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Die Bayer AG in Leverkusen

Bayer baut deutschlandweit 4500 Stellen ab.

(Foto: dpa)

Pharmakonzern Bayer baut deutschlandweit 4500 Stellen ab – Servicegesellschaft BBS droht das Aus

Der Leverkusener Konzern verkündet heute intern den Abbau von 4500 Stellen in Deutschland – vor allem eine Tochterfirma wird es treffen.
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DüsseldorfDas Bayer-Management hat für die Belegschaft an diesem Dienstag schlechte Nachrichten parat: In einem Rundbrief an die Mitarbeiter wird der Abbau von 4500 Stellen in Deutschland verkündet, wie es in Konzernkreisen heißt. Der Schritt ist Teil des Sparprogramms, das CEO Werner Baumann im Dezember 2018 vorgestellt hat und dem 12.000 Jobs weltweit zum Opfer fallen sollen.

Die Zahl war im Wesentlichen so erwartet worden. Baumann hatte zuletzt betont, dass etwas weniger als die Hälfte des Stellenabbaus auf Deutschland entfallen wird. Neu ist nun die Verteilung auf einzelne Gesellschaften und vor allem auf die Verwaltungs- und Querschnittsfunktionen. Neben dem Pharmastandort Wuppertal (mindestens 350 Stellen) wird es schwerpunktmäßig die Zentrale in Leverkusen treffen.

Dort will der Konzern den Kreisen zufolge vor allem bei den internen Dienstleistungen wie IT, Finanzprozesse und operativer Einkauf sparen. Diese Aufgaben sind bei Bayer in einer eigenen Servicegesellschaft gebündelt, der Bayer Business Services GmbH (BBS).

BBS droht den Informationen zufolge das Aus, weil im Zuge des Sparprogramms viele Kernaufgaben zurück in die drei operativ tätigen Divisionen von Bayer verlagert werden sollen. Der sogenannte IBO-Bereich soll im Zuge dessen aufgelöst werden. Er verantwortet unter anderem die Zahlungsabwicklung (order to cash), den konzernweiten Einkaufsprozess, das Rechnungswesen sowie das Veranstaltungsmanagement.

Bayer wollte dies nicht kommentieren. BBS hatte im vergangenen Jahr weltweit etwa 6.400 Mitarbeiter und verantwortete ein Servicevolumen von rund zwei Milliarden Euro. Die GmbH ist sozusagen der interne Dienstleister im globalen Konzerngeflecht: Neben dem IBO-Bereich gehört die gesamte Informationstechnik sowie die firmeneigene Managementberatung dazu.

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BBS wurde 2002 gegründet, als sich Bayer in eine Management-Holding mit vier Teilkonzernen verwandelte. Die eigenständigen damaligen Anbieter für Gesundheit, Chemie, Kunststoffe und Agrarprodukte kauften danach intern bei der Servicegesellschaft ein, die qualitativ hochwertige und einheitliche Prozesse entwickeln und sichern sollte.

Anfangs versuchte sich BBS auch als Dienstleister für andere Unternehmen außerhalb der Bayer AG, was nicht im gewünschten Stil gelang. Die GmbH trat zuletzt nicht mehr offen nach außen auf, denn mehr als 80 Prozent ihrer Aufträge entfielen auf internes Bayer-Geschäft. Daneben nutzt etwa der im Herbst 2015 abgespaltene Kunststoffhersteller Covestro noch die von BBS angebotene Veranstaltungsorganisation.

Eine komplette Auflösung von BBS und die Verlagerung der Aufgaben in Konzernstäbe sowie in die drei Divisionen Pharma, Consumer Health und Crop Science wäre eine Weiterführung des vor einigen Jahren eingeleiteten Umbaus von Bayer. Der Konzern hatte 2016 seine Holdingstruktur aufgegeben und eine integrierte Organisation gewählt.

Wie viele Stellen bei der jetzt angestoßenen Straffung der Verwaltung in Leverkusen entfallen, ist noch nicht bekannt. Weltweit sollen in den Verwaltungen und Landesgesellschaften etwa 5.500 Arbeitsplätze gestrichen werden. Dazu kommen 4.100 Stellen, die im Zuge der Fusion mit Monsanto bei der Agrarchemietochter Crop Science global wegfallen. Weitere 2.350 entfallen auf die weltweit tätigen Divisionen Pharma und Consumer Health (verschreibungsfreie Mittel wie Aspirin).

Betriebsbedingte Kündigungen sind bei allen Umbauten im Deutschlandgeschäft von Bayer ausgeschlossen, denn die Standorte sind vertraglich davor bis zum Jahr 2025 geschützt. Der Konzern ist beim Stellenabbau auf freiwillige Lösungen angewiesen, etwa über Vorruhestandsregelungen (Rente ab 57) oder Abfindungen.

Bayer steckt derzeit mitten in der Integration von Monsanto. In den Gerichtsprozessen um das glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel Roundup des US-Konzerns stehen die Leverkusener stark unter Druck. Nachdem zwei Verfahren in erster Instanz verloren wurden, drohen Bayer nun hohe Schadenersatzzahlungen, möglicherweise in Milliardenhöhe.

Die Bayer-Führung hat stets bestritten, dass das laufende Sparprogramm etwas mit diesen Risiken zu tun habe. „Bayer hat in der gesamten Verwaltung und in den anderen Divisionen Aufholbedarf, was die Effizienz angeht“, sagte Aufsichtsratschef Werner Wenning vorige Woche im Interview mit dem Handelsblatt. „Viele dieser Schritte wären auch ohne die Transaktion gekommen.“

Mehr: Die Prozesse um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup versetzt Bayer in eine schwierige Lage, lesen Sie hier mehr über den Gerichtsthriller.

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