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Pipeline-Verlegeschiff in der Ostsee

Die 1230 Kilometer lange Pipeline Nord Stream 2 soll russisches Gas ohne Umwege wie bislang über die Ukraine und Slowakei direkt nach Deutschland leiten.

(Foto: dpa)

Pipeline Gazprom schafft im Streit um Nord Stream 2 Fakten in der Ostsee

Trotz Drohungen der USA treibt der Konzern den Bau von Nord Stream 2 weiter voran. Vor der deutschen Küste sind die Arbeiten bereits abgeschlossen.
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Wien Der russische Energieriese Gazprom treibt den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 trotz der Sanktionsdrohungen von amerikanischer Seite unvermindert an. „Die Arbeiten schreiten planmäßig voran“, sagte ein Sprecher der in der Schweiz ansässigen Gazprom-Tochter Nord Stream 2 AG dem Handelsblatt.

„In deutschen Gewässern wurden die Arbeiten im Wesentlichen abgeschlossen. Gegenwärtig arbeiten zwei große Verlegeschiffe in finnischen und schwedischen Gewässern.“

Über 400 Kilometer der insgesamt 1230 Kilometer langen Gasleitung von Russland nach Deutschland liegen bereits nach Angaben von Gazprom auf dem Grund der Ostsee. Das weltweit größte Verlegeschiff „Pioneering Spirit“ arbeitet derzeit in finnischen Gewässer in Richtung Schweden. Derartige Spezialschiffe verlegen bei entsprechenden Bedingungen pro Tag rund drei Kilometer an Stahlrohren.

„Nord Stream 2 hat die Verlegung mit den vorhandenen Kapazitäten so geplant, dass der Abschluss der Arbeiten in diesem Jahr wie geplant erfolgen kann“, sagt der Sprecher. Die Gasleitung mit einem maximalen Volumen von jährlich 55 Milliarden Kubikmetern wird in Lubmin bei Greifswald anlanden.

Zuletzt hatte Richard Grenell, US-Botschafter in Deutschland, den an Nord Stream 2 beteiligten Konzernen, der BASF-Tochter Wintershall und der Eon-Abspaltung Uniper, mit Sanktionen gedroht, sollten sie weiter an der umstrittenen Ostsee-Pipeline festhalten. Die Gazprom-Tochter wollte sich zu dem am Wochenende bekannt gewordenen Brief an Wintershall und Uniper nicht äußern. „Als Projektentwickler kommentieren wir derartige politische Statements nicht“, sagte ein Sprecher im schweizerischen Zug.

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Doch die beteiligten Unternehmen geben sich von Grenells Vorgehen unbeeindruckt. „Seitens der Investoren und Dienstleister erfährt das Projekt vollste Unterstützung“, heißt es bei der Nord Stream 2 AG. Dort glaubt man nicht, dass die USA mit Sanktionen überhaupt reagieren können.

„Als Projektentwickler müssen wir uns auf geltendes Recht verlassen. Die geltenden Richtlinien der USA für die Umsetzung von Sanktionen schließen Vereinbarungen vor dem Inkrafttreten des Sanktionsgesetzes im Sommer 2017 aus. Dies gilt für alle wesentlichen Verträge mit Dienstleistern und Lieferanten ebenso wie für die Finanzierungsvereinbarungen zu“, sagte ein Sprecher.

USA haben verschiedene Optionen für Sanktionen

Der beteiligte österreichische Energiekonzern OMV reagierte unterdessen harsch auf den Druck der USA. „Der Brief ist eine vollkommen inakzeptable Bedrohung von deutschen Unternehmen. Es ist Ausdruck der veränderten Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Washington setzt auf Konfrontation statt Kooperation mit den Verbündeten. Das bedauere ich zutiefst“, sagte OMV-Vorstandschef Rainer Seele dem Handelsblatt.

Die Amerikaner haben verschiedene Möglichkeiten, den Bau von Nord Stream 2 zu erschweren. Sanktionen gegen die beteiligten Banken sind ebenso denkbar wie Handelsstrafen gegen die Spezialfirmen, die die Rohre der Pipeline im Meer verlegen und warten. Das Projekt könnte dadurch erheblich teurer, womöglich sogar verhindert werden.

Die 1230 Kilometer lange Pipeline Nord Stream 2 soll russisches Gas ohne Umwege wie bislang über die Ukraine und Slowakei direkt nach Deutschland leiten. Die Gasleitung unter der Führung von Gazprom wird von Wintershall, Uniper sowie dem österreichischen Ölkonzern OMV, der britisch-niederländischen Shell und dem französischen Energieunternehmen Engie mitfinanziert.

Laut Gazprom-Projekttochter beliefen sich die Investitionskosten auf acht Milliarden Euro. Zuzüglich der Finanzierungskosten ergäben sich Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro.

Während Schweden und Finnland längst grünes Licht für das Verlegen der Stahlrohre in ihren Hoheitsgewässern gegeben haben, zögert Dänemark seit Monaten. Derzeit laufen formell die beiden Genehmigungsverfahren auf der Basis der Genehmigungsanträge der Gazprom-Projektgesellschaft vom April 2017 und August 2018.

Der öffentliche Konsultationsprozess für den zweiten Antrag, der eine Alternativroute von 174 Kilometern nördlich der dänischen Ostseeinsel Bornholm vorsieht, wurde nach Aussage der dänischen Behörden im Dezember abgeschlossen.

Widerstand in Osteuropa ist hoch

Die Nord Stream 2 AG gibt sich optimistisch, denn die ökologischen und technischen Befürchtungen seien in der Antragsstellung berücksichtigt worden seien. „Wir haben ein erwartetes Feedback aus diesem Prozess erhalten und werden zeitnah zu den Kommentaren Stellung nehmen. Somit steht aus unserer Sicht die Umsetzung des Genehmigungsverfahrens in den üblichen Bearbeitungszeiträumen von acht bis zwölf Monaten“, sagte ein Sprecher.

Neben dem früheren österreichische Finanzminister Hans-Jörg Schelling (ÖVP) trommelt auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Verwaltungsratschef bei Nord Stream 2, für die umstrittene Gaspipeline. Schröder ist ein persönlicher Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Der Widerstand in Osteuropa gegen das Projekt der teilstaatlichen Gazprom ist groß. Er reicht von Polen über das Baltikum bis in die Ukraine. Das Land, das unter dem Konflikt in der Ostukraine leidet, fürchtet um Durchleitungsgebühren in Milliardenhöhe.

Die Ukraine nimmt bislang rund zwei Milliarden Euro für den Gastransit nach Europa pro Jahr ein. Das Geld aus Moskau ist ein wichtiger Posten im Staatshaushalt der ehemaligen Sowjetrepublik. Das gegenüber Nord Stream 2 kritische Dänemark sieht sich nach Angaben von Insidern auch als Anwalt der ukrainischen Interessen.

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