Porsche-Familie geht auf Distanz zu Piëch „Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt Privatmeinung dar“

Neue Wendung im Machtkampf bei Volkswagen: Die kritischen Aussagen von VW-Patriarch Piëch über Vorstandschef Winterkorn waren nicht mit der Porsche-Familie abgestimmt. Nun geht Wolfgang Porsche auf Distanz zu Piëch.
Update: 12.04.2015 - 17:29 Uhr 1 Kommentar
Ferdinand Piëch (l), Aufsichtsratsvorsitzender von VW, mit Wolfgang Porsche. Quelle: dpa

Ferdinand Piëch (l), Aufsichtsratsvorsitzender von VW, mit Wolfgang Porsche.

(Foto: dpa)

WolfsburgIm Machtkampf bei Volkswagen ist VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche auf Distanz zu Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gegangen. „Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist“, ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie über einen Sprecher am Sonntag in Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur mitteilen. Piëch war zuvor völlig überraschend von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn abgerückt.

Die Familien Piëch und Porsche halten die Mehrheit an VW. Wolfgang Porsche ist der Sprecher des Porsche-Zweigs. Er und Piëch sind die Enkel des Porsche-Gründers und VW-Käfer-Ingenieurs Ferdinand Porsche, dessen Arbeit die historische Keimzelle des Volkswagen-Konzerns darstellt. Das Vorgehen Piëchs ist auch deswegen überraschend, weil er sich bei ähnlichen strategisch wichtigen Vorstößen in der Vergangenheit stets im Vorfeld um Bündnispartner bemühte. In Wolfsburg war am Wochenende von einer „Katastrophe“ die Rede.

Winterkorn und Piech: Trennt sich das VW-Powerteam?

Fest steht: Piëch hat nach seiner Attacke auf Winterkorn zumindest keine öffentliche Unterstützung aus dem VW-Aufsichtsrat, und er wirkt als dessen Chef eher isoliert. Zuvor hatten bereits der VW-Betriebsrat und das Land Niedersachsen als VW-Anteilseigner Winterkorn den Rücken gestärkt. Bisher gab es aus dem VW-Aufsichtsrat keine öffentliche Unterstützung der Position Piëchs. Winterkorn selbst ließ sich bei der Eröffnung der Hannover Messe am Sonntagabend nichts anmerken. Lächelnd schritt er Seite an Seite mit Niedersachsens Ministerpräsident Weil über den roten Teppich. Für Fotos stand er bereit, für Fragen nicht.

Bei der nächsten VW-Aufsichtsratssitzung am 4. Mai dürfte es dagegen intern hoch hergehen. Und schon am 5. Mai, zur VW-Hauptversammlung vor den Aktionären in Hannover, müssen Winterkorn und Piëch gemeinsam auf die Bühne. In der jetzigen Gemengelage eine brisante Vorstellung.

Piëch hatte dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ gesagt: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Dies kommt einer Demontage Winterkorns (67) gleich. Piëch hatte außerdem gesagt: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“ Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen. Winterkorns Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus. Konzerninsider hatten zuletzt übereinstimmend berichtet, dass Winterkorn Piëch im Kontrollgremium ablösen dürfte. Nur der Zeitpunkt schien unklar. So ließ es auch Winterkorn zuletzt offen, ob für ihn eine Vertragsverlängerung infrage komme.

Wolfgang Porsche (71) ist auch Aufsichtsratschef der Porsche Holding SE. Er gilt als zentrale Figur des Porsche-Flügels. Die Porsches sitzen in Person von Wolfgang Porsche und Ferdinand Oliver Porsche im VW-Aufsichtsrat. Der einflussreiche VW-Betriebsratschef und Aufsichtsrat Bernd Osterloh hatte Winterkorn bereits den Rücken gestärkt: „Wir haben eine klare Haltung, an der sich nichts geändert hat: Wir haben mit Dr. Winterkorn den erfolgreichsten Automobilmanager an Bord.“ Der Betriebsrat mache eine Personaldebatte nicht mit. Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) sagte: „Ich halte eine öffentliche Diskussion über die Spitzen von VW für schädlich.“ Weil sitzt ebenfalls im VW-Aufsichtsrat.

Die Aussagen Piëchs kommen einem Erdbeben bei Volkswagen gleich. Piëch stand einst selbst als Vorstandschef an der VW-Konzernspitze – wie heute Winterkorn. Jahrzehntelang hatten die beiden ein enges Vertrauensverhältnis. Der „Spiegel“ führte für die Verstimmung zwischen Winterkorn und Piëch auch die großen strategischen Probleme an, vor denen Volkswagen allem Erfolg zum Trotz seit Jahren steht. Die Gewinnkraft der Kernmarke VW-Pkw hinkt der Konkurrenz beständig hinterher. Daher greift seit vergangenen Sommer ein milliardenschwerer Sparplan.

Im Juli gibt Winterkorn das Amt als VW-Markenchef, das er in Personalunion mit dem Konzernvorstand führt, an den früheren BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess ab. In den USA fehlen zudem die richtigen Modelle, so dass VW seit Jahren in einem wachsenden Markt – dem nach China zweitgrößten der Welt – Anteile verliert.

Das ist das Autoreich von VW
Bentley - Umsatz: 887 Millionen Euro - Gewinn: 95 Millionen Euro (+ 37 Millionen Euro)*
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Die britische Nobeltochter ist das Übrigbleibsel aus einer Übernahmeschlacht im Jahr 1998 zwischen BMW und Volkswagen um Rolls-Royce, in der sich die Wolfsburger am Ende durchsetzten, doch auch einen Streit um Markenrechte lostraten, der am Ende in der Scheidung der beiden britischen Marken gipfelte. Mittlerweile sind die Briten auch außerordentlich profitabel - und längst mehr als ein Imageprodukt.

*im ersten Halbjahr 2014

Seat - Umsatz: 3,9 Milliarden Euro - Verlust: 37 Millionen Euro (+ 3 Millionen Euro)
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Das spanische Sorgenkind des VW-Konzerns verkauft zwar - auch durch den Erfolg des Leon - wieder deutlich mehr Autos. Doch profitabel sind die Spanier immer noch nicht. Das Unternehmen, das in seiner Historie eine enge Beziehung zu Fiat pflegte, ist seit 1986 Teil des Markenreiches der Wolfsburger.

VW Nutzfahrzeuge - Umsatz: 4,7 Milliarden Euro - Gewinn: 280 Millionen Euro (+ 34 Millionen Euro)
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Als eigene Marke im VW-Konzern wird die Nutzfahrzeugsparte seit 1995 geführt. Mit dem Tranporter haben die Hannoveraner eines der bekanntesten Modelle des Segments im Portfolio. Doch insgesamt bewegt sich VW Nutzfahrzeuge in schwierigem Gelände: Vor allem braucht man dringend einen Großtransporter, wenn die Gemeinschaftsproduktion mit Daimler ausläuft.

Scania - Umsatz: 5,1 Milliarden Euro - Gewinn: 476 Millionen Euro (+ 12 Millionen Euro)
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Nachdem Volvo vergeblich versucht hatte, bei Scania das Steuer zu übernehmen, griff 1999 der VW-Konzern zu. Um aus Scania und MAN einen neuen Nutzfahrzeugriesen zu schaffen, zog man in diesem Jahr in Wolfsburg die Zügel an - und übernahm alle Aktien der Schweden. Bald könnte sich das Unternehmen von der Börse verabschieden.

Skoda - Umsatz: 6,0 Milliarden Euro - Gewinn: 425 Millionen Euro (+ 182 Millionen Euro)
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Die Tschechen sind einer der großen Gewinnbringer im VW-Konzern. Kein Wunder, dass der Fabia das erste Auto aus der Kleinwagenriege ist, das auf dem neuen Baukasten-System basiert. 1990 nutzte VW die Gunst der Stunde und setzte sich beim Privatisierungsverkauf gegen Renault und BMW durch. Seitdem geht es steil aufwärts für Skoda.

MAN - Umsatz: 6,7 Milliarden Euro - Gewinn: 222 Millionen Euro (+ 346 Millionen Euro)
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Die zweite Lkw-Tochter macht endlich wieder Gewinn. Doch wie es mit den Münchenern weitergeht, ist weiterhin ungewiss. Denn die Allianz mit der Konzernschwester Scania geht nur schleppend voran - zu groß scheinen die Gräben zwischen den Schweden und den Bayern.

Porsche - Umsatz: 8,2 Milliarden Euro - Gewinn: 1,4 Milliarden Euro (+ 104 Millionen Euro)
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Gewinne, Gewinne, Gewinne - der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen fährt bei der Rendite allen anderen Autobauern davon. Mit einer Hybrid-Offensive will Porsche auch beim Verbrauch in die Spitzengruppe vorstoßen. Ihre Unabgängigkeit verloren die Schwaben im Jahr 2009 - nachdem sie ihrerseits vergeblich versucht hatte, den größeren Konkurrenten Volkswagen zu übernehmen.


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  • Piëchs Winterkorn-Demontage - die Lage bei Volkswagen
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    Piëchs Aussage war: "Das Tischtuch ist zerschnitten"!
    Sofort eilten Osterloh (Betriebsrat) und Weil (SPD) herbei und sprachen Winterkorn ihre Unterstützung zu.
    Auch die Familie Porsche hat sich von Piëch distanziert. Sie haben noch eine Rechnung mit ihm offen.
    Piëch hatte Wiedeking gefeuert!

    Wolfgang Porsche, Sprecher und Oberhaupt der Familie, hatte beim erzwungenen Abschied von Wiedeking Tränen in den Augen – die Niederlage gegen die Piëchs haben die Porsches nie vergessen.

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