Präsentation zum Kulturwandel Audi-Chef Stadler wird im VW-Konzern zum Störfaktor

Zwei VW-Vorstände werben für den Kulturwandel im Konzern – doch sie werden von den Ermittlungen gegen den Audi-Chef kalt erwischt.
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VW: Audi-Chef Stadler wird beim Kulturwandel zum Störfaktor Quelle: AP
Herbert Diess (Mitte) mit Hiltrud Werner und Frank Witter

Die Compliance-Chefin muss den Kulturwandel vom Top-Management in den gesamten Konzern tragen.

(Foto: AP)

WolfsburgEs sollte eigentlich eine Veranstaltung werden, auf der zwei Volkswagen-Vorstände die nächsten Schritte beim Aufbau einer neuen und besseren Unternehmenskultur verkünden wollten.

Hiltrud Werner, Vorstandsfrau für Recht und Integrität, und Gunnar Kilian, erst seit wenigen Wochen neuer Personalvorstand in Wolfsburg, wollen gemeinsam einen neuen Anlauf nehmen, damit Volkswagen seine dunkle Vergangenheit mit der Dieselaffäre hinter sich lässt und zu einem offenen, integren und weniger hierarchischen Unternehmen wird.

Doch die beiden Konzernvorstände hatten am Montag die Rechnung ohne die Münchener Staatsanwaltschaft gemacht. Als Werner und Kilian im fünften Stock der Wolfsburger Konzernzentrale zum Pressegespräch eingeladen hatten, war die nächste wenig erfreuliche Nachricht im Zusammenhang mit der Dieselaffäre angekommen.

Wie bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft in München nun auch gegen Audi-Vorstandschef Rupert Stadler. Rechtsvorständin Hiltrud Werner war selbst von der Nachricht aus München überrascht. „Ich kann dazu nichts sagen“, rief sie den fragenden Journalisten zu.

Es wäre auch nicht einfach für sie gewesen, sich in irgendeiner Form zu den neuen Ermittlungen gegen einen ihrer Vorstandskollegen zu äußern. Audi-Chef Stadler sitzt in Wolfsburg zusätzlich auch im Konzernvorstand – zusammen mit Hiltrud Werner und Gunnar Kilian.

Werner und Kilian haben gemeinsam die neue VW-Initiative „Together4Integrity“ im Wolfsburger Konzern ausgerufen. Bald drei Jahre nach Bekanntwerden der Dieselaffäre ist der von Volkswagen versprochene Kulturwandel nur langsam vorangekommen.

Und es wird erst recht schwierig, solche Veränderungen zu verkünden, wenn am selben Tag der nächste Konzernvorstand ins Visier einer deutschen Staatsanwaltschaft gerät. Etwa gegen eine Handvoll aktiver und früherer Vorstände wird bereits ermittelt.

Die beiden Vorstände sind es andererseits gewohnt, dass ein Kulturwandel in einem so riesigen Unternehmen wie Volkswagen nicht von heute auf morgen gelingen kann – und es immer wieder Rückschläge gibt. „Der Wandel in der Unternehmenskultur wird noch viele Jahre dauern“, sagte Hiltrud Werner in dem Gespräch in Wolfsburg.

Werner und Kilian wollten zudem die Botschaft verkünden, dass er angepeilte Kulturwandel jetzt noch einmal beschleunigt wird – weil sich die beiden Vorstandsressorts in der Umsetzung verbünden. „Wir werden das Ganze jetzt in die Breite tragen“, versprach Kilian.

Vor dem Vorstandsumbau im April, als der frühere Betriebsratsgeschäftsführer noch nicht im Wolfsburger Topmanagement vertreten war, hatte die Zusammenarbeit zwischen Personal- und Integritätsressort nicht immer perfekt funktioniert.

Zwischen beiden Vorstandsressorts sei inzwischen eine enge Verzahnung erreicht worden, ergänzte Hiltrud Werner. „Uns gelingt das jetzt besser als früher“, sagte sie. Außerdem bekomme das Programm zum Kulturwandel einen anderen Charakter. Jetzt gehe es verstärkt darum, „eine proaktive und gestalterische Richtung“ einzuschlagen.

Allerdings ist Volkswagen auch unter Druck. Noch zwei Jahre wacht der vom US-Justizministerium entsandte Monitor Larry Thompson in Wolfsburg darüber, dass der VW-Konzern mit dem versprochenen Kulturwandel auch wirklich Ernst macht.

Im Frühjahr hatte der bekannte US-Jurist seinen ersten Zwischenbericht vorgelegt – mit nicht immer positiven Resultaten für den Wolfsburger Autohersteller. Thompson hat auf jeden Fall Handlungsbedarf gesehen: Bis Ende August muss der Konzern gut 30 verbindliche Empfehlungen umsetzen. Ansonsten droht Volkswagen neuer Ärger mit den amerikanischen Behörden.

Das neue Programm für eine verbesserte Unternehmenskultur bei Volkswagen basiert vor allem auf den Prinzipien der US-Vereinigung „Ethics and Compliance Initiative“, in der auch VW-Monitor Larry Thompson eine führende Position einnimmt.

VW soll besser werden beim Risikomanagement, in der Strategie, der Integritätskultur, bei der konsequenten Umsetzung des Wandels und beim eigenen Hinweisgeber-System („Whistleblower“). Die ECI-Vorgaben ließen am Ende sogar quantitative Messungen zu, zu welchem Prozentsatz das Unternehmen den erhofften Kulturwandel in verschiedenen Bereichen erreicht habe.

Auf den neuen Personalvorstand Gunnar Kilian kommt die Aufgabe zu, dass die Prinzipien zum Kulturwandel wirklich alle Beschäftigte erreichen und nicht mehr nur Thema für das Topmanagement bleiben. Schulungen und eine permanente Diskussion über das Thema Kultur sollen bei allen knapp 650.000 Konzernbeschäftigten das nötige Problembewusstsein bewirken.

Dabei wollen die beiden Volkswagen-Vorstände Schritt für Schritt vorgehen – und sich auch Zeit lassen. In diesem Jahr kommen nur Volkswagen, Audi und VW USA an die Reihe. Die Bereiche, die jetzt unter der Aufsicht des US-Monitors stehen.

Danach geht es in zwei weiteren Wellen weiter: Bis 2020 soll der Kulturwandel etwa 70 Prozent der Belegschaft erreicht haben, bis 2025 soll auch das kleinste Tochterunternehmen in fernen Erdteilen davon erfasst sein. „Wir tragen das jetzt durch das gesamte Unternehmen“, fasste Gunnar Kilian zusammen.

Es ist viel Hoffnung dabei, wenn Werner und Kilian solche festen Vorgaben verkünden. Sie verbreiten die Zuversicht, dass es gelingen kann. Die Zahl der Hinweise beim Hinweisgeber-System habe sich binnen zwölf Monaten verdoppelt, ein erster Indikator für Besserung. „Das wird gut“, sagte Hiltrud Werner zum Schluss des Pressegesprächs in Wolfsburg.

Wenn nicht wieder störende Nachrichten über neue Ermittlungen gegen aktive Volkswagen-Konzernvorstände auftauchen.

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  • Einen Konzernvorstand, der darauf spekuliert, nach dem Ableben des von ihm/ihr gelenkten Konzerns selig gesprochen zu werden, kann man in den seltensten Fällen gebrauchen ...
    Innovation und Markterfolg sind stets mit dem Bruch von Konventionen und althergebrachter Regeln verbunden. Die Vorstellung, dass Unternehmen gut zu sein haben statt für due Mehrheit ihrer Kunden und Mitarbeiter Gutes zu bewirken ist absurd.

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