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Pharmakonzern Bayer bittet US-Richter, Urteil in Glyphosat-Prozess aufzuheben

Die Monsanto-Mutter ficht das Jury-Urteil an. Es sei nicht von Fakten getragen. Im August steht der nächste Prozess in den USA an.
Update: 18.06.2019 - 19:29 Uhr Kommentieren
Bayer will das Urteil im dritten Glyphosat-Prozess nicht hinnehmen. Quelle: Reuters
Unkrautvernichter Roundup

Bayer will das Urteil im dritten Glyphosat-Prozess nicht hinnehmen.

(Foto: Reuters)

New YorkBayer hat den zuständigen US-Richter gebeten, das Milliarden-Urteil der kalifornischen Jury gegen den Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern im Glyphosat-Prozess aufzuheben. Damit hofft Bayer noch vor der eigentlichen Berufung auf ein Entgegenkommen des Richters Winifred Smith.

In dem Prozess um das krebskranke Ehepaar Alva und Alberta Pilliod hatte die Jury im Mai den Ehepartnern insgesamt mehr als zwei Milliarden Dollar Schadensersatz zugesprochen. Sie hatten ihre jahrzehntelange Verwendung des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup der Bayer-Tochter Monsanto für ihre Erkrankung verantwortlich gemacht. Es war das dritte und bisher höchste Urteil in den Glyphosatprozessen, die Bayer seit der Übernahme von Monsanto durchfechten muss.

Die Entscheidung der Geschworenen werde nicht von den Fakten getragen, argumentierte Bayer in den bei dem Gericht in Oakland eingereichten Unterlagen. Vielmehr gehe das Urteil auf „aufwieglerische, erfundene und irrelevante Beweise“ der Anwälte der Kläger zurück. Bei dem Verfahren sei es um eine „abstrakte Verunglimpfung von Monsanto“ gegangen. Außerdem hätten die Experten der Anklage die Vorerkrankungen und Risikofaktoren der Ehepartner nicht ausreichend berücksichtigt.

Der zuständige Richter Winifred Smith solle deswegen entweder das Urteil aufheben oder ein neues Gerichtsverfahren anordnen.

Im vergangenen Jahr hatte Bayer mit einer ähnlichen Strategie zumindest einen Teilerfolg verbucht. Im August war das Unternehmen von der Jury in San Francisco zu 289 Millionen Dollar Strafe verurteilt worden. Daraufhin wandten sich die Leverkusener auch dort an die zuständige Richterin Suzanne Bolanos. Diese hat das Urteil zwar nicht komplett aufgehoben, aber die Summe auf 79 Millionen Dollar reduziert.

Für Bayer sind die Klagen mittlerweile zu einem enormen Risiko geworden, das auch auf dem Aktienkurs lastet. In den USA gibt es inzwischen etwa 13.400 Kläger wegen Glyphosat. Viele Investoren werfen der Bayer-Führung mittlerweile vor, dass Prozessrisiko bei der Monsanto-Übernahme unterschätzt zu haben.

Extra-Strafen machen es für Bayer teuer

In dem Fall der Pilliods waren vor allem die „Punitive Damages“ – also jene Strafzusatzzahlungen, die zu dem eigentlichen Schadensersatz hinzukommen – mit je einer Milliarde Dollar extrem hoch ausgefallen. Nach einem Urteil des Supreme Courts sollen diese Extra-Strafen nicht das Neunfache des eigentlichen Schadensersatzes übersteigen. Im Falle der Pilliods wären das damit höchstens 162 Millionen Dollar beziehungsweise 333 Millionen Dollar.

Wenn die Strafen aufgehoben oder zumindest nach unten korrigiert würden, wäre das für Bayer auch ein willkommenes Signal für die nächsten Roundup-Prozesse.

Der nächste Prozess beginnt am 17. August in St. Louis. Dort klagt Sharlean Gordon, die ihre Krebserkrankung ebenfalls auf den Monsanto-Unkrautvernichter zurückführt. Obwohl St. Louis die Heimatstadt von Monsanto ist, gelten die Jurys auch dort generell als klägerfreundlich und unternehmenskritisch.

Mehr: Milliardenstrafen, Spitzellisten, Reputationsverlust: Die Übernahme des US-Konzerns Monsanto entwickelt sich für Bayer zum unkalkulierbaren Risiko.

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