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Pharmamanager Severin Schwan Beliebt, erfolgreich, hochdotiert – Das Erfolgsrezept des Roche-Chefs

Kürzlich wurde der CEO des Pharmariesen Roche zum beliebtesten Chef gekürt. Jetzt hob er zum dritten Mal in Folge die Prognose seines Konzerns an.
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Der deutsch-österreichische Manager hat fast seine gesamte berufliche Karriere bei Roche verbracht. Quelle: Roland Schmid für Handelsblatt
Severin Schwan

Der deutsch-österreichische Manager hat fast seine gesamte berufliche Karriere bei Roche verbracht.

(Foto: Roland Schmid für Handelsblatt)

Zürich, Frankfurt Fußballer nennen das einen Hattrick: Am Mittwoch erhöhte der Basler Pharmakonzern Roche zum dritten Mal in Folge seine Prognose für das laufende Jahr. Während sich andere Branchen mit Rezessionsängsten plagen, strotzen die Schweizer vor Zuversicht. Der Erfolg geht auch auf das Konto des Mannes an der Spitze: Severin Schwan.

Seit 2008 führt er das Unternehmen, fast seine gesamte berufliche Karriere hat er dort verbracht – und beweist damit, dass eine Eigenbluttherapie durchaus erfolgreich sein kann. Dem Manager mit dem österreichischen und deutschen Pass gelingt ein seltener Balanceakt: Sowohl die Börse als auch die Mitarbeiter schätzen ihn.

In den ersten neun Monaten des Jahres konnte der Konzern den Umsatz auf 46,1 Milliarden Franken (42 Milliarden Euro) erhöhen, das war ein Plus von neun Prozent. Der Gewinn soll in der gleichen Größenordnung wachsen. Dass Roche die eigenen Erwartungen übertrifft, hat auch mit der vorsichtigen Art des Chefs zu tun: Wer tiefstapelt, kann positiv überraschen.

Zwar haben auch andere Pharmakonzerne ihre Prognosen erhöht, doch bei Roche läuft es derzeit besonders gut. Analysten zeigen sich von den Nachrichten aus Basel angetan – und stellen Schwan ein positives Zeugnis aus. „Roche und Severin Schwan haben Quartal für Quartal gezeigt, dass die Firma trotz der Bedrohung durch Nachahmermedikamente wachsen kann“, sagt ZKB-Analyst Michael Nawrath.

Die Erfolgsmeldungen sind umso erstaunlicher, als Experten den Schweizern eigentlich eine düstere Zukunft prognostiziert hatten. Auf eine ganze Reihe von wichtigen Medikamenten, im Branchenjargon Blockbuster genannt, laufen die Patente ab: Die drei betroffenen Krebsmittel Avastin, Herceptin und Rituxan trugen zusammen rund 20 Milliarden Euro zum Umsatz bei, rund die Hälfte des gesamten Pharmageschäfts. Doch die Verluste konnte Roche mit neuen Medikamenten bislang mehr als ausgleichen.

Innovation ist nicht programmierbar. Man kann nur die Voraussetzungen verbessern. Severin Schwan (Roche-Chef)

„Wir wachsen mit zehn Prozent, und das wurde vollständig von der Nachfrage nach unseren neuen Produkten getrieben“, sagte Schwan am Mittwoch. Neue Medikamente wie Ocrevus gegen Multiple Sklerose oder Hemlibra, mit dem sich die Bluterkrankheit behandeln lässt, sind gefragt. Jetzt muss der Roche-Chef beweisen, dass seine Neuentwicklungen die Umsatzverluste bei den Blockbustern auch in Zukunft ausgleichen können.

Dabei ist Schwan kein Pharmakologe, sondern Ökonom und promovierter Jurist. Was ihn nicht daran hindert, stundenlang über neue Therapieansätze zu reden. Kenner attestieren ihm ein enormes Interesse, sich tief in Themen einzuarbeiten.

Das betrifft nicht nur die Pharmawelt, sondern auch die Architektur – am altehrwürdigen Roche-Sitz wird derzeit nämlich kräftig gebaut, und der architekturbegeisterte Manager redet mit. Zur Arbeit kommt der 51-jährige Vater von drei Kindern gerne mit dem E-Bike.

Auch hinter den Kulissen des Konzernsitzes nimmt die Zukunft mit flacheren Hierarchien, digitalisierten Prozessen und schnelleren Entscheidungswegen Gestalt an. Das war nicht immer so. Die Firma habe sich lange auf dem Erfolg mit großen Krebsmedikamenten ausgeruht, sagt Analyst Nawrath. Das habe sich geändert: „Bei Roche weht heute ein völlig anderer Wind.“

Der Analyst glaubt, dass Roche die veränderte Firmenkultur maßgeblich dem Amerikaner Bill Anderson zu verdanken hat, der im Dezember die Leitung der Pharmasparte übernahm. Aber auch Schwan will seinen Leuten mehr Freiräume lassen: „Innovation ist nicht programmierbar“, sagte er im Handelsblatt-Interview. „Man kann nur die Voraussetzungen für Innovationen verbessern.“

Bei den Mitarbeitern kommt das gut an. In einer Umfrage der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Glassdoor unter deutschen Arbeitnehmern wurde Schwan im Sommer zum besten Chef gekürt: Die Zustimmungsrate lag bei 99 Prozent. In Deutschland beschäftigt Roche insgesamt 16.500 Menschen.

Angesichts des Aktienkurses, der auf einem Fünfjahreshoch notiert, dürften auch die Roche-Erben mit Schwan zufrieden sein. Das Unternehmen befindet sich noch immer mehrheitlich in der Kontrolle der Gründerfamilie. Das schafft Spielraum für den Chef, der sich seinen Erfolg entsprechend vergüten lässt. Mit einem Salär von 11,8 Millionen Franken zählt Schwan zu den Spitzenverdienern unter den europäischen Konzernchefs – ein Gehalt fast wie beim Spitzenfußball.

Mehr: Der Umsatz des Schweizer Pharmakonzerns Roche dürfte 2019 stärker steigen als bislang angenommen. Der Erlös von TomTom geht zurück. Die Geschäftszahlen des Tages.

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