Pharmakonzern Bayer sieht sich für Patentablauf von Xarelto gerüstet

Dieter Weinand, Pharma-Chef von Bayer, sieht gute Chancen, den 2024 auslaufenden Patentschutz für den Gerinnungshemmer Xarelto abzufedern. Andere Medikamente sollen den Verlust abfangen. Man habe kein „Pipeline-Problem“.
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Bayer sieht sich für Patentablauf von Xarelto gerüstet Quelle: Reuters
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Xarelto mit dem Wirkstoff Rivaroxaban ist unter den Medikamenten der zentrale Umsatzbringer für Bayer.

(Foto: Reuters)

FrankfurtBayer sieht sich im Pharmageschäft für das drohende Umsatzloch beim Patentablauf seines wichtigsten Medikaments gewappnet. Wenn nur einige Projekte in der Entwicklungspipeline erfolgreich seien, habe Bayer gute Chancen, den 2024 auslaufenden Patentschutz für den Gerinnungshemmer Xarelto abzufedern, sagte Pharmachef Dieter Weinand in einem am Dienstag veröffentlichten Reuters-Interview. „Wir haben kein Pipeline-Problem.“

Er sehe auch keine Notwendigkeit, diese durch weitere Deals zu vergrößern. Seit seinem Amtsantritt 2014 habe der Konzern seine jährlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Sparte um mehr als eine Milliarde Euro erhöht. Bayer habe nun mehr als 50 Projekte in der klinischen Entwicklung. „Den Verlust an Exklusivität schwächen wir ab.“

Xarelto mit dem Wirkstoff Rivaroxaban ist unter den Medikamenten der zentrale Umsatzbringer für Bayer. Die Leverkusener trauen Xarelto einen Spitzenumsatz von mehr als fünf Milliarden Euro zu. 2016 setzte Bayer mit der Arznei gut 2,9 Milliarden Euro um – fast 18 Prozent der Erlöse in der Pharmasparte. Neue Zulassungen für Xarelto in weiteren Behandlungsfeldern sollen für zusätzliche Erlöse sorgen – gleichzeitig drohen aber ab 2024 Einbußen, wenn das US-Patent ausläuft. Das Mittel ist zudem nicht unumstritten: Xarelto wird für Blutungen bis hin zu Todesfällen verantwortlich gemacht, die jedoch auch bei anderen Gerinnungshemmern vorkommen. Gegen Bayer sind deshalb zahlreiche Klagen in den USA anhängig.

Gleichwohl ist der Blockbuster nach wie vor eine sichere und lukrative Einnahmequelle für Bayer, von der viel abhängt. Analysten haben in der Pipeline des Pharmakonzerns noch keinen starken Nachfolger für das Mittel entdeckt. „Es ist eher unwahrscheinlich, dass wir in der Zukunft den gleichen Erfolg sehen werden“, urteilte Analyst Alistair Campbell von der Berenberg Bank. „Die Pipeline von Bayer ist immer noch relativ leer und benötigt wahrscheinlich eine Ergänzung durch die Lizenzierung von einem oder zwei weiteren Produktkandidaten.“

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
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Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
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Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
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Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
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Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
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Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
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Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
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Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

Weinand bekräftigte, dass er den vielversprechendsten Medikamentenkandidaten in der Entwicklungspipeline von Bayer zusammen einen jährlichen Spitzenumsatz von mindestens sechs Milliarden Euro zutraut. Analysten haben Zweifel an dieser Schätzung geäußert, da sie einen Erfolg von allen Projekten erfordere.

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