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Pharmakonzern Bayer investiert in neue Zelltherapien gegen Krebs

Im Bereich der Immuntherapien ist der Konzern bisher kaum vertreten. Das soll eine Allianz mit der US-Biotechfirma Atara bei Car-T-Therapien ändern.
07.12.2020 Update: 07.12.2020 - 13:04 Uhr Kommentieren
Zusammen mit Atara will Bayer neuartige Therapien für schwer zu behandelnde Krebserkrankungen entwickeln. Quelle: Reuters
Bayer

Zusammen mit Atara will Bayer neuartige Therapien für schwer zu behandelnde Krebserkrankungen entwickeln.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Bayer setzt seine Offensive im Bereich der Gen- und Zelltherapien mit einem weiteren Deal fort. Für eine Anfangszahlung von 60 Millionen Dollar (rund 50 Millionen Euro) erhält der Leverkusener Konzern die Rechte an einem Projekt der US-Firma Atera Biotherapeutics im Bereich der sogenannten Car-T-Zelltherapien.

Dabei geht es um T-Zellen des Immunsystems, die gentechnisch so modifiziert werden, dass sie Tumorzellen besser erkennen und zerstören können. Es handelt sich um eine spezielle Form von Immuntherapien gegen Krebs – ein Feld, in dem Bayer bisher noch kaum vertreten ist.

Car-T-Therapien zeigten in den letzten Jahren vor allem in der Behandlung spezieller Leukämien Erfolge und sind seither verstärkt in den Fokus von großen Pharmafirmen und zahlreichen Biotechfirmen gerückt. Atara arbeitet an T-Zelltherapien der nächsten Generation. In Abhängigkeit bestimmter Entwicklungserfolge hat das US-Unternehmen Anspruch auf weitere Zahlungen Bayers in Höhe von bis zu 610 Millionen Dollar sowie auf gestaffelte Lizenzgebühren bis zu einem niedrigen zweistelligen Prozentsatz.

Bayer verfolgt mit dem Engagement das Ziel, seine neu formierte Gen- und Zelltherapieplattform zu verbreitern. Wolfram Carius, der jüngst die Leitung dieser Bayer-Einheit übernommen hat, wertet die Allianz mit Atara als weiteren wichtigen strategischen Schritt, das bisherige Engagement in dem Bereich durch eine weitere Produktgruppe zu ergänzen. „Wir verfügen damit nun über vier Technologieplattformen in diesem Bereich, aus denen wir eine nachhaltige Produktpipeline aufbauen wollen“, sagte Carius im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Grundidee besteht darin, aus den gentherapeutischen Verfahren nach und nach eine Vielzahl neuer Produkte zu entwickeln.

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    Zuletzt verstärkte sich Bayer durch die Übernahme der amerikanischen Gentherapiefirma Ask Bio für bis zu vier Milliarden Dollar. Darüber hinaus ist der Konzern über seine Tochterfirma Blue Rock in der Entwicklung von Zelltherapien aus Stammzellen sowie über eine Allianz mit Crispr Therapeutics in der Entwicklung von Therapien mithilfe des sogenannten Gen-Editings engagiert.

    Gen- und Zelltherapie als mittelfristiger Umsatzbringer

    Der Leverkusener Konzern steht unter Druck, sein künftiges Pharma-Portfolio durch externe Allianzen zu erweitern, da seine bisherigen Bestseller – der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmittel Eylea – Mitte des Jahrzehnts ihren Patentschutz verlieren. Dann drohen der Pharmasparte mit bisher rund 18 Milliarden Euro Umsatz deutliche Einbußen.

    Um den kurzfristigen Produktbedarf zu decken, hatte Bayer vor wenigen Monaten auch die britische Firma Kandy Therapeutics übernommen, die in fortgeschrittener Entwicklungsphase an einem Medikament zur Linderung menopausaler Probleme arbeitet.

    Die Investitionen im Bereich Gen- und Zelltherapien zielen dagegen vor allem darauf, die mittel- und langfristigen Perspektiven zu stärken. Erste marktreife Produkte, hofft Carius, könnten in etwa fünf Jahren aus den neuen Engagements hervorgehen. Inklusive der Atara-Allianz bearbeitet Bayer in dem Bereich nun sechs Projekte, die sich bereits in klinischen Tests befinden, sowie 15 präklinische Projekte.

    Da sich die Engagements weitgehend auf Unternehmen und Projekte in einem relativ frühen Entwicklungsstadium beziehen, hält sich das finanzielle Engagement des Leverkusener Konzerns mit alles in allem einigen Milliarden Euro in Grenzen.

    Für marktreife Gen- und Zelltherapien wurden in den vergangenen Jahren deutlich höhere Summen bezahlt. Konzerne wie Roche, Novartis oder Gilead investierten jeweils zwischen acht und zwölf Milliarden Dollar für die Übernahme von Firmen mit fortgeschrittenen Car-T- oder anderen Gentherapieprojekten.

    Im Bereich Car-T-Zelltherapien sind bisher zwei Produkte auf dem Markt, Kimriah von Novartis und Yescarta von Gilead, die sich jeweils gegen bestimmte Arten von Blutkrebs richten. Dabei werden T-Zellen der jeweiligen Patienten in einem aufwendigen Verfahren im Labor modifiziert und anschließend wieder zurückinjiziert.

    Tumortherapie könnte sich verbessern

    Von diesen Ansätzen unterscheiden sich die Projekte von Atara dadurch, dass keine individuelle Modifikation der T-Zellen erfolgt, sondern standardisierte T-Zellen fremder Personen verwendet werden. Dieses Verfahren wird auch als allogene Zelltherapie bezeichnet. Atara nutzt dazu spezielle Zellen, die aus dem Blut von Menschen gewonnen wurden, die eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus überstanden haben.

    Der große Vorteil dieser Variante besteht darin, dass eine derart weitgehend standardisierte Zelltherapie wie herkömmliche Biotechmedikamente produziert werden kann. Sie wäre damit im Erfolgsfall wesentlich kostengünstiger in der Herstellung und kann den Patienten im Bedarfsfall schneller zur Verfügung gestellt werden. Carius verweist auf das Beispiel der antikörperbasierten Medikamente, deren Herstellkosten sich im Laufe der Jahre ebenfalls stark reduziert haben.

    Einen weiteren Vorteil erhofft sich Bayer davon, dass man mithilfe der allogenen Zelltherapien mittelfristig auch sogenannte solide Tumore wie Lungenkrebs, Darmkrebs oder Brustkrebs attackieren kann, die sich bislang für Car-T-Therapien noch als unzugänglich erwiesen haben.

    Die im Rahmen des Atara-Deals erworbene Zelltherapie zeichnet sich dadurch aus, dass die betreffenden T-Zellen auf den Mesothelin-Rezeptor ausgerichtet sind, der vor allem auf Tumorzellen der Lunge und des Brustfells auftritt. Für das Atara-Produkt wurde dabei vor Kurzem eine erste klinische Studie gestartet.

    Bayer bringt auf diesem Gebiet gewisse Erfahrungen aus der Arbeit mit dem potenziellen Krebswirkstoff Anetumab mit, der sich ebenfalls gegen den Mesothelin-Rezeptor richtet. Allerdings hatte dieser Antikörper-Wirkstoff im ersten Anlauf in klinischen Studien weitgehend enttäuscht.

    Mehr: Bayer macht Milliardenverlust – das Agrargeschäft wird zum Problemfall.

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