Potsdamer Platz Die Russen kommen: Bahn-Tower lockt Gazprom

2009 wird der markante Glasturm der DB-Zentrale in Berlin frei. Jetzt ist der Energieriese Gazprom als Nachmieter im Gespräch, die Russen suchen angeblich nach einem repräsentativen Firmensitz. Auch einen neuen Namen könnte der Büroturm dann verpasst bekommen.
Aus dem Bahn-Tower hat man den Reichstag gut im Blick. Foto: ap Quelle: ap

Aus dem Bahn-Tower hat man den Reichstag gut im Blick. Foto: ap

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BERLIN. Noch leuchtet das rot-weiße Firmenschild der Deutschen Bahn AG vom höchsten Gebäude des Potsdamer Platzes aus weit und strahlend über Berlin. Doch schon Ende 2009 soll das Identität stiftende DB-Logo vom „Bahn-Tower“ verschwinden. Dann nämlich will Hartmut Mehdorn seine bisherige Konzernzentrale räumen und in die gläsernen „Bügelbauten“ über dem neuen Berliner Hauptbahnhof umziehen.

Lange war unklar, was ohne Bahn aus dem „Bahn-Tower“ werden soll. In der vom Leerstand geplagten Immobilienbranche der Hauptstadt kam bereits erste Unruhe auf. Gestern schließlich erscholl der erlösender Ruf über den Potsdamer Platz: „Die Russen kommen“.

Nicht immer hat diese Botschaft in Berlin zur Beruhigung beigetragen. In Maklerkreisen jedoch erfreuen sich Wlademir Putins Landsleute wachsender Beliebtheit. Vor allem die reichen Russen akzeptieren klaglos beträchtliche Preise und zahlen gelegentlich auch gerne in bar.

Ein neuer Mieter in Mehdorns Machtzentrale allerdings hätte solche Tricks nicht nötig: Gazprom Germania plant angeblich, von dem markanten Glasturm aus seine gesamten Aktivitäten in Westeuropa zu bündeln. Mit Morgan Stanley, dem Eigentümer der Immobilie, seien die Russen schon im Gespräch. Man suche nach einem repräsentativen Firmensitz, heißt in Maklerkreisen. Gazprom selbst gibt sich kühl: „Kein Interesse“, lautet die Auskunft.

Wie auch immer: Selbst im Herzen Berlins ist es schwer, mehr als 23000 Quadratmeter Nutzfläche für einen „halbwegs vernünftigen Preis“ zu vermieten, wie ein Immobilienkaufmann klagt. Die Vermieter hoffen offenbar, Gazprom locken zu können. Repräsentative Außendarstellung war den Russen bislang immer viel Geld wert: Unvergessen ist, dass der Großkonzern vor zwei Jahren ohne mit der Wimper zu zucken 125 Mill. Euro hinblätterte, um beim Bundesligisten Schalke 04 als Hauptsponsor auf den königsblauen Trikots in Erscheinung treten zu können. Ob die Werbewirkung der neuen Firmenzentrale am Potsdamer Platz genau so groß wäre?

Bislang sitzt Gazprom Germania noch recht unauffällig in einem modernen Bürohaus im Bezirk Mitte. Mit einem Umzug in den vom Star-Architekten Helmut Jahn entworfenen „Bahn-Tower“ würde das Unternehmen schlagartig in das allgemeine Bewusstsein der Hauptstadt treten. Von der Spitze des Hochhauses aus könnte der blaue Schriftzug des russischen Staatskonzerns samt dem kleinen Gasflammen-Signet bis hinüber zum Reichstagsgebäude leuchten.

Auch eine Umbenennung des Gebäudes wäre im Gegensatz zum benachbarten Sony-Center durchaus möglich. Der japanische Elektokonzern hat sein rundes Gebäudeensemble mit der spektakulären Haubendachkonstruktion Ende Februar zwar an einen Investor verkauft. Die dortigen Mieter aber sind vertraglich gehalten, den Namen „ Sony-Center“ weiterhin zu respektieren.

Solchen Beschränkungen müsste sich Gazprom Germania als künftiger Herrscher im Berliner „Bahn-Tower“ nicht unterwerfen. Bei langfristiger Mietbindung könnte man das Hochhaus in Anlehnung an den derzeitigen CEO etwa Alexej-Miller-Turm taufen. Unkalkulierbar allerdings ist, was der berüchtigte Berliner Volksmund daraus macht. Von der „Waschmaschine“ aus - so nennen die Hauptstädter ihr Kanzleramt - wäre das „Gazprom-Center“ ebenfalls gut zu sehen. Allerdings muss sich Angela Merkel keine Sorge machen, dass ihr der deutsche Aufsichtsratschef der Gazprom-Tochter North European Gas Pipeline künftig vom obersten Stockwerk aus neugierig auf den Schreibtisch schaut. Gerhard Schröder, so versicherte sein Büro gestern, werde auf keinen Fall in eine neue Gazprom-Zentrale einziehen, sondern sein Altkanzler-Refugium im Bundestag beibehalten.

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