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Autowerkstatt

Immer mehr Autos müssen wegen Mängeln in die Werkstatt.

(Foto: dpa)

Pkw-Mängelreport Qualitätsmängel bei Autos nehmen zu – 3,7 Millionen Rückrufe in Deutschland

2018 wurden so viele Autos wie noch nie wegen Sicherheitsproblemen in deutsche Werkstätten zurückgerufen. Mercedes, VW und Audi führen die Negativrangliste an.
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Düsseldorf, BerlinAutos mit Mängeln bereiten dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) jede Menge Arbeit. Die Beamten der Flensburger Behörde ordneten im vergangenen Jahr 383 Rückrufaktionen in Deutschland an und veranlassten, dass 3,7 Millionen Pkw zurück in die Werkstätten müssen.

Die Anzahl der von Rückrufen betroffenen Fahrzeuge ist damit um sieben Prozent im Vergleich zu 2017 gestiegen. Das geht aus der Beantwortung einer Anfrage der Grünen an das Bundesverkehrsministerium (BMVI) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Besonders bedenklich dabei: Immer mehr Pkw müssen wegen Sicherheitsproblemen nachgebessert werden. Hier weist die Statistik einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent aus – auf 3,5 Millionen Fahrzeuge. Das ist ein neuer Negativrekord.

Seit 2012 haben sich sogenannte „sicherheitsrelevante“ Rückrufe, die meist Bauteile wie Lenkung, Bremsanlage, Airbags oder Motor betreffen, von 93 auf 366 Aktionen vervierfacht. Die Zahl der vom KBA beanstandeten Fahrzeuge stieg dabei um mehr als 300 Prozent. Wurden vor sieben Jahren noch 824.000 Pkw wegen Sicherheitsproblemen zurückgerufen, waren es 2018 bereits 3,5 Millionen.

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland damit mehr Rückrufe als Neuzulassungen. „Das ist eine problematische Entwicklung, die der Branche zu denken geben sollte“, sagt Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag. „Besonders die Rückrufe wegen der nicht funktionierenden Abgasreinigung bei Diesel-Pkw sind ärgerlich, weil die Hersteller hier vorsätzlich nicht ausreichende Technik verbaut haben“, erklärt der Oppositionspolitiker.

Die vier deutschen Automarken VW, Mercedes, BMW und Audi mussten auf Anordnung des KBA im vergangenen Jahr zusammengerechnet 218.000 Pkw allein wegen „emissionsbezogener“ Themen zurückrufen.

Hinzu kommen die Software-Updates, die die Hersteller bei 6,3 Millionen Fahrzeugen aufspielen. Dabei handelt es sich allerdings überwiegend um „freiwillige Aktionen“, die im Rahmen des Nationalen Forums Diesel vereinbart wurden, erläutert das Bundesverkehrsministerium in der Anfragebeantwortung.

Die Autohersteller mit der größten Zahl von Rückrufen betroffener Fahrzeuge waren laut BMVI Daimler sowie der Volkswagen-Konzern. Demnach mussten sowohl Mercedes als auch VW und Audi mehrere Hunderttausend Wagen in die Werkstätten rufen.

Die Gründe für den deutlichen Anstieg der Rückrufe in der gesamten Branche in den vergangenen Jahren sind vielfältig. So werden die Autos beispielsweise immer komplexer. Gerade Oberklassewagen gleichen heute dank cleverer Software mitunter Smartphones auf Rädern.

Die Zahl von Fahrassistenzen und Funktionen, die den Insassen das Leben erleichtern, ist deutlich gestiegen. „Je größer die Zahl der Funktionen ist, umso größer ist die Ausfallwahrscheinlichkeit für das Gesamtsystem“, analysiert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR).

Zudem setzen immer mehr Autohersteller auf Baukästen und Plattformen. Je mehr gleiche Teile sie in ihren unterschiedlichen Modellen einsetzen, desto geringer sind die Kosten. Der Nachteil dieser Strategie: Ist eine Komponente fehlerhaft, ist mitunter gleich eine riesige Zahl von Fahrzeugen betroffen, da das Teil mitunter millionenfach in unterschiedlichen Baureihen montiert wurde.

Als weitere Gründe nennt Branchenkenner Dudenhöffer den hohen Kosten- und Innovationsdruck in der Autoindustrie sowie die gestiegene Modellvielfalt und Karosserievarianz. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Behörden nicht zuletzt infolge des Dieselskandals deutlich konsequenter vorgehen.

So hat etwa das KBA seine Mitarbeiterzahl in der zuständigen Abteilung aufgestockt und pflegt einen engeren Austausch mit internationalen Kollegen. Dabei geht es darum proaktiv zu handeln und Fahrzeuge mit Mängeln nachzubessern noch bevor überhaupt ein Unfall passiert.

„Rückrufaktionen spiegeln die hohe Verantwortlichkeit der Automobilindustrie für ihre Kunden auch bei komplexer werdenden Fahrzeugen wider“, heißt es beim Verband der Automobilindustrie (VDA). Die deutschen Fahrzeughersteller würden ihre Qualitätssysteme laufend optimieren, die Sensibilität sei gerade bei sicherheitsrelevanten Teilen oder Funktionen hoch. „Insgesamt sind Autos deutscher Marken sehr zuverlässig und haben eine hohe langfristige Produktqualität“, erklärt der VDA.

„Man muss die Rückrufe zu den Innovationen und Verbesserungen der Sicherheit durch Software und Hardware in Bezug setzen“, erklärt Autoprofessor Dudenhöffer. Derartige Auswertungen würde aber bisher niemand durchführen. „Das wäre mal eine Aufgabe für den VDA“, erklärt Dudenhöffer in Richtung des Branchenverbands.

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