Pharma- und Diagnostikkonzern weitere 250 Millionen Euro in Penzberg in ein neues Zentrum für die Erforschung und Entwicklung von diagnostischen Tests stecken. An dem Hub werde sich Bayern mit 40 Millionen Euro beteiligen, sagte Söder.

    Im Gegensatz zu den molekulardiagnostischen PCR-Tests, mit denen die akute Infektion anhand genetischer Bausteine des Virus nachgewiesen wird, kann ein Antikörpertest Auskunft über eine schon einige Tage zurückliegende Ansteckung geben. Denn im Laufe einer Infektion produziert das Immunsystem Antikörper gegen den Erreger, die sich je nach Typ fünf bis 14 Tage nach einer Infektion im Blut nachweisen lassen.

    „In der Pandemie nehmen die Antikörpertests eine wichtige Rolle ein, um die Personen, die eine Infektion durchgemacht haben, auch dann zu identifizieren, wenn sie möglicherweise keinen PCR-Test erhalten haben“, sagt Michael Müller, erster Vorsitzender des Vereins „Akkreditierte Labore in der Medizin“.

    Das könne etwa der Fall sein, wenn Personen ihre Symptome nicht mit einer Covid-19-Erkrankung in Verbindung gebracht haben oder zu einer Gruppe gehören, die eine Infektion mit Sars-CoV-2 ohne Symptome durchgemacht haben.

    Siemens entwickelte ebenfalls einen Test

    Roche ist nicht das erste Unternehmen, das Antikörpertests auf den Markt gebracht hat. Bereits kurz nach Ausbruch der Pandemie haben Unternehmen etwa in China eigene Tests zum schnellen Nachweis auf Antikörper angeboten. Diese hatten aber keine ausreichend gute Aussagekraft, um etwa von der Weltgesundheitsorganisation zum Einsatz empfohlen zu werden.

    Längst sind weltweit Diagnostikanbieter auf diesem Feld aktiv geworden. In Deutschland hatte beispielsweise die Firma Euroimmun aus Lübeck schon Ende Februar erste serologische Tests zum Nachweis von Antikörpern auf einer offenen Plattform entwickelt und zum Forschungseinsatz in die Labore gebracht.

    Mittlerweile sind diese Tests validiert und weiterentwickelt worden und haben eine CE-Zertifizierung. Auch der Siemens-Konzern hat einen eigenen Sars-CoV-2-Antikörpertest entwickelt, der Ende Mai auf den Markt kommen soll.

    Internationale Labordiagnostikunternehmen wie der US-Konzern Abbott oder auch die italienische Firma Diasorin sind ebenfalls mit eigenen Antikörpertests auf dem Markt. Diese Diagnostikfirmen sind wie Roche mit eigenen großen Analysegeräten in den Laboren präsent, auf denen die Tests laufen.

    Die Qualität von Tests wird anhand der Kategorien Sensitivität und Spezifität gemessen. Die Sensitivität beantwortet die Frage, ob alle Infizierten richtig erkannt werden, die Spezifität gibt Antwort, ob alle Gesunden richtig zugeordnet werden.

    Je näher beide Werte an 100 Prozent sind, desto besser ist der Test. Der Roche-Test erreicht eine Spezifität von mehr als 99,8 Prozent und eine Sensitivität von 100 Prozent. Viele Antikörpertests, die bisher verfügbar waren, konnten zwar grundsätzlich eine Corona-Infektion nachweisen, aber nicht spezifisch die mit dem Sars-CoV-2-Virus.

    Keine Auskunft über Preis

    Diesen Nachweis kann der Roche-Test leisten, auch ein Grund, warum Gesundheitsminister Spahn die Entwicklung lobt: „Das ist Stand heute und soweit uns bekannt ist, der beste Test“, sagte er.

    Der Roche-Test soll nun auch bei den verschiedenen Forschungsprojekten zum Einsatz kommen, die sich mit der Verbreitung des Coronavirus in Deutschland beschäftigen. Unter anderem hat das Robert Koch-Institut in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten verschiedene Studien an Zehntausenden Personen initiiert. Hier sollen die Tests helfen, beispielsweise den Anteil asymptomatischer Infektionen besser abzuschätzen.

    Von den gesetzlichen Krankenkassen wird der Test erstattet, wenn ein Arzt ihn empfiehlt. Selbstzahler könnten sich auf eigene Rechnung testen lassen, so Spahn.

    Den Preis für den Test will Roche aber nicht verraten. Nach Auskunft von „Akkreditierte Labore in der Medizin“ haben Antikörpertests noch keine eigene Abrechnungsziffer. Derzeit werden einzelne Arbeitsschritte abgerechnet, die sich zusammen im Schnitt auf etwa 20 Euro Kosten pro Test summieren.

    Eine noch größere Bedeutung werden die Antikörpertests nach Aussage von Spahn gewinnen, sobald gesicherte Erkenntnisse über eine mögliche Immunität vorliegen. Die Bundesregierung hatte daher zusätzlich einen Immunitätsausweis geplant, mit dem Bürger nachweisen sollten, ob sie gegen das Virus immun sind. Das vom Kabinett auf den Weg gebrachte Vorhaben stieß aber auf großen Widerstand.

    Spahn stoppt Immunitätsausweis

    „Der Umgang mit Gesundheitsdaten ist besonders heikel und birgt hohe Risiken der Diskriminierung“, schrieb etwa die SPD-Vorsitzende Saskia Esken auf Twitter. Kritisch äußerte sich auch der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar. „Selbst wenn die tatsächlichen Voraussetzungen vorhanden wären, wiese der Einsatz eines solchen Ausweises den gefährlichen Weg in eine Diskriminierungs- und Entsolidarisierungsfalle“, sagte Caspar dem Handelsblatt. „Gesundheitsdaten könnten über den Zugang zu Leistungen entscheiden und in der Konsequenz die Gruppe der Personen, die eine Immunität nicht nachweisen, vom öffentlichen Leben ausschließen.“

    Spahn reagierte auf die Kritik und legte seine Pläne vorerst auf Eis. „Die Frage, ob im Falle von Corona zusätzlich ein Immunitätsausweis sinnvoll ist, sollten wir als Gesellschaft in Ruhe abwägen und debattieren“, twitterte der Minister gestern Abend. Deshalb habe er den Deutschen Ethikrat um eine Stellungnahme gebeten. „Dieser laufenden Debatte wollen wir nicht vorgreifen und regeln dazu vorerst gesetzlich nichts“, so Spahn.

    Die SPD verbuchte den Rückzieher des Ministers als ihren Erfolg. „Das haben wir heute durchgesetzt“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas. „Es darf keine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Infizierten und Nicht-Infizierten geben“, betonte sie. Daher seien die vorgeschlagenen Regelungen zur Immunitätsdokumentation aus dem Gesetzentwurf gestrichen worden.

    „Solange wir nicht sicher sagen können, ob und wie lange eine Immunität nach einer Covid-19-Infektion besteht, kann eine Immunitätsdokumentation nur eine falsche Sicherheit erzeugen“, sagte Bas. Es gehe somit weiter darum, auf sich und auf andere aufzupassen und das Virus nicht weiter zu verbreiten. „In der jetzigen Situation ist eine Immunitätsdokumentation ein falsches Signal.

    Mehr: Remdesivir zeigt positive Wirkung bei Covid-19-Patienten.

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    1 Kommentar zu "Pharmaindustrie: Roche liefert im Mai in Deutschland Antikörpertests aus – und weckt damit neue Hoffnung"

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    • Interessant wäre mal eine Aufschlüsselung der extrem hohen Testkosten. Wenn von 1.5 Milliarden €/Monat bei ca. 800 T Tests die Woche, also ca. 3.2 Mio Tests die Rede ist, sind das ca. 450 € pro Test. Wer steckt sich dann das ganze (Steuer/Sozialkassen)- Geld ein?
      Wie man recherchieren kann, liegen die Kosten des Tests an sich bei, je nach Test und Quelle, ca. 5€ bzw. hier im Falle von Roche 15 CHF.
      Die Laborkosten können so hoch nicht sein. Ich nehme an das ließe sich für weitere 10€ inkl. ansprechender Marge / Test machen, so dass insgesamt 15-20 € zu Buche schlagen sollten.
      Kann es sein, dass da ein unfassbarer Wucher läuft, auf den sowohl die staatlichen Organe, als auch die KV-s keinen Einfluss haben oder nehmen wollen?

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