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Krebsforschung

In Deutschland erkranken jährlich etwa 15.000 Menschen an Nierenkrebs.

(Foto: Reuters)

Pharmakonzerne Neue Medikamente geben Hoffnung im Kampf gegen Nierenkrebs

Konzerne wie Pfizer und Merck hoffen auf die Zulassung ihrer Medikamente. Experten sprechen bereits von einer „zweiten Revolution“ in der Nierenkrebstherapie.
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FrankfurtDie Immuntherapie schiebt die Überlebensspanne für Nierenkrebs-Patienten ein weiteres Stück nach vorne: Sowohl Pfizer und die Darmstädter Merck-Gruppe als auch der US-Konzern Merck & Co können auf entsprechende Zulassungen für ihre Krebsimmunmedikamente Bavencio und Keytruda hoffen.

Für beide Wirkstoffe präsentierten die Hersteller auf einer Fachkonferenz in den vergangenen Tagen Testresultate, die in der Therapie von Nierenzell-Karzinomen auf deutliche Vorteile gegenüber der bisherigen Standard-Therapie Sutent (Sunitinib) deuten – ähnlich wie zuvor bereits zwei Wirkstoffe des US-Konzerns Bristol-Myers Squibb.

Der französische Onkologe Bernard Escudier vom französischen Krebsforschungszentrum Gustave Roussy spricht in einem Editorial im angesehenen „New England Journal of Medicine“ von einer zweiten Revolution in der Nierenkrebstherapie innerhalb der letzten zwölf Jahre.

Es handelt sich dabei um einen Therapiebereich mit erheblichem medizinischem Bedarf und entsprechendem wirtschaftlichen Potenzial für neue, bessere Medikamente. In Deutschland erkranken jährlich etwa 15.000 Menschen an Nierenkrebs. Weltweit wird die Zahl der Neuerkrankungen auf mehr als 400.000 geschätzt. Marktführer bei Medikamenten sind bisher Pfizer mit Sutent und Bayer mit dem Medikament Nexavar.

Ein Erfolg im Bereich Nierenkrebs wäre vor allem für die deutsche Merck ein wichtiger Erfolg, der das Marktpotenzial von Bavencio deutlich erweitern könnte. Das Mittel ist bisher nur als Therapie gegen Merkelzell-Karzinome, eine seltene Form von Hautkrebs, sowie zur Behandlung von Blasenkrebs zugelassen. Es wird aber auch in einer Reihe weiterer Krebsarten erprobt.

In der Nierenkrebstherapie testeten Merck und Pfizer den Wirkstoff in Kombination dem Pfizer-Medikament Inlyta an knapp 900 Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs. Dabei wurde mit Bavencio im Median eine Überlebenszeit der Patienten ohne Krankheitsfortschritt, das sogenannte progressionsfreie Überleben, von knapp 14 Monaten erreicht, gegenüber 8,4 Monaten in der Vergleichsgruppe, die nur mit Sutent behandelt wurde.

Gut 51 Prozent der Patienten reagierten auf die Behandlung, bei 3,4 Prozent bildeten sich die Krebserkrankungen komplett zurück. Insgesamt war das Todesfallrisiko in der Bavencio-Gruppe um 22 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe.

Checkpoint-Inhibitoren wecken große Hoffnungen

Ähnliche Resultate konnte der US-Konzern Merck & Co für seinen Wirkstoff Keytruda präsentieren, der ebenfalls in Kombination mit Inlyta getestet wurde. Keytruda ist bisher bereits gegen zehn Krebsarten zugelassen und ist inzwischen mit sieben Milliarden Dollar Jahresumsatz das führende Krebsimmunmedikament

Im Test gegen Nierenkrebs lag bei den mit Keytruda behandelten Patienten das progressionsfreie Überleben im Median bei 15 Monaten, die Ansprechrate bei 59 Prozent, der Anteil der Komplett-Rückbildungen bei 5,8 Prozent. Das Todesfallrisiko war sogar um 47 Prozent reduziert.

Allerdings waren die Krebserkrankungen bei den Patienten in der Studie von Merck & Co etwas weniger gravierend und die Perspektiven daher von vorneherein etwas günstiger als in dem klinischen Test mit Bavencio.

Beide Wirkstoffe gehören zur Gruppe der so genannten Checkpoint-Inhibitoren, einer neuen Klasse von Immunmedikamenten in der Krebstherapie, die in den letzten Jahren große Hoffnungen weckten. Die Wirkstoffe sorgen dafür, dass sich Tumorzellen weniger gut vor der körpereigenen Immunabwehr tarnen können.

Zwar profitieren längst nicht alle Patienten von den Medikamenten, im Schnitt konnten sie aber bei einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen das Voranschreiten erheblich verzögern, so etwa bei Hautkrebs und Lungenkrebs. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich nun auch bei Nierenkrebs ab. Hier dürfte die Immuntherapie ebenfalls zum neuen Standard werden.

Allerdings ist bisher noch nicht ganz klar, welches der neuen Mittel dabei langfristig die Führungsrolle übernehmen wird. Bereits im vergangenen Jahr erhielt Bristol-Myers Squibb die Zulassung für eine Kombination seiner Medikamente Opdivo und Yervoy die Zulassung für die Behandlung von Nierenzell-Karzinomen. Auch hierbei handelt es sich um zwei Moleküle aus der Klasse der Checkpoint-Inhibitoren.

Sie zeigten gegenüber Sutent zwar kaum Vorteile beim durchschnittlichen progressionsfreien Überleben, führten andererseits aber bei einem deutlich höheren Anteil von Patienten (10,2 Prozent) zur Komplett-Remission, das heißt dem Verschwinden des Krebses. Aus Sicht von Fachleuten wird es nun vor allem darauf ankommen, zu klären, welche Patienten genau von welcher Kombination am stärksten profitieren.

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