Pharmakonzern Sinkende Gewinnmarge, steigende Schulden – In der Merck-Bilanz holpert es kräftig

Konzernchef Oschmann hatte die Investoren vor einem harten Jahr gewarnt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass bei Merck vieles nicht rund läuft.
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Die Konzernführung muss die richtige Balance zwischen Wachstumsambitionen und Finanzbedürfnissen finden. Quelle: dpa
Merck-Zentrale in Darmstadt

Die Konzernführung muss die richtige Balance zwischen Wachstumsambitionen und Finanzbedürfnissen finden.

(Foto: dpa)

FrankfurtDas Jubiläumsjahr 2018 wird für Merck kein Jahr großer Sprünge sein, sondern ein „Übergangsjahr“ mit einigem Gegenwind. So hatte es Konzernchef Stefan Oschmann angekündigt. Und die Halbjahreszahlen zeigen, dass der Merck-CEO guten Grund hatte, die Investoren auf eine holprige Wegstrecke vorzubereiten.

Denn die Margen-Entwicklung beim Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern sieht im ersten Halbjahr nicht gerade vorteilhaft aus. Während man den Umsatz mit 7,2 Milliarden Euro nahezu konstant halten konnte, ist der ausgewiesene Betriebsgewinn im ersten Halbjahr um ein Drittel auf knapp 900 Millionen Euro, der Reingewinn sogar um 38 Prozent auf 593 Millionen Euro geschrumpft.

Natürlich spielten dabei negative Währungseffekte und einige Sondereinflüsse eine erhebliche Rolle. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), bei dem der Konzern diverse Einmaleffekte eliminiert, lag mit 1,9 Milliarden Euro nur 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau, und etwa elf Prozent des Rückgangs gehen dabei nach Berechnung von Merck auf das Konto von Wechselkursverschiebungen.

Klar erscheint indessen, dass sich selbst auf Basis der bereinigten Zahlen die Ertragsqualität von Merck momentan verschlechtert. Zwei Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle: Zum einen verliert Merck Umsatz im extrem profitablen Geschäft mit Flüssigkristallen. Der Erlösrückgang wird zwar durch Umsatzzuwächse bei anderen Elektronikchemikalien kompensiert, doch die sind bei weitem nicht so profitabel. Die operative Rendite schrumpfte entsprechend um sechs Prozentpunkte.

Cashflow geht zurück

Ein ähnlicher Effekt wirkt zudem auch im Pharmageschäft, wo Hochpreisprodukte wie das Multiple-Sklerose-Mittel Rebif unter Druck stehen, während margenschwächere Mittel wie Glucophage zulegen. Die Neuentwicklungen der letzten Jahre liefern zwar inzwischen erste sichtbare Umsätze, sind vorerst aber auch noch mit hohen Forschungs- und Markteinführungskosten verbunden. Gleichzeitig ist die übrige Pipeline so interessant, dass man auch hier die Forschung weiter ausbaute und im Prinzip auch in den nächsten Jahren noch verstärken müsste.

Selbst auf bereinigter Basis schlug sich diese Konstellation im Halbjahr in einem operativen Gewinnrückgang von fast 27 Prozent und einem Rückgang der Ebitda-Margen um acht Punkte auf 25 Prozent in der Merck-Gesundheitssparte nieder. Die einzige Sparte, die bei Merck für Stabilität sorgt, ist damit das Life-Science-Geschäft, das man vor drei Jahren durch die große Übernahme von Sigma Aldrich gestärkt hatte.

Dass 2018 für den Konzern ein hartes Jahr ist, zeigt sich insbesondere auch in der Cashflow-Entwicklung. So ist der operative Mittelzufluss im Halbjahr um beachtliche 40 Prozent auf nur noch 748 Millionen Euro geschrumpft. Der Free-Cashflow halbierte sich auf nur noch knapp 300 Millionen Euro.

Da Merck gleichzeitig rund 750 Millionen Euro an Dividenden auszahlen musste, stieg die Netto-Finanzverschuldung zur Jahresmitte wieder an, auf knapp 10,7 Milliarden Euro. In Relation zum Ebitda erhöhte sich die Verschuldung damit vom 2,3-Fachen auf das 2,6-Fache.

Zwar sind kurzfristige Cashflow-Betrachtungen mit Vorsicht zu genießen. Insgesamt zeigt der Trend jedoch, dass Merck auch auf finanzieller Ebene eine gewisse Durststrecke überwinden muss. Rechnet man die Halbjahreszahlen hoch, wird der Konzern 2018 erstmals seit Jahren weniger als eine Milliarde Euro an freiem Cashflow aus dem operativen Geschäft herausholen.

Chancen durch Kooperationen

Das macht deutlich, dass der vereinbarte Verkauf der Consumer Health Sparte, die für 3,4 Milliarden Euro an Procter & Gamble geht, nicht nur strategisch gut ins Konzept passt, sondern auch finanziell gerade zur rechten Zeit kommt. Ohne einen solchen Deal wäre das Ziel, den Verschuldungsgrad wieder unter zwei zu drücken, vorerst wohl kaum erreichbar.

Ähnliches gilt für die Allianzen, die der Konzern derzeit für mehrere seiner Entwicklungsprojekte im Pharmabereich anstrebt. Auch hier passt die strategische Rationale zu den finanziellen Bedürfnissen.

Wenn sich die Prognosen mancher Experten bestätigen, kann der Konzern im Zuge solcher Deals auf ansehnliche Einmalzahlungen hoffen und zudem seinen Forschungsaufwand reduzieren. Sie würden damit sowohl die Finanzstruktur als auch den laufenden Cashflow stärken.

Ebenso wie im Fall der Consumer Health Sparte gilt allerdings auch hier, dass man in gewissem Umfange auf zukünftiges Ertragspotenzial verzichtet.

Es bleibt daher weiter eine anspruchsvolle Aufgabe für die Merck-Führung, die richtige Balance zwischen Wachstumsambitionen und Finanzbedürfnissen zu finden.

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