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Pharmazulieferer Sartorius-Konzern setzt auf alternde Bevölkerung und bessere Gesundheitsvorsorge

Der Pharma- und Laborzulieferer will vor allem durch Technologie-Zukäufe wachsen. Mehr als 2,5 Milliarden Euro kann das Unternehmen dafür mobilisieren.
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Das Göttinger Unternehmen will rund ein Drittel seines Wachstums bis 2025 durch Zukäufe generieren. Quelle: Sartorius
Sartorius-Labor

Das Göttinger Unternehmen will rund ein Drittel seines Wachstums bis 2025 durch Zukäufe generieren.

(Foto: Sartorius)

Göttingen Das Thema Konjunkturflaute macht Joachim Kreuzburg wenig Sorgen. Der Chef des Pharma- und Laborzulieferers Sartorius hat zur Jahresmitte sogar noch einmal die Prognose erhöht und hält auch an seinem ambitionierten Mittelfristziel fest. Bis 2025 will er den Umsatz von zuletzt knapp 1,57 auf rund vier Milliarden Euro mehr als verdoppeln und die operative Marge (Ebitda) von 25,9 auf dann 28 Prozent steigern.

„Unsere Mittelfristplanung ist robust und hängt nicht von kurzfristigen konjunkturellen Zyklen ab“, sagt Kreuzburg im Gespräch mit dem Handelsblatt. Zwar sei aktuell eine gewisse Nachfragezurückhaltung in der Laborsparte zu spüren, so dass Sartorius in diesem Jahr dort wohl nur den unteren Bereich der Prognose erreichen werde.

Aber die starke Bioprocessing-Sparte, das Geschäft mit Materialien und Geräten für die Produktion von Biotechmedikamenten, überkompensiere diese Entwicklung. Für 2019 erwarte er ein klar zweistelliges Wachstum, sagt Kreuzburg, der das börsennotierte Unternehmen seit 2005 führt.

Die Göttinger, deren Vorzugsaktien seit vergangenem September auch im Mdax notieren, profitieren seit einiger Zeit vom Boom bei den Biopharmazeutika. Immer mehr solcher kompliziert herzustellenden Biotechmedikamente kommen auf den Markt. Für deren Produktion liefert Sartorius unter anderem Produkte wie Bioreaktoren zur Zellkultivierung, Fermenter oder Aufreinigungssysteme.

Zudem haben die ersten Generationen dieser Medikamente ihren Patentschutz verloren, darunter viele milliardenschwere Blockbuster, für die diverse Nachahmerprodukte auf den Markt drängen. Auch diese so genannten Biosimilars benötigen für die Herstellung Produkte, wie sie Sartorius oder auch große Wettbewerber wie Thermo Fischer, Danaher, Merck Millipore oder GE herstellen. In diesem Bereich werden in den nächsten Jahren von Marktforschungsinstituten wie Evaluate Pharma zweistellige Zuwachsraten erwartet, während der Biopharmaka-Markt um rund neun Prozent pro Jahr zulegen soll.

„Wir machen deutlich mehr als drei Viertel unseres Geschäfts mit der Biopharmazeutika-Industrie“, sagt Kreuzburg und ergänzt: „Ich denke, dass die Branche uns noch viele Jahre ordentliche Wachstumsraten ermöglichen wird.“ Die großen Treiber seien auch weiterhin eine alternde Bevölkerung in den Industrieländern und eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung in vielen Schwellenländern.

Medikamentenproduktion wird weiter automatisiert

Dass neuartige Gen- und Zelltherapien, die derzeit ein großes Thema in der Pharmabranche sind, den großen Biotechmedikamenten den Rang ablaufen, kann sich der Sartorius-Chef erst einmal nicht vorstellen. „Ein Aussterben des Blockbustermodells sehe ich bis auf weiteres nicht“, sagt Kreuzburg.

Der Markt der neuartigen Gen- und Zelltherapien sei sehr interessant, stehe aber noch ganz am Anfang. „Wir sind mindestens noch zehn Jahre davon entfernt, dass solche hochspezialisierten Therapien eine gewichtige Marktgröße einnehmen“, sagt Kreuzburg. Er erwartet, dass es künftig ein Nebeneinander der Therapien im Markt geben wird.

Nach Ansicht des Sartorius-Chefs werden die neuartigen Gen- und Zelltherapien eher in kleineren, stärker integrierten und automatisierten Produktionsstätten hergestellt werden, vielleicht sogar auch in Spezialkliniken. „Deswegen schauen wir uns bei Zukäufen auch nach Technologien und digitalen Tools um, mit denen die Medikamentenproduktion weiter automatisiert werden kann“, sagt Kreuzburg.

Im Markt der Laborausrüster und Zulieferer für die Biopharmaproduktion findet seit einigen Jahren eine starke Konsolidierung statt. Große US-Player wie Thermo Fischer (24 Mrd. Dollar Jahresumsatz) und Danaher (18 Mrd. Dollar Umsatz) verstärken sich seit Jahren mit milliardenschweren Übernahmen. Aktuell will Danaher bis Ende dieses Jahres die mehr als 20 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Biopharma-Sparte von GE abschließen.

Aber auch der deutsche Merck-Konzern hat mit großen Übernahmen wie Millipore und Sigma Aldrich sein Life Science Geschäft in den vergangenen Jahren auf mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz ausgebaut. Dass Sartorius als vergleichsweise kleiner Player noch eigenständig im Markt agiert, ist der Tatsache geschuldet, dass mehr als 50 Prozent der Stammaktien in Besitz der Nachfahren von Firmengründer Horst Sartorius sind und noch zehn Jahre treuhänderisch von einem Testamentsvollstrecker verwaltet werden.

Sartorius plant, ein Drittel seines Wachstums bis 2025 durch Akquisitionen zu generieren. Beim Preispoker mit großen Wettbewerbern wird das Unternehmen dabei nicht immer mithalten können. „Aber wir können damit punkten, schnell und kreativ zu sein und ein attraktives Integrationskonzept zu bieten“, sagt Kreuzburg selbstbewusst.

Genügend Mittel für Zukäufe

Der Firmenchef setzt darauf, sich mit jungen und innovativen Unternehmen zu verstärken. „Der Markt ist hochdynamisch und es gibt sehr viele innovative Konzepte. Außerdem werden heute auch junge Firmen viel früher zum Verkauf gestellt, weil eben schon auf die Wachstumschance viel Geld gezahlt wird.“ Potenzial zur Optimierung der Wirkstoffentwicklung und Produktion durch neue Technologien gibt es genug.

2017 beispielsweise Sartorius das in Schweden ansässige Unternehmen Umetrics erworben, ein weltweit führender Software-Spezialist für die Datenanalyse zur Modellierung und Optimierung von biopharmazeutischen Entwicklungs- und Produktionsprozessen. Zudem wurde das US-Unternehmen Essen BioScience gekauft, das innovative Zellanalytik-Systeme für die Arzneimittelforschung entwickelt.

Für Zukäufe könnte Sartorius schon einiges aufbieten, macht Kreuzburg klar: „Wir können neben einer Fremdkapitalfinanzierung auch rund 2,5 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital für Akquisitionen mobilisieren“, sagt er. Zum einen halte das Unternehmen jeweils neun Prozent eigene Aktien bei Stämmen und Vorzügen, die momentan mit etwa eine Milliarde Euro bewertet seien. Hinzu komme die Genehmigung zu einer Kapitalerhöhung bei der Tochter Sartorius Stedim Biotech, die noch einmal etwa 1,5 Milliarden Euro wert sei.

Bei Analysten wie Scott Bardo von der Berenberg Bank gilt Sartorius als „dynamische Wachstumstory mit einem talentierten Management Team“. Das Risiko-Profil sei niedrig, gleichwohl könnten manche Szenarien wie das erwartete Biosimilarswachstum auch weniger stark ausfallen.

Zudem sehen Analysten konjunkturelle Risiken im Laborbereich und dem großen Wachstumsmarkt China. Nach Ansicht von Thomas Schießle von der Research-Firma Equits könnte die Diskussion um die Pharmapreise in den USA auch zu einer Beeinflussung der Nachfrage bei der wichtigen Kundengruppe der Biologika-Hersteller führen.

Für die Wachstumsstrategie von Sartorius haben die beiden großen Märkte USA und China jedenfalls einen hohen Stellenwert. „In China wollen wir 2025 rund dreimal so groß sein wie heute. Und in den USA unsere Produktion verdoppeln“, sagt Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg. Nicht zuletzt will sich Sartorius mit der Regionalisierung der Wertschöpfung auch stärker gegen handelspolitische Auseinandersetzungen wie die zwischen den USA und China wappnen.

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