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Pharmakonzern Bayer plant Abbau von weltweit rund 12.000 Stellen

Der Konzern startet einen umfassenden Umbau: Zehn Prozent der Stellen fallen weg, das Geschäft mit Tiermedizin wird verkauft.
Update: 29.11.2018 - 16:13 Uhr 1 Kommentar
Bayer plant Abbau von weltweit rund 12.000 Stellen Quelle: dpa
Anlage zum Anmischen von Salben

Bayer-Produktionsstätte in Grenzach-Wyhlen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfBayer startet einen umfassenden Konzernumbau und plant dazu einen Abbau von 12.000 Stellen bis zum Jahr 2021. Der Schritt ist gravierend, denn damit werden rund zehn Prozent aller Arbeitsplätze des Leverkusener Konzerns gestrichen. Über die geplante Stellenreduzierung und den Konzernumbau hatte das Handelsblatt bereits am Dienstag berichtet.

Ein „signifikanter Teil“ des Stellenabbaus soll dabei auf Deutschland entfallen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Betriebsbedingte Kündigungen wird es aber an den deutschen Standorten nicht geben. Bayer verlängerte eine mit den Arbeitnehmervertretern abgeschlossene Garantie bis zum Jahr 2025.

Neben dem Stellenabbau hat Bayer weitere Schritte für eine Neuordnung angekündigt. So will sich das Unternehmen von dem Geschäft mit Tierarznei trennen. Ein Verkauf könnte Bayer nach Schätzungen aus Finanzkreisen fünf bis sieben Milliarden Euro Einnahmen bringen. Zudem stellt die schwächelnde Sparte Consumer Health die beiden größeren Produktgruppen Coppertone und Dr. Scholl’s zum Verkauf.

Vom Stellenabbau sind alle Divisionen und die konzernübergreifende Verwaltung betroffen. Bei Consumer Health, die Marken wie Aspirin und Bepanthen vertreibt, fallen 1150 Stellen weg. In der Pharmasparte sind es 1250 Arbeitsplätze, davon rund 900 allein in der Forschung und Entwicklung. Durch die Zusammenlegung mit Monsanto werden 4100 Stellen in der Division Crop Science gestrichen.

Bayer lässt aber auch die Konzernverwaltung und die Ländergesellschaften nicht unberührt. Hier sollen 5500 bis 6000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Außerhalb von Deutschland kann der Konzern betriebsbedingt kündigen, etwa in der Zentrale von Consumer Health in der Schweiz. An den deutschen Standorten ist Bayer auf Fluktuation und freiwillige Auflösungen angewiesen.

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Vorstandschef Werner Baumann will Bayer mit dem Vorstoß aus der Defensive bringen und auf den zahlreichen Baustellen des Konzerns durchgreifen. Er sendet damit auch ein Signal an die Investoren, die zuletzt aus der Bayer-Aktie geflüchtet sind. Sie fürchten, dass Bayer im Zuge der Prozesse um den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat Rechtsrisiken in Milliardenhöhe schultern muss.

Mit den Glyphosat-Prozessen habe die nun verkündete Neuordnung aber „rein gar nichts“ zu tun, wie Baumann in einer Telefonkonferenz unterstrich. Bayer reagiert in erster Linie auf die individuellen Probleme der Divisionen. Das Consumer-Health-Geschäft präsentiert sich derzeit als Sanierungsfall und muss die seit mehreren Quartalen andauernde Erosion des Gewinns stoppen. Die Sparte fällt im Konkurrenzvergleich zurück.

Mit der Neuordnung der Pharmaforschung versucht Bayer nun, aussichtsreiche Wirkstoffe schneller in die Vermarktung zu führen, um so die vergleichsweise schwache Produktpipeline zu stärken. Die 4100 Stellen im Agrargeschäft resultieren aus der Zusammenlegung der Organisationen von Monsanto und Crop Science. Es sind rund ein Fünftel der Belegschaft der fusionierten Agrardivision.

Umstrukturierung soll Ertragskraft steigern

Die Dimension des Konzernumbaus zeigt aber auch, dass Bayer sich insgesamt bilanziell wie operativ für härtere Zeiten rüstetet und dafür Kraft gewinnen will. Sei es, weil der Konzern kräftig ins Pharmageschäft investieren muss oder weil er letztlich doch hohe Rechtskosten durch die Glyphosatprozesse schultern muss. 

Bayer erwartet, dass die Neuordnung ab dem Jahr 2022 jährliche Beiträge von 2,6 Milliarden Euro bringt. Zunächst wird das Programm aber kosten: Die erwarteten einmaligen Aufwendungen für die Umsetzung werden bei rund 4,4 Milliarden Euro liegen. Bei Consumer Health und Pharmaceuticals fallen im vierten Quartal zudem Abschreibungen über 3,3 Milliarden Euro an, die nicht zahlungswirksam sind.

„Wir haben mit der strategischen Weiterentwicklung von Bayer in den vergangenen Jahren sehr gute Fortschritte erzielt. Mit den Maßnahmen, die wir jetzt angehen, schaffen wir die Voraussetzung, um die Performance und Ertragskraft von Bayer nachhaltig zu steigern“, sagte Baumann. Die Ebitda-Marge vor Sondereinflüssen des Bayer-Konzerns soll im Zeitraum bis 2022 auf mehr als 30 Prozent steigen.

Der Aufsichtsrat hat die Neuordnung einstimmig beschlossen, also auch mit den Stimmen der Arbeitnehmervertreter.  „Die geplanten Maßnahmen sind ein gravierender Einschnitt für die Kolleginnen und Kollegen“, sagte Oliver Zühlke, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Bayer. „Für uns haben die Sicherung der Beschäftigung und die Zukunftsfähigkeit der Arbeitsplätze höchste Priorität.“

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1 Kommentar zu "Pharmakonzern: Bayer plant Abbau von weltweit rund 12.000 Stellen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es wird Zeit für H. Baumann to say good bye.
    Der Aufsichtsrat hat mal wieder gepennt. Fast 40% Aktienwert innerhalb von 12 Monaten vernichtet. Hauptsache meine Brieftasche ist gefüllt. Alle Versager auf d .ganzen Linie.

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