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Prevent und Hastor geraten ins Hintertreffen Chinesen setzen sich bei Grammer durch – zur Freude des Oberpfälzer Autozulieferers

Die Hastor-Familie hat ihren Widerstand aufgegeben. Der chinesische Zulieferer Ningbo Jifeng hat nun 74 Prozent der Anteile an Grammer sicher.
09.08.2018 - 13:10 Uhr Kommentieren
Automobilzulieferer: Chinesen setzen sich bei Grammer durch Quelle: dpa
Grammer

Der ungeliebte Aktionär Hastor zieht sich nach mehr als zwei Jahren beim bayerischen Autozulieferer zurück.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der chinesische Investor Ningbo Jifeng hat sich endgültig beim Oberpfälzer Automobilzulieferer Grammer durchgesetzt. Die Chinesen halten jetzt 74 Prozent der Anteile, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Zugleich zieht sich die deutsch-bosnische Familie Hastor bei Grammer zurück.

Ningbo Jifeng und die Hastor-Familie hatten sich ein gutes Jahr lang eine Übernahmefehde um den bayerischen Sitzehersteller geleistet. Die Familie und ihre Zuliefergruppe Prevent war bundesweit durch ihren anhaltenden Streit mit dem Volkswagen-Konzern bekannt geworden.

Ningbo Jifeng hatte im Juni ein Übernahmeangebot für Grammer abgegeben. Die Chinesen hatten 60 Euro je Aktie geboten, damit wurde der Zulieferer mit knapp 800 Millionen Euro bewertet. Der neue Mehrheitsgesellschafter hielt im Frühjahr selbst schon gut 25 Prozent der Grammer-Anteile. Die Chinesen hatten angekündigt, dass sie mit ihrem Übernahmeangebot zunächst mindestens 50 Prozent der Anteile übernehmen wollten.

Weil die anderen Aktionäre ihre Anteile zunächst nur schleppend andienten, hatte Ningbo Jifeng die Übernahmeschwelle zunächst auf 36 Prozent gesenkt. Diese Schwelle hätte erfahrungsgemäß schon für die Mehrheit auf der Hauptversammlung gereicht. Im Nachhinein hat sich diese Vorsicht der Chinesen als überflüssig erwiesen – jetzt liegen sie auch über der ursprünglich anvisierten 50-Prozent-Grenze.

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    Entscheidend ist dafür, dass jetzt auch die Hastor-Familie ihren Widerstand gegen Ningbo Jifeng aufgegeben hat. Angesichts des bestehenden hohen Aktienanteils der chinesischen Unternehmensgruppe sei es für die Familie nicht mehr möglich, die ursprünglichen strategischen Ziele bei Grammer zu erreichen.

    „Als familiengeprägte mittelständische Beteiligungsgesellschaft müssen wir unsere Ressourcen dort einsetzen, wo wir die Möglichkeit zur unternehmerischen Gestaltung haben“, sagte ein Sprecher. Die kaufmännische Vernunft gebiete es, nicht länger an den Grammer-Anteilen festzuhalten.

    Chinesen bremsen Hastor aus

    Mit „kaufmännischer Vernunft“ dürfte in erster Linie der Gewinn gemeint sein, den die Hastor-Familie durch den Verkauf der Grammer-Anteile einstreicht. In den zurückliegenden zwei Jahren hatte die Familie in zwei Schritten rund 20 Prozent der Anteile deutlich unter der 60-Euro-Grenze erworben. Damit wollten Hastor und Prevent die Vorherrschaft bei Grammer erreichen, wurden aber durch Ningbo Jifeng ausgebremst.

    Die Hastor-Familie nennt keine Zahl, wie viel sie durch den Verkauf verdient hat. Ein zweistelliger Millionenbetrag gilt in Branchenkreisen allerdings als wahrscheinlich.

    Anfänglich hatte die Hastor-Familie noch versucht, einen deutlich höheren Preis für die Grammer-Anteile auszuhandeln. „Ein Wert pro Aktie von rund 100 Euro ist als durchaus realistisch anzusehen“, hieß es noch Anfang Juni in einer Stellungnahme der deutsch-bosnischen Zuliefergruppe. „Wir betrachten das Angebot wirtschaftlich als unzureichend“, ergänzte damals ein Sprecher. Aktuelle Umsatzzuwächse aus den Geschäftsjahren 2017 und 2018 seien ebenso wenig berücksichtigt wie „noch nicht realisierte Ergebnispotenziale in erheblichem Umfang“.

    Anfang Juni hatte die Hastor-Familie sogar angedeutet, dass sie über eine Aufstockung der eigenen Grammer-Anteile nachdenke. Doch dazu hätte sie ein eigenes Übernahmeangebot vorlegen müssen. Bei 100 Euro je Aktie wäre der bayerische Zulieferer mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet worden.

    In Branchenkreisen werden große Zweifel daran geäußert, ob die mittelständisch geprägte Prevent-Gruppe einen solch großen Betrag überhaupt hätte aufbringen können. Die jüngsten Investments von Hastor und Prevent lagen in Deutschland zuletzt auch eher im zweistelligen Millionenbereich.

    Ningbo Jifeng konnte sich im Laufe der zurückliegenden Wochen mehr und mehr Anteile sichern. Die Hastor-Familie hatte dadurch jegliche Aussichten verloren, sich doch noch die Mehrheit am Unternehmen Grammer sichern zu können. Der Rückzug sei deshalb jetzt „ein Schritt der Vernunft“, hieß es dazu in Unternehmenskreisen.

    Bei Grammer herrscht jetzt Zufriedenheit darüber, dass der Übernahmekampf zwischen Ningbo Jifeng und Hastor/Prevent beendet ist. Das Management von Grammer hatte zudem das Übernahmeangebot von Ningbo Jifeng unterstützt. Die Offerte der Chinesen ist aus Sicht der Oberpfälzer eine freundliche Übernahme.

    Seit dem Einstieg vor gut einem Jahr arbeiten beide Zulieferer zusammen und planen jetzt ihre gemeinsame Zukunft. Die Chinesen wollen tendenziell als stille Gesellschafter agieren und planen keine Wechsel im Management. Die Zusagen für Arbeitsplätze, Standorte und Marke seien positiv, so das Unternehmen. Ningbo Jifeng garantiert alle Grammer-Stellen für die nächsten siebeneinhalb Jahre.

    Ningbo Jifeng gilt als verlässlich

    Nach dem Abschluss der Übernahme werde es auch keinen Beherrschungsvertrag geben. Ningbo Jifeng will sich demnach mit dem Anteil zufriedengeben, den die Chinesen jetzt erreicht haben. Im Rahmen der üblichen zweiwöchigen Nachfrist könnte ihr Anteil allerdings noch weiter nach oben gehen.

    Prevent gilt als aggressiver Zulieferer, der sich mit Unternehmen wie Volkswagen und Daimler anhaltende gerichtliche Auseinandersetzungen leistet und auch vor Lieferstopps nicht zurückschreckt. Als der Prevent-Einstieg bekannt geworden war, stornierten Automobilhersteller Aufträge bei Grammer. In der Fahrzeugbranche war die Sorge groß, dass Prevent auch bei Grammer mit Lieferbeschränkungen drohen könnte. Ningbo Jifeng gilt hingegen bei den Autobauern als verlässlicher Zulieferer.

    Die Hastor-Familie ist mit ihren Investments in Deutschland zuletzt in die Defensive geraten. Beim Küchenhersteller Alno schlug die erhoffte Sanierung fehl, das süddeutsche Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Volkswagen will sämtliche unternehmerische Beziehungen zur Prevent-Gruppe wegen der anhaltenden Streitigkeiten einstellen.

    Zu Jahresbeginn war die Hastor-Familie beim Saarbrücker Zulieferer Neue Halberg Guss eingestiegen, das Unternehmen kämpft ums Überleben. Bei Grammer hat die Familie jetzt zwar recht ordentlich verdient, konnte ihre strategischen Pläne aber nicht durchsetzen.

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