Porsche-Prozess Es steht 2:0 für Wiedeking

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Es läuft bisher gut für die Verteidigung

Wenn Topmanager vor Gericht landen

Von Bülow berichtet von einem Treffen im Oktober 2007 im Haus von Wolfgang Porsche in München mit den Familien-Chefs, dem Porsche-Vorstand und Beratern. Wiedeking präsentierte eine Mängelliste, wo es bei der Zusammenarbeit mit VW hakt. „Er hatte den Eindruck, in Wolfsburg wird geblockt“, erinnert sich von Bülow. Wiedeking habe sich hintergangen gefühlt und sogar vor versammelter Mannschaft gesagt: „Herr Piëch, Sie lügen.“ Danach habe er das Treffen abgebrochen und der Familie geraten, sich auf einen Kurs zu einigen, er gehe jetzt erstmal mit seinen Leuten essen.

Die Schilderungen des Beraters stützen den wichtigsten Verteidigungsstrang, den Wiedeking bei seiner Einlassung zu Prozessbeginn schon skizziert hatte. Wenn das Verhältnis zwischen ihm und Piëch so schlecht war, es kein Vertrauen gab, sei es wohl abwegig, mit ihm geheime Absprachen zur Komplettübernahme von VW gemacht zu haben und die Öffentlichkeit von der Übernahmeabsicht zu spät informiert zu haben.

Einmal kurz vor Prozess spricht plötzlich die elektronische Navi-Stimme eines Smartphones: „Rechts abbiegen in die Ulrichstraße“. Der Richter fragt sofort, wer sein Mobilfunkgerät unerlaubterweise an habe. „Jetzt bitte nicht wie ein Schuljunge unschuldig auf den Boden schauen. Wer war's?“ mahnt der Richter.

Das Missgeschick passierte ausgerechnet Matthias Prinz, Deutschlands bekanntestem Medienanwalt. Bei Auftritten in der Öffentlichkeit begleitete er in der Vergangenheit Ferdinand Piëch immer auf Schritt und Tritt. Prinz ist nicht entgangen, dass Wiedeking das Verhältnis zu Piëch im Prozess für seine Verteidigung instrumentalisiert.

Klar ist allerdings jedem Prozessbeobachter: Wiedeking hat mit Piëch noch eine Rechnung offen. Begleichen wird er sie im Landgericht wohl kaum können. Aufsichtsräte sind zwar für Februar geladen. Aber Piëch kann sein Aussageverweigerungsrecht geltend machen.

Die Staatsanwälte bohrten auch beim Zeugen von Bülow nach Beweisen für die Anklage. Richtig fündig wurden sie trotz einiger Ungereimtheiten in der Kommunikation zwischen Beratern und Porsche-Managements nicht. Allerdings hält sich der Richter mit seiner Wertung noch sehr bedeckt.

Im Prozess steht es nach zwei Zeugen 2:0 für die Verteidigung. Leicht absehbar daran, dass die Verteidigung keine Fragen, sowohl vergangene Woche an den Gutachter, als auch diese Woche an den Rechtsberater stellte. Beide sagten im Sinne der Verteidigung aus. „Ein guter Verteidiger stellt nur Fragen, wenn er muss“, kommentiert ein weiterer Staranwalt im Publikum, der nicht genannt werden will. Am Freitag wird ein Kollege von Bülow in den Zeugenstand gerufen. Nachmittags dann der Protokollant der Aufsichtsratssitzungen.

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