Piëch und Winterkorn VW-Aufsichtsräte wollen „Klarstellung“ erreichen

Nach der Rückendeckung für VV-Chef Winterkorn mehren sich die Rücktrittsforderungen gegen Aufsichtsratsboss Piëch. Das Kontrollgremium will nach Handelsblatt-Informationen ein weiteres Mal über die Führungskrise beraten.
Update: 20.04.2015 - 06:28 Uhr 1 Kommentar
VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat zwar den Machtkampf um den Vorstandsposten verloren, doch die Arbeitnehmer und das Land Niedersachen stehen weiter hinter ihm. Quelle: dpa

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat zwar den Machtkampf um den Vorstandsposten verloren, doch die Arbeitnehmer und das Land Niedersachen stehen weiter hinter ihm.

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WolfsburgDie führenden Aufsichtsräte von Volkswagen wollen erneut über die Führungskrise beraten, die den Autohersteller seit zehn Tagen im Griff hat. Um die Fronten zu glätten, wollten die sechs Mitglieder des Aufsichtsratspräsidiums zeitnah zu eine Gespräch zusammenkommen, wie das Handelsblatt (Montagausgabe) aus dem Umfeld des Gremiums erfuhr.

Vordringlichstes Ziel soll sein, ein vernünftiges Miteinander von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und VW-Chef Martin Winterkorn zu erreichen. Die Arbeit zwischen den beiden müsse funktionieren, hieß es im Umkreis der Beteiligten. Dazu müsse es eine Klarstellung geben.

Piëch hatte Volkswagen mit seiner Erklärung, dass er auf Distanz zu Winterkorn gegangen sei, in eine Führungskrise gestürzt. Am vergangenen Freitag hatte sich das Präsidium dann hinter Winterkorn gestellt - und gegen Piëch.

Das neuerliche Treffen soll noch vor der Hauptversammlung von VW am 5. Mai stattfinden. Wie schon bei dem letzten Treffen am vergangenen Donnerstag sollen an der Neuauflage neben Piëch auch Betriebsratschef Bernd Osterloh, dessen Vize Stephan Wolf, Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wolfgang Porsche teilnehmen.

Volkswagen-Aufsichtsrat Berthold Huber hat indes am Wochenende Spekulationen über ein Rücktritts-Szenario für VW-Chefkontrolleur Piëch als substanzlos zurückgewiesen. „Zur aktuellen Diskussion stelle ich klar: Es gibt keinen Grund, den Rücktritt von Dr. Piëch zu betreiben. Die Arbeitnehmer haben zum wiederholten Male erklärt, dass wir die Kombination zweier starker Persönlichkeiten an der Spitze von Volkswagen schätzen“, sagte Huber am Sonntag den Nachrichtenagenturen. Er betonte: „Wir haben die feste Absicht, mit Dr. Piëch und Dr. Winterkorn den erfolgreichen Weg von Volkswagen auch in Zukunft fortzusetzen.“

Piëchs Top- und Flop-Modelle
Porsche Typ 356 2 (Gmünd) Coupé 1948
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Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

Benzin im Blut - VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er gilt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang - von 1993 bis 2002 - stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. "Autos bauen", nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW ...

Ferdinand Piech
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Ferdinand Piech mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piech bestimmten ...

Gulf Porsche 917
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In Zürich studierte Piech Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piech machte Blitzkarriere: nach vier Jahren Abteilungsleiter und weitere fünf Jahre danach technischer Geschäftsführer. Piech ist technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917 ...

Porsche 917
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Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

Ferdinand Piech
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1972 musste Piech Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piech nach Querelen beschlossen, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernennt ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

Bei Audi in Ingolstadt
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Auch bei Audi setzt Piech seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentiert er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert ...

Auch das Land Niedersachsen als Großaktionär trat Spekulationen um die Zukunft Piëchs entgegen. „Ministerpräsident Stephan Weil hat stets betont, dass er die erfolgreiche Zusammenarbeit sowohl mit dem Vorstandsvorsitzenden des VW-Konzerns als auch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden fortsetzen will. An dieser Haltung hat sich nichts geändert“, teilte Regierungssprecherin Anke Pörksen mit. Ähnlich hatte sich der VW-Aufsichtsrats-Vize und Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh bereits am Freitag geäußert.

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1 Kommentar zu "Piëch und Winterkorn: VW-Aufsichtsräte wollen „Klarstellung“ erreichen"

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  • In solchen Auseinandersetzungen werden von den Medien gerne sog. "Experten" befragt. In diesen Tagen tingelt ein Herr Becker, ehemaliger Chefvolkswirt von BMW, durch die Gazetten und Sender. Dieser Mann hat wohl mit Herrn Winterkorn noch eine Rechnung offen, weil er sich einseitig gegen den VW-Chef positioniert. Geradezu abstrus jedoch sein Vorwurf an den VW-Chef in Sachen Strategie: VW solle sich doch ein Vorbild z.B. an Peugeot nehmen, "die haben Ideen." Der gute Herr Becker scheint wohl noch nicht bemerkt zu haben, dass Peugeot faktisch pleite ist und nur noch mit Staatsgeldern aus Frankreich und China künstlich am Leben erhalten wird. Vorbild für VW ??

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