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Presseschau „Auf die Autoindustrie darf niemand mehr besondere Rücksicht nehmen“

Die Autokonzerne werden in Kommentaren zu den Enthüllungen um ein möglicherweise seit Jahrzehnten operierenden Kartells heftig kritisiert. Die analysierten Themen: Glaubwürdigkeit, Zukunftsfähigkeit und Dreistigkeit.
14 Kommentare

Wie die deutschen Autobauer unter Druck geraten

Die Autokonzerne in Wolfsburg (Volkswagen), Stuttgart (Daimler) und München (BMW) stehen unter Kartellverdacht. „Autoindustrie in der Krise“ titelt das Handelsblatt in der Montagsausgabe. Das Thema ist Haupt-Kommentarthema in der Presselandschaft. Eine Übersicht.

Handelsblatt

(...) Wenn sich ansatzweise bestätigt, was seit dem Wochenende als Vorwurf im Raum steht, dann ist das der Anfang vom Ende der Autoindustrie, wie wir sie kannten. Milliardenstrafen und Zivilklagen, die bislang nur VW zu tragen hätte, drohen auch BMW und Daimler.

Die Branche steckt in der Zwickmühle: Der Dieselantrieb, bislang Herzstück der Antriebstechnologie, fällt als Cashcow aus. Gleichzeitig müssen die Konzerne Milliarden in die Entwicklung von Elektroautos und künstlicher Intelligenz stecken, um es mit neuen Rivalen aufnehmen zu können. Die haben auf Fehler der einst übermächtigen deutschen Konkurrenten nur gewartet. Denn im Wettbewerb um die Mobilitätsmärkte von morgen zählen die Erfolge von gestern wenig. (Lesen Sie hier kompletten Kommentar von Markus Fasse)

Frankfurter Allgemeine Zeitung

(...) Die Autoindustrie fällt zwei Jahre nach dem Bekanntwerden des VW-Dieselbetrugs immer tiefer in die Grube, die sie sich selbst gräbt. (...)

Die deutsche Autoindustrie hat einen Serienunfall produziert und muss doch zurück in die Offensive. Das geht nur mit schonungsloser Offenheit in der Aufklärung des Fehlverhaltens der Vergangenheit und einem radikalen Strategiewechsel im Hier und Jetzt. Es kann doch nicht sein, dass ein Jahr alte Selbstanzeigen zu Absprachen über Technik und Zulieferer bekannt werden – und die betroffenen Hersteller dazu schweigen. (...)

Überall dort, wo technischer Fortschritt tatsächlich behindert und Wettbewerb unter Zulieferern verhindert wurde, muss eine künftige Strafe empfindlich ausfallen. Auch daran darf es keinen Zweifel geben. Auf die Autoindustrie darf niemand mehr besondere Rücksicht nehmen. (Link zum Kommentar)

Die Welt

(...) Im Fall des Autokartells war den Beteiligten offenbar klar geworden, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis ihre illegalen Absprachen auffliegen. Schließlich hatten sie die Ermittler schon im Haus, als hektisch Selbstanzeigen geschrieben wurden.

(...) Dabei hätten die Konzerne schon viel früher ahnen können, oder sogar wissen müssen, dass es höchste Zeit war, reinen Tisch zu machen. Spätestens als im September 2015 der Abgasbetrug bei Volkswagen aufflog, bestand die akute Gefahr, dass auch das Kartell enttarnt werden würde. (Link zum Artikel)

Spiegel Online

Die Autoren der Spiegel-Titelgeschichte zum Autokartell hatten den Stein ins Rollen gebracht. Sie kommentieren auf Spiegel Online:

(...) Wenn Hersteller glaubten, mit Sparmaßnahmen bei der Abgasreinigung den Gewinn steigern zu können, zeigt sich nun, dass dies ein sehr kurzfristiges und falsches Kalkül war. Glaubwürdigkeit ist zwar ein schwammiger Begriff. Manchmal lässt sich der Wert der Glaubwürdigkeit aber in Euro beziffern. Spätestens, wenn die Strafen der EU zu bezahlen sind. (…)

Politiker bekommen jetzt vorgeführt, dass auf das Wort dieser Industrie kein Verlass ist. Warum sollten sie den Bossen von Volkswagen, Daimler und BMW noch Glauben schenken, wenn diese argumentieren, noch schärfere Abgasgrenzwerte könne man technisch nicht erreichen? (...)

Das wird in Stuttgart, München und Wolfsburg geschrieben
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14 Kommentare zu "Presseschau : „Auf die Autoindustrie darf niemand mehr besondere Rücksicht nehmen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Christian Körner

    Daimler hat gelernt? Wenn, dann sind die nur aus Schaden "klug" geworden.

    Und auch das nur teilweise, bzw. nach und nach - indem man sich nach und nach aus den Gehimtreffen zurückzog.

    Man kann es auch nüchtern als eine "kaufmännische Konsequenz" werten, die aus den Kosten beim Auffliegen des LKW-Kartells ersichtlich wurden.

    "Schuldbewußtsein" war es mit an absolut an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ganz sicher nicht. Wäre ja ganz was Neues, wenn dort auf einmal Moral Priorität geniessen würde.


  • „Lieber Geld verlieren als Vertrauen“ - Robert Bosch
    Haha. Frage mich was passiert wenn ich minderwertige Stahlträger verbaue um ein paar Euros zu sparen und im Jahr sterben über 10.000 Leute durch herunterfallende Teile. 'Ja aber ich schaff doch Arbeitsplätze!' Ich bescheiss doch meine Kunden nicht. Bei mir wars jedenfalls das letzte deutsche Auto.

  • HB : " Demnach sprachen sich die großen Konzerne seit den 1990er-Jahren in einem geheimen Arbeitskreis über Technik, Kosten und Zulieferer ab."
    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Insoweit wurde die gute alte Deutschland AG, die es ab 1896 gab, über die Jahre beibehalten und deren Entflechtung durch Gesetze der Regierung Schröder/Fischer möglich wurde.
    Parallel zur Auflösung der Deutschland AG verlief auch die
    Schwächung der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften und die Zunahme von ausländischen Managern in DAX-Konzernen.
    Die Öffnung des Heimatmarktes wurde von Rot-Grün damit gerechtfertigt, dass im Gegenzug deutsche Konzerne auch Investitionserleichterungen in Amerika hätten. Doch während US-Heuschrecken in Deutschland nie belangt wurden, überzieht die US-Justiz deutsche Unternehmen seit Jahren mit ruinösen Prozessen.
    Nur am Rande sei erwähnt : Bis zum Ende der gemeinsamen Forschung in der Radio-, Rundfunk- und Fernsehindustrie ging es in D mit der Sparte Unterhaltungselectronic bergauf, danach bergab, bis zur fast vollständigen Eliminierung dieser Industriesparte in D (incl. Entwicklung und Forschung) und anschließender Verlagerung nach Fernost !
    Der Automobilindustrie scheint nun das gleiche Schicksal bestimmt zu sein.
    Frage : Wer profitiert ? Sicherlich das Heer von Anwälten aber auch der Verbraucher ? Wer ist der Hauptprofiteur ? Die deutsche Industrie jedenfalls nicht !!!

  • @ Herr Ralf Reske24.07.2017, 11:44 Uhr

    So, so !
    " Wollte man Feinstaub und Stickoxide senken, könnte man das mit anderen Maßnahmen besser machen. "
    Dann raus mit den Wunderrezepten ans Tageslicht. Man wird sich überschlagen vor Dankbarkeit."
    Das sind keine Wunderrezepte und man muß sich auch nicht vor Dankbarkeit überschlagen. Da gehören nur mal Fachleute dran und keine ideologisch verbrämten Politiker. Ein seriöser Beitrag ist hier:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/feinstaub-belastung-autobranche-kritisiert-fahrverbot-in-stuttgart-14890258.html

  • DAIMLER HAT GELERNT - und sich aus den geheimen Treffen zurückgezogen. Zumindest hat ein Unternehmen aus Kartellverfahren gelernt. Das ist doch schon mal was.

    Wenn der Spiegel von "einer Art Selbstanzeige" schreibt, dann stürzen sich die Medien auf das Thema und berichten von einer Selbstanzeige.

    Liebe Medien - schlagt nur auf die deutsche Wirtschaft ein - es gibt inzwischen weniger Bankangestellte, die sich eure Zeitungen leisten können, ebenso verhält es sich mit der Energiewirtschaft - und nun sind die Autobauer dran. An den deutschen Autobauern hängt ca. ein Drittel der deutschen Wertschöpfung. Weniger Kaufkraft bedeutet weniger Kunden für die Automobilindustrie genauso wie für die Medienindustrie - auch waren das gute Zeiten, als wir im Sommer noch über die Öffnungszeiten von Biergärten und Kruzifixe im Klassenzimmer diskutieren durften.

    VW macht eine Art Selbstanzeige, um dann als Kronzeuge verschont zu bleiben? Während Daimler gelernt hat und sich 2011 aus den Gesprächen zurückzog, hat dies VW wohl nicht getan - der, der sich am wenigsten korrekt verhalten hat - auch in der Diesel-Affäre, der will dann ungeschoren davon kommen???? wie absurd ist das denn?

    Die Hexenjagd ist eröffnet, die TAZ bringt uns zurück ins Mittelalter, sie spricht von Autobauern als potentielle Mörder - nun gut - so eine Zeitung die man morgendlich aufschlägt, bringt einen "Haufen Feinstaub" in die Lunge - aber ich würde niemals die TAZ als potentiellen Mörder bezeichnen.

  • So, so !
    " Wollte man Feinstaub und Stickoxide senken, könnte man das mit anderen Maßnahmen besser machen. "
    Dann raus mit den Wunderrezepten ans Tageslicht. Man wird sich überschlagen vor Dankbarkeit.

  • @ Herr Wolfgang Wüst24.07.2017, 10:59 Uhr

    "Seltsame Diskussionsbeiträge in diesem Forum.

    Da scheinen Menschen der Meingun zu sein, dass sich Industrieunternehmen alles erlauben dürfen. Preisabsprachen, Verfahrensabsprachen, Entwicklungsabsprachen. "

    Vom Kartellamt werden Untersuchungen durchgeführt. In den Medien erfolgt schon eine Vorverurteilung, ohne die Ergebnisse abzuwarten. In anderen Bereichen heißt es immer, es darf keine Vorverurteilungen geben.

    Der Dieselskandal war auch eine politische Entscheidung. Alle Hersteller waren wohl nicht in der Lage, die unsinnigen Vorgaben einzuhalten. Erst wurde auf CO2 abgestellt, dann waren es plötzlich andere Werte, die wichtig waren. Da gibt es aber ganz andere Verursacher, als die Diesel-PKW's. Das wollen die Politiker aber nicht hören, genausowenig, wie bei der sog. Energiewende. Da sollte der CO2-Ausstoß verringert werden. Was ist passiert? Er ist gestiegen. Mit dieser verfehlten Politik hat man die Energieversorger fast um ihre Existenz gebracht. Wollte man Feinstaub und Stickoxide senken, könnte man das mit anderen Maßnahmen besser machen. Dass sich die Autohersteller dazu haben drängen lassen und manipuliert haben, war natürlich ein Riesenfehler. Trotzdem wäre es an der Zeit darüber nachzudenken, wer davon profitiert. Diese Diskussion wäre überfällig und nicht merkwürdig.

  • @Herr Wolfgang Wüst 24.07.2017, 10:59 Uhr

    den "starken Staat" haben wir bereits, denken Sie an €uro-"Rettung", Griechenland-"Rettung", "Flüchtlinge", das NetzDG, das EEG u.v.m.

    Eine "Einhaltung von fairen Wettbewerbsbedingungen" und (selbst) definierten Regeln und damit "substanziellen Verbraucherschutz" kann ich nirgends erkennen......

  • Ein Paradebeispiel dafür, wo legalisierte Korruption (Stichwort: industrielle Parteispenden) und deren Resultate wie Klientel-Gesetzgebung und -Subvention hinführen. Ob es so etwas in der Schweiz oder auch Schweden geben könnte?

    In diesem Sinne: VOLKSENTSCHEIDE AUF BUNDESEBENE - für eine nachhaltig prosperierende Wirtschaft, von der auch unsere Enkel noch leben können!

  • Seltsame Diskussionsbeiträge in diesem Forum.

    Da scheinen Menschen der Meingun zu sein, dass sich Industrieunternehmen alles erlauben dürfen. Preisabsprachen, Verfahrensabsprachen, Entwicklungsabsprachen.

    Der Endverbraucher bleibt jedesmal auf der Strecke und das Totschlagargument der "Industrie-Demontage" wird dann ausführlich herbeigezerrt. Tatsache ist aber, dass durch derlei Handlungsweisen der Industrie sich dies selbst demontiert, sabotiert und ad absurdum führt. Ich als Endverbraucher fordere einen starken Staat, der die Einhaltung von fairen Wettbewerbsbedingungen und einen substanziellen Verbraucherschutz sicherstellt und gewährleistet.

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