Praxair-Deal Linde prüft weitere Verkäufe in den USA

Der deutsche Gasekonzern Linde prüft, ob er weitere Teile verkaufen kann, um die Fusion mit Praxair zu retten. Der Spielraum ist aber gering.
Update: 07.08.2018 - 15:36 Uhr Kommentieren
Praxair-Deal: Linde prüft weitere Verkäufe in den USA Quelle: Reuters
Linde Group

Die Fusion mit Praxair ist 47 Milliarden Dollar schwer.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfNach dem ersten Schock über die unerwarteten Probleme in den USA sucht Linde nun nach Wegen, die Fusion mit Konkurrent Praxair noch zu retten. Dabei prüft der Münchener Traditionskonzern auch, ob er sich von weiteren Unternehmensteilen in Nordamerika trennen könnte, um die Wettbewerbshüter milde zu stimmen, wie aus Industriekreisen verlautet.

Linde und Praxair wollen sich zum weltgrößten Hersteller von Industriegasen zusammenschließen. Doch haben die Kartellwächter der US-Behörde FTC unerwartet Nachforderungen gestellt. „Da wird jetzt intensiv gerechnet und verhandelt“, heißt es in Industriekreisen.

Linde hatte angekündigt, einen Großteil seines US-Geschäfts an den deutschen Konkurrenten Messer zu verkaufen. Dabei handelt es sich laut Industriekreisen um die sogenannte Bulk-Sparte, die Flüssiggas in Tanklastwagen an die Kunden liefert. Messer will Aktivitäten mit 1,4 Milliarden Euro Umsatz übernehmen.

Da die FTC weitere Einschnitte fordert, prüft Linde nun, ob auch Teile des sogenannten Onsite-Geschäfts in den USA verkauft werden könnten. Dabei handelt es sich um kleine und mittelgroße Gaseanlagen, die direkt auf dem Firmengelände von Kunden stehen – zum Beispiel bei einem Stahlwerk, das Sauerstoff für den Schmelzprozess braucht.

Als zweite kleinere US-Aktivität, die zur Disposition stehen könnte, hat Linde noch das Geschäft mit Spezialgasen wie zum Beispiel Xenon für die Autohersteller im Portfolio.

Ein Verkauf der Tochter Lincare dürfte dagegen nach Einschätzung in Branchenkreisen kein Thema sein. Schließlich hat Praxair kein Geschäft mit Gesundheitsgasen.

Einfach sind die Entscheidungen, die in den nächsten Tagen oder maximal wenigen Wochen fallen müssen, für Linde nicht. Denn einerseits will der Konzern die Fusion retten. Die gesamte Planung ist auf den Zusammenschluss ausgerichtet.

Andererseits haben Linde und Praxair den Investoren Synergien von mehr als einer Milliarde Euro versprochen. Wenn sich Linde von weiteren profitablen Teilen trennt, könnte es sein, dass sich der Deal nicht mehr rechnet. „Wir wollen die Fusion, aber nicht um jeden Preis“, hatte zum Beispiel Fondsmanager Arne Rautenberg von Union Investment im Gespräch mit dem Handelsblatt gewarnt. Wenn man zu große Zugeständnisse mache, seien die Synergien in Gefahr. Linde sei operativ stark genug, um notfalls auch ohne Praxair allein weiterzumachen.

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