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Pharmakonzern Bayer legt Klagen wegen Top-Medikament Xarelto mit Millionen-Zahlung bei

Bayer hat eine Baustelle weniger: Im Fall des umstrittenen Xarelto-Medikaments einigte man sich auf einen Vergleich. Er kostet 775 Millionen Dollar.
Update: 25.03.2019 - 17:03 Uhr Kommentieren
Bayer hat nach Einschätzung der Kläger nicht angemessen vor den Risiken einer Behandlung mit dem Gerinnungshemmer gewarnt. Quelle: AFP
Bayer

Bayer hat nach Einschätzung der Kläger nicht angemessen vor den Risiken einer Behandlung mit dem Gerinnungshemmer gewarnt.

(Foto: AFP)

DüsseldorfBayer hat seinen größten anhängenden Rechtsfall mit einem Vergleich aus der Welt geschafft. Es geht um die 25.000 Klagen wegen angeblicher Nebenwirkungen des Blutgerinnungshemmers Xarelto, des aktuellen Top-Produkts der Bayer-Pharmasparte.

Bis zuletzt lagen 25.000 Klagen gegen die Leverkusener und ihren amerikanischen Vertriebspartner Johnson & Johnson vor, in denen das Mittel mit schweren Gesundheitsschädigungen bis hin zu Todesfällen in Verbindung gebracht wurde.

Mit diesen Vorwürfen konnten sich die Kläger allerdings vor Gericht nicht durchsetzen. Die bisherigen entscheidenden sechs Prozesse konnten Bayer und J&J für sich entscheiden. Dass die Kläger nun doch Geld bekommen, folgt keinem Schuldeingeständnis der Hersteller. Es ist eine typische Folge des amerikanischen Rechtssystems bei Produkthaftungsklagen.

Bayer und J&J kostet der Xarelto-Vergleich rund 775 Millionen Dollar, wovon jeder Konzern die Hälfte trägt. Umgerechnet erhält jeder Kläger theoretisch also 31.000 Euro. Allerdings heimsen den Großteil der Vergleichssumme ihre Anwälte ein. Kanzleien auf Klägerseite in US-Produkthaftungsverfahren nehmen üblicherweise ein Drittel oder mehr als Honorar – in diesem Fall also mindestens 258 Millionen Dollar. Dazu kommen noch ihre Sachkosten.

Für die Anwälte ist der Vergleich also lohnend. Ihr Kalkül: Nach den sechs verlorenen Prozessen war die Aussicht gesunken, hohe Schadensersatzzahlungen vor Gericht durchzusetzen. Die Gerichtskosten wiederum wären hoch. Der Rechtsstreit mit Bayer und J&J hat vor fünf Jahren begonnen, die Zahl der Klagen war in dieser Zeit beständig gestiegen.

Bei Bayer und J&J folgt die Bereitschaft zu einem Vergleich einem betriebswirtschaftlichen Kalkül sowie aus Imagegründen. Hätten die Kläger Dutzende oder gar Hunderte weitere Prozesse angestrebt, wären auch für die Konzerne hohe Verfahrenskosten entstanden. Die einfache Rechnung lautet dann: Liegen diese Kosten voraussichtlich über der ausgehandelten Vergleichssumme, so lohnt sich die außergerichtliche Einigung mit den Klägern.

Prozesse in den USA sind für Unternehmen aber auch wegen ihrer öffentlichen Wirkung belastend. Die Vorwürfe vor Gericht – ob sie stimmen oder nicht – könnten negativ aufs Image des Produkts ausstrahlen. Auch deswegen werden Vergleiche eingegangen.

Bayer wird die Summe von 388 Millionen Euro nach eigenen Angaben zumindest teilweise aus seiner Produkthaftungsversicherung bezahlen können. Der Konzern unterstrich, dass die Klagen aus seiner Sicht weiterhin jeglicher Grundlage entbehren und eine Rechtspflicht nicht anerkannt wird.

Auch bei Glyphosat könnte es Vergleiche geben

Vergleiche sind ein typisches Mittel bei Produkthaftungsprozessen in den USA und im Pharmageschäft an der Tagesordnung. So hat sich Bayer bis 2016 mit mehr als 10.000 Klägerinnen in den USA geeinigt, die die Verhütungspille Yasmin für schwere Nebenwirkungen verantwortlich machten. Der Vergleich ohne Schuldanerkenntnis kostete Bayer rund zwei Milliarden Dollar.

Experten gehen davon aus, dass es auch in den aktuell aufsehenerregenden Prozessen um den Unkrautvernichter Glyphosat letztlich auf Vergleiche hinauslaufen wird. Dort sieht sich Bayer nach der Monsanto-Übernahme mehr als 11.000 Klägern ausgesetzt, die Glyphosat mit ihrer Krebserkrankung in Verbindung bringen.

Verglichen mit Xarelto hat Bayer aber in dieser Sache zumindest bisher eine schwächere Rechtsposition. Vorige Woche urteilte eine Jury im ersten Teilprozess gegen Bayer/Monsanto: Sie hält es für erwiesen, dass Glyphosat erheblich zur Krebserkrankung des Klägers beigetragen habe. Was nun an Schadensersatz auf den Konzern zukommt, entscheidet sich diese oder nächste Woche.

Die Börse befürchtet das Schlimmste. Bayers Börsenwert ist seit Mittwoch um weitere zwölf Prozent abgesackt. Denn es wäre der zweite Prozess, den der Konzern in der Causa Glyphosat verliert – und es ist ein sogenannter Bellwether-Fall, der zwar nicht bindend für andere ist, aber eine ungefähre Richtung für weitere Verfahren anzeigt.

Bei Xarelto hat Bayer solche Bellwether-Fälle gewonnen. Das ist auch aktuell in Sachen Glyphosat noch möglich, denn der Konzern ist bereits im ersten Prozess in Berufung gegangen. Dort war Bayer erstinstanzlich zu Schadensersatzzahlungen in Höhe von 79 Millionen Dollar verurteilt worden.

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