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Pharmakonzern Bayer steckt Milliarden in Suche nach Glyphosat-Ersatz

Der deutsche Konzern verspricht neue Wege in der Unkrautbeseitigung – abseits von Glyphosat. Doch zunächst strebt Bayer eine neue Zulassung des umstrittenen Mittels an.
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Bayer strebt eine erneute Zulassung des Unkrautvernichters in der EU an. Das Mittel hat bis 2023 eine Verkaufsgenehmigung. Quelle: Reuters
Glyphosat

Bayer strebt eine erneute Zulassung des Unkrautvernichters in der EU an. Das Mittel hat bis 2023 eine Verkaufsgenehmigung.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie Bayer AG reagiert auf die wachsende Kritik am Zusammenschluss mit Monsanto mit einer neuen Transparenz-Initiative im Agrargeschäft. Man werde ab sofort höhere Maßstäbe für Nachhaltigkeit, Offenheit und Umgang mit Interessengruppen setzen, kündigte das Unternehmen am Freitag in Zeitungsanzeigen an. Der Konzern habe nach Gesprächen mit Politikern, Aktionären und Journalisten verstanden, dass er sich weiterentwickeln müsse, heißt es dort.

In dem Anzeigen-Text geht es auch um das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Bayer strebt demzufolge eine erneute Zulassung des Unkrautvernichters in der EU an. Das Mittel hat bis 2023 eine Verkaufsgenehmigung. Den Prozess für eine darüber hinausgehende Zulassung in der EU will der Konzern möglichst transparent machen: Dazu sollen Wissenschaftler, NGOs und Journalisten eingeladen werden, das Verfahren „aktiv zu begleiten“.

Bayer setzt damit weiter auf das Glyphosat-Geschäft, das nach der Übernahme von Monsanto einen großen Teil des Pflanzenschutzangebots der Leverkusener ausmacht. „Glyphosat wird weiter eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft und in unserem Produktportfolio spielen“, schreibt der Konzern.

Der Konzern folgt damit seiner Überzeugung, dass das Mittel bei sachgemäßem Einsatz nicht gesundheitsgefährdend ist und beruft sich auf entsprechende Einstufungen weltweiter Zulassungsbehörden. Auf die Vorwürfe möglicher Krebsgefahren durch Glyphosat geht Bayer in dem Anzeigentext nicht ein.

Dafür aber auf die wachsenden Resistenzen, die nach intensivem Einsatz des Mittels etwa in der US-Landwirtschaft verstärkt zu beobachten sind. Um den Landwirten Alternativen zu Glyphosat zu bieten, will Bayer nun die Suche nach neuen Unkrautbeseitigern verstärken.

In diese Forschung sollen in den kommenden zehn Jahren fünf Milliarden Euro fließen. Damit sollen auch neue Pflanzenschutzmittel als Ersatz zu Glyphosat entwickelt werden, die auf biologischer statt chemischer Basis wirken.

Umweltbilanz des Konzerns rückt in den Fokus

Auch bei der Vermarktung will Bayer neue Standards setzen. Bisher verkaufen Agrochemieunternehmen in Entwicklungsländern Pflanzenschutzmittel nach lokalen Zulassungsvorgaben. Die Leverkusener versprechen nun, dort nur noch Produkte zu vermarkten, die den Sicherheitsstandards der Mehrheit der großen globalen Zulassungsbehörden entsprechen – also etwa der US-Umweltbehörde EPA oder der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit.

In der am Freitag gestarteten Kampagne kündigt Bayer an, die Umweltbilanz seiner Agrarprodukte deutlich zu verbessern. Der Konzern will zudem einen Nachhaltigkeitsrat gründen, der mit externen Mitgliedern besetzt werden soll.

Mit der Initiative will Bayer Vertrauen in der Öffentlichkeit und bei Investoren zurückgewinnen. Sie ist auch als Signal zu verstehen, dass die Methoden von Monsanto bei den Leverkusenern keinen Platz haben sollen.

Monsanto stand in der Vergangenheit für seine teils rüden Verkaufsmethoden stark in der Kritik und auch für den Umgang mit der Öffentlichkeit. Im Mai wurde bekannt, dass der US-Konzern in Frankreich Listen mit detaillierten Daten über Kritiker geführt hat. Auch in Deutschland gab es solche Listen.

Bayer kündigte daraufhin schnelle Aufklärung an und lässt die Listen von einer amerikanischen Kanzlei analysieren. Die Betroffenen werden derzeit angeschrieben und können dann Einsicht in die über sie gesammelten Daten nehmen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Mehr: Milliardenstrafen, Spitzellisten, Reputationsverlust: Die Übernahme des US-Konzerns Monsanto entwickelt sich für Bayer zum unkalkulierbaren Risiko.

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