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Plastikverbot Weniger Emissionen durch Recycling: Wie Kunststoffe zum Klimaschutz beitragen können

Viele Produkte des täglichen Bedarfs bestehen aus Kunststoff. Forscher sagen: Würde mehr davon recycelt, könnten die globalen CO2-Emissionen um mehr als fünf Prozent sinken.
06.07.2021 - 11:40 Uhr Kommentieren
Das Recycling von Einweg-Pfandflaschen in Deutschland gilt weltweit als Erfolgsmodell. Quelle: dpa
Sortieranlage für Verpackungsabfälle

Das Recycling von Einweg-Pfandflaschen in Deutschland gilt weltweit als Erfolgsmodell.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Um das Pfandsystem bei Einwegflaschen wird Deutschland weltweit beneidet: Mit einer Rücklaufquote von 98 Prozent wird nahezu jede genutzte PET-Flasche nach ihrer Verwendung in den Wertstoffkreislauf zurückgebracht.

Ginge es nach der Recycling-Industrie, sollte diese Zielmarke auch für andere Kunststoffprodukte gelten. Denn der potenzielle Beitrag des Recyclings für den Klimaschutz ist immens.

So kommt eine bislang unveröffentlichte Studie der Londoner Nachhaltigkeitsberatung Eunomia zu dem Schluss, dass sich weltweit rund 2,8 Milliarden Tonnen CO2 einsparen ließen, wenn die Abfallströme auf möglichst hohe Recyclingquoten optimiert würden. Dabei haben die Autoren drei wichtige Handlungsfelder identifiziert, mit denen sich dieses Ziel erreichen ließe.

Neben einem Pfandsystem für Getränkeverpackungen und der separaten Entsorgung von Bio-Abfällen, Papier, Textilien und Elektrogeräten nimmt das Konzept dabei vor allem die Sortierung des Restmülls in den Fokus.

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    Denn anders als bei der sogenannten gelben Tonne oder dem gelben Sack, deren Inhalt schon heute weitgehend sortiert und recycelt wird, landen Restmüllabfälle zumeist in der Verbrennungsanlage oder auf der Deponie – mit entsprechend negativen Folgen fürs Klima.

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    Schon länger denken Kunststoffhersteller deshalb darüber nach, wie sie die Klimabilanz der Wertschöpfungskette verbessern können – und setzen zunehmend auf die Wiederverwertung von Plastikabfällen, damit über die Verbrennung weniger CO2 in die Atmosphäre gelangt. Doch der Anteil am Gesamtaufkommen ist gering: Schätzungen zufolge werden in Deutschland weit weniger als 20 Prozent aller Kunststoffabfälle zu Rezyklat weiterverarbeitet.

    Kein Kunststoffproblem, sondern mangelndes Abfallmanagement

    Um des Plastikbergs endlich Herr zu werden, gilt in der EU seit dem Wochenende deshalb ein Verbot verschiedener Einwegprodukte aus Kunststoff, darunter Besteck und Geschirr, Strohhalme und Becher. In der Branche herrscht allerdings Skepsis, ob sich das Problem auf diese Weise lösen lässt – oder ob dadurch nicht vielmehr eine Verlagerung auf andere Werkstoffe stattfindet, die das Müllaufkommen insgesamt sogar erhöhen.

    So sagte Markus Steilemann, Vorstandschef beim Werkstoffhersteller Covestro, kürzlich im Handelsblatt-Podcast Green: „Das Verbot kann sicherlich bewirken, dass weniger Einwegprodukte aus Kunststoff in den Verkehr gebracht werden.“ Gleichzeitig würden aber mehr Einwegprodukte aus anderen Materialien produziert, die unter Umständen eine schlechtere Klimabilanz aufweisen. Die Gesellschaft habe kein Kunststoffproblem, „es ist das Abfallmanagement-Problem, das wir lösen müssen“, so der Manager.

    Auch die Autoren der Eunomia-Studie sehen weniger den Kunststoff an sich als Problem für das Klima. Denn das CO2 entsteht erst dann, wenn der Kunststoff in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt wird. Um das zu verhindern, sollten Kunststoffe in einem vorgeschalteten Prozess aus dem Abfallstrom ausgesiebt und anschließend wiederverwendet werden. Doch so einfach, wie es klingt, ist das nicht – auch aus wirtschaftlichen Gründen.

    „Ein Problem bei der Erhöhung der Recyclingquote liegt darin, dass Recycling im Moment eigentlich kein tragfähiges Geschäftsmodell ist“, sagt Volker Rehrmann, Leiter des Geschäftsbereichs Recycling und Kreislaufwirtschaft beim norwegischen Sortieranlagenhersteller Tomra, der die Studie bei Eunomia in Auftrag gegeben hat, dem Handelsblatt. Immerhin ändere sich das langsam, so der Manager. „Wir sehen, dass Kunden durchaus bereit sind, sogar einen höheren Preis für recycelten Kunststoff zu bezahlen als für neu produzierten.“

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    Bei den Getränken funktioniert’s

    Dass die Wiederverwertung von Kunststoffen unter den richtigen Rahmenbedingungen gut funktioniert, zeigt das deutsche Pfandsystem für Einwegflaschen: Zahlreiche Hersteller sind mittlerweile dazu übergegangen, ihre Flaschen zu 100 Prozent aus Rezyklat-Kunststoff herzustellen, darunter Branchengrößen wie der Lebensmittelhersteller Danone (Volvic) oder der Getränkeriese Coca-Cola.

    Rehrmann von Tomra hat Hoffnung, durch eine stärkere Zusammenarbeit der einzelnen Firmen entlang der Wertschöpfungskette solche Quoten auch in anderen Kunststoffbereichen zu erzielen. „In der Vergangenheit haben die einzelnen Teilnehmer in der Wertschöpfungskette nur selten miteinander gesprochen, wir wollen die Industrie stärker vernetzen“, sagte Rehrmann.

    Denn durch einzelne Produkte oder Bausteine ließe sich die Recyclingquote zwar verbessern – der volle Effekt ergebe sich aber erst durch ein Gesamtkonzept, das den kompletten Rohstoffkreislauf abdeckt. Dabei helfe auch die Politik: „Durch Anreize wie einen höheren CO2-Preis oder eine EU-weite Plastiksteuer auf Neuprodukte wird Recycling nun immer wirtschaftlicher.“

    Mehr: Innovative Verpackungen: Es geht auch ohne Plastikmüll

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