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Politische Spannungen Deutsche Konzerne klagen über Saudi-Blockade

Deutsche Pharmakonzerne sind von öffentlichen Ausschreibungen in Saudi-Arabien ausgeschlossen. Jetzt wenden sie sich an den Kronprinzen.
22.08.2018 - 18:35 Uhr Kommentieren
Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, die Wogen im Konflikt mit Saudi-Arabien und Kronprinz Mohammed bin Salman zu glätten. Quelle: Reuters
Mohammed bin Salman

Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, die Wogen im Konflikt mit Saudi-Arabien und Kronprinz Mohammed bin Salman zu glätten.

(Foto: Reuters)

Berlin Die politischen Spannungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien haben deutsche Arzneimittel- und Medizintechnik-Hersteller auf den Plan gerufen. In einem an Kronprinz Mohammed bin Salman adressierten Brief warnen sie vor den Folgen des Ausschlusses deutscher Pharmakonzerne von Ausschreibungen im staatlichen Gesundheitssystem des Golfstaates.

„Diese Maßnahme könnte große negative Auswirkungen auf die nachhaltige Versorgung mit innovativen, lebenswichtigen Arzneimitteln zur Behandlung von Patienten im Königreich Saudi-Arabien haben“, heißt es in dem gemeinsamen Schreiben des Verbandes forschender Arzneimittel-Hersteller (VFA) und zweier weiterer Branchenverbände, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien sind frostig, seit der damalige Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) dem Königreich „Abenteuerlust“ vorgeworfen hatte - was dort als Kritik an der zunehmend hegemonialen Politik im Nahen Osten und am Golf empfunden wurde.

Saudi-Arabien bezeichnete die Äußerung als „beschämend“ und zog den Botschafter aus Berlin ab. Er ist auch nach neun Monaten nicht zurückgekehrt, obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Prinz Mohammed die Wogen zu glätten versuchte.

Deutsche Firmen wie Bayer, Boehringer Ingelheim und Siemens Healthineers sind seither von öffentlichen Ausschreibungen in Saudi-Arabien ausgeschlossen, wie im Mai durchgesickert war. Betroffen sind auch ausländische Konzerne, die Saudi-Arabien aus Deutschland heraus beliefern. „Es ist kein richtig gehender Boykott, aber die Pharmabranche leidet“, sagte Oliver Oehms von der deutschen Industrie- und Handelskammer in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad.

Der VFA und die anderen Verbände warnen in dem Schreiben, der Ausschluss könne dazu führen, dass der Stellenwert von Saudi-Arabien als Investitionsstandort für ausländische Unternehmen Schaden nehme. Das Schreiben stammt vom 12. Juni, eine Antwort blieb aus. An der Situation habe sich auch nichts geändert, sagten Vertreter Deutschlands. Die Regierung von Saudi-Arabien wollte sich auf Reuters-Anfrage nicht äußern.

Saudi-Arabien gilt mit Umsätzen von 6,7 Milliarden Euro als wichtigster Pharma-Markt der ganzen Region, weil ein zunehmend westlicher Lebensstil Zivilisationskrankheiten fördert. Der Markt wächst um zehn Prozent, das Volumen der Ausschreibungen sogar um 30 Prozent pro Jahr.

Dominierend sind dort aber nach Daten des Informationsdienstleisters IQVIA nicht die deutschen Pharmahersteller, sondern Novartis, Pfizer und der einhemische Tabuk-Konzern. Doch entfallen rund 15 Prozent der deutschen Exporte nach Saudi-Arabien auf die Gesundheits-Branche. 2017 summierten sie sich auf 6,6 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr schrumpften sie um fünf Prozent.

Unterdessen sucht Siemens Healthineers mit Hilfe der USA nach Wegen, die Beschränkungen zu umgehen. „Die Entscheidung der saudi-arabischen Regierung wirkt sich in der Tat auf unser dortiges Geschäft aus“, räumte ein Sprecher des Herstellers von Röntgen- und MRT-Geräten sowie Labor-Diagnostikgeräten aus Erlangen ein.

„Wir arbeiten zusammen mit den US-Behörden an einer Lösung, um mit Hilfe unserer globalen Wertschöpfungskette die Restriktionen des Gesundheitsministeriums zu überwinden.“ Damit könnte die Siemens-Medizintechnik-Sparte das Land etwa verstärkt aus seinen Werken in den USA beliefern.

  • rtr
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