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Pharmakonzern Boehringer kauft Schweizer Biotechfirma NBE für bis zu 1,18 Milliarden Euro

Der Pharmakonzern will bei der nächsten Generation von Krebsmitteln dabei sein – und verstärkt seine Forschung mit einer weiteren Biotechübernahme.
10.12.2020 - 15:58 Uhr Kommentieren
Das Familienunternehmen plant den größten Deal seit der Übernahme des Geschäfts mit Tiermedikamenten vom französischen Arzneimittelhersteller Sanofi 2016. Quelle: dpa
Boehringer Ingelheim

Das Familienunternehmen plant den größten Deal seit der Übernahme des Geschäfts mit Tiermedikamenten vom französischen Arzneimittelhersteller Sanofi 2016.

(Foto: dpa)

Frankfurt Boehringer Ingelheim baut seine Forschung im Bereich Krebsmedikamente mit der Übernahme der Schweizer Biotechfirma NBE Therapeutics aus. Dafür zahlt das Unternehmen bis zu 1,18 Milliarden Euro – einschließlich erfolgsabhängiger Kaufpreis-Komponenten.

Der Ingelheimer Konzern war bisher bereits über den Boehringer Ingelheim Venture Fonds (BIVB) an NBE beteiligt und gehörte damit neben Investoren aus Tschechien, Dänemark und der Schweiz schon zu den Hauptfinanziers des Baseler Start-ups.

Gemessen an der Gesamtsumme, ist der Zukauf für das Ingelheimer Familienunternehmen der größte Deal seit der Übernahme des Geschäfts mit Tiermedikamenten vom französischen Pharmakonzern Sanofi 2016. Für dieses hatte Sanofi im Tausch das Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten von Boehringer und zusätzlich 4,7 Milliarden Euro erhalten. Es war der bisher bedeutendste Zukauf in der Firmengeschichte der Ingelheimer.

Für den mit 19 Milliarden Euro Jahresumsatz zweitgrößten deutschen Pharmakonzern nach Bayer geht es bei dem jüngsten Zukauf vor allem darum, seine Forschung im Bereich Krebsmedikamente durch eine weitere neue Technologie zu verbreitern.

NBE Therapeutics ist auf sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjungate (AWK) spezialisiert, eine Medikamentenklasse, die in den letzten Jahren deutlich stärker in den Fokus der Pharmabranche gerückt ist. Auch etliche große Pharmakonzerne, darunter Astra-Zeneca und Roche, haben sich auf dem Feld mit größeren Deals und Forschungsprojekten engagiert.

Bei AWK-Substanzen werden Antikörper mit einem Zellgift oder anderen wachstumshemmenden Substanzen gekoppelt. Der Antikörper soll dabei dafür sorgen, dass die Wirksubstanz möglichst gezielt zu Tumorzellen transportiert wird. Dadurch können zum Beispiel höhere Dosierungen von krebshemmenden Substanzen eingesetzt werden.

„Länger wirksame Therapien ermöglichen“

Das am weitesten vorangeschrittene Projekt von NBE, ein potenzielles Medikament gegen Brustkrebs und andere solide Tumore, befindet sich allerdings erst in der frühen Phase 1 der klinischen Erprobung und damit noch einige Jahre von einer möglichen Zulassung entfernt. Ziel des Ingelheimer Konzerns ist es nach eigenen Angaben, mithilfe des Neuerwerbs eine ganze Pipeline an AWK-Produkten aufzubauen – und damit auch Kombinationen mit immuntherapeutischen Wirkstoffen zu generieren.

Boehringer ist im Geschäft mit Krebsmitteln bisher eher schwach vertreten und hat zum Beispiel die erste Welle an Krebsimmunmedikamenten verpasst. Mit den jüngsten Zukäufen unterstreicht der Konzern jedoch seine Ambitionen, auf dem Feld stärker Fuß zu fassen und bei der nächsten Generation von Krebsmitteln dabei zu sein.

„Die NBE-Therapeutics-iADC-Plattform ergänzt unser Onkologie-Portfolio um herausragende Ansätze, die direkt gegen die Tumorzellen wirken. Dies könnte neue, leistungsstarke Kombinationen in Verbindung mit unseren anderen immun-onkologischen Ansätzen und damit besser und länger wirksame Therapien ermöglichen“, erklärte Michel Pairet, der Forschungschef von Boehringer.

In den letzten Jahren hatte Boehringer durch kleinere Deals vor allem seine Präsenz im Bereich der Immun-Onkologie verstärkt. Dazu gehörte etwa 2019 die Übernahme der ebenfalls in der Schweiz beheimateten Amal Therapeutics, die an Krebsimpfstoffen auf der Basis von Peptiden und Proteinen arbeitet. Ziel dieser Wirkstoffe ist es vor allem, Tumore leichter für Immunzellen zugänglich zu machen.

Mit dem Erwerb der österreichischen Vira Therapeutics engagierte sich Boehringer ein Jahr zuvor bereits auf dem Gebiet der onkolytischen Viren. Dabei geht es um Viren, die gezielt Krebszellen zerstören können. Auch diese Projekte befinden sich noch in einer frühen Forschungsphase.

Mehr: Bayer schafft nach Übernahme von Ask Bio eigene Plattform für Gentherapie.

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