Privates Carsharing Der Fremde in meinem Auto

In Frankreich boomt die private Vermietung des eigenen Autos, doch die Deutschen sind bisher äußerst skeptisch. Das französische Start-up Drivy will das ändern – mit prominenter Unterstützung.
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Das französische Start-up Drivy will die Vermietung des Privatwagens attraktiver machen. Quelle: dpa
Wer lenkt, wer zahlt?

Das französische Start-up Drivy will die Vermietung des Privatwagens attraktiver machen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEinen BMW X3 gibt es ab 39 Euro pro Tag, einen Audi TT für 54 Euro – wenn Autos privat vermietet werden, sind sie oft deutlich günstiger als bei der klassischen Autovermietung. Das französische Start-up Drivy, das am Dienstag sein Angebot aus das gesamte Bundesgebiet ausweitet, will die Deutschen dazu bringen will, das eigene Auto zu vermieten.

In Frankreich hat das Portal bereits eine halbe Million Nutzer und vermittelt rund 26.000 Fahrzeuge. Doch in Deutschland kommt das „private Carsharing“ bisher kaum aus der Nische heraus. Anbieter wie Tamyca und Autonetzer/Nachbarschaftsauto versuchen schon seit Jahren, das Modell massentauglich zu machen.

Der Fremde am Steuer des eigenen Autos – das ist für viele Deutsche noch eine Horrorvorstellung. Viele fürchten, dass ihre Autoversicherung im Schadensfall nicht zahlt. Drivy will die Bedenken mit einem starken Markennamen zerstreuen. Die Allianz sichert alle Fahrzeuge, die über die Plattform angemietet werden mit einer zusätzlichen Vollkasko-Versicherung ab. Sie springt bei Schäden ein.

Der Start sei vielversprechend verlaufen, betont der deutsche Drivy-Chef Gero Graf. In mehreren deutschen Großstädten ist das Angebot seit einigen Monaten verfügbar, ab dem heutigen Dienstag wollen die Franzosen nun bundesweit durchstarten. 1000 Fahrzeuge sind bereits im Bestand – doch es sollen schon bald mehr werden, damit die Wachstumsziele einhalten werden: „Unser Ziel ist es, in einer kürzeren Zeit als Frankreich auf eine halbe Millionen Nutzer zu kommen“, sagt Graf. Für Drivy hat er einen attraktiven Job bei Google an den Nagel gehängt.

Die größten Carsharing-Anbieter
Flinkster (Bahn)
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Flinkster ist der Riese unter den deutschen Carsharing-Anbietern. Mit rund 300.000 registrierten Kunden und 3.300 Fahrzeugen in insgesamt 200 Städten ist zumindest die Größe bislang konkurrenzlos. Die Bahn setzt auf ein Kombi-Konzept aus Stationen und Parkraum rund um alle wichtigen Bahnhöfe. Die Anmeldegebühr ist mit 50 Euro zwar recht happig, aber eine monatliche Grundgebühr gibt es nicht - und für Bahncard-Kunden ist die Anmeldung kostenlos.

Car2Go (Daimler)
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Seit 2008 mischt auch Daimler kräftig beim Carsharing mit. Car2go ist mittlerweile international in 29 Standorten verfügbar. Insgesamt werden rund 13.000 Fahrzeuge vermietet, der Dienst kommt auf eine Million Nutzer. Die Flotte besteht überwiegend aus Smarts, von denen einige rein elektrisch angetrieben werden. Via Smartphone oder Internet können Car2Go-Nutzer sehen, wo das nächstgelegene Fahrzeug steht. Auch ist es möglich, mit zuvor erworbenen Codes ein Auto auf der Straße zu aktivieren.

DriveNow (BMW)
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Auch BMW ist beim Carsharing führend. Mit rund 390.000 Mitglieder in München, Berlin, Düsseldorf, Köln, Hamburg, Wien und London sowie in den USA in San Francisco, gehört DriveNow zu den Großen der Branche. Via Smartphone und Internet findet man den nächstgelegenen Mini, 1er BMW oder X1, die Buchung ist auch via Telefon oder Code möglich. Auch das Cabrio kommt im Sommer auf diesen höheren Preis.

Quicar (VW)
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Beim Autoriesen Volkswagen wird Carsharing dagegen sehr stiefmütterlich betrieben. Ausschließlich in Hannover stellt Volkswagen seinen Quicar-Kunden an 50 festen Ausleihe- und Rückgabeorten 200 Golf Blue Motion zur Verfügung, aber auch andere Klassen sind im Angebot. Rund 4.000 Gelegenheitsfahrer haben sich bislang angemeldet. Im Servicebereich bietet VW die Buchung via Website, Telefon oder Smartphone-App.

GreenWheels
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Mittlerweile hat sich VW auch am holländischen Marktführer Greenwheels beteiligt. In Deutschland ist das stationsbasierte Carsharing-Angebot der Holländer aber noch vergleichsweise klein.

Ford Carsharing
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Seit dem zweiten Quartal 2013 sind auch die Kölner mit einem eigenen Carsharing unterwegs. Die Unterschiede zur Konkurrenz: Das Angebot besteht bundesweit und die Händler spielen die Hauptrolle. Im Verlauf des Jahres soll das Carsharing-Angebot sukzessive und flächendeckend ausgerollt werden. In Kooperation mit Flinkster sollen die Fahrzeuge dann stationsgebunden angemietet werden können.

Flinc
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Auch das Angebot von Flinc funktioniert nach dem sogenannten Ridesharing. Smartphone und Navigationsgerät bringen Fahrer und Mitfahrer in ganz Deutschland zusammen. Zudem kooperiert das Unternehmen mit DriveNow von BMW. Mehr als 650.000 Fahrten und Mitfahrten laufen jeden Monat über die Plattform.

Geld für das Wachstum kommt von den bekannten Fonds Index Ventures und Alven Capital, die auch schon Start-Ups wie Skype und last.fm groß gemacht haben. Für die Expansion in Deutschland sind nach Angaben von Graf rund acht Millionen Euro in der Kriegskasse.

„Für mich ist das kein Carsharing, sondern entspricht eher den Merkmalen einer Autovermietung von privat an privat“, sagt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbandes Carsharing (bcs). Ein zentrales Problem mache das Angebot wenig attraktiv: In den kleinen Städten sei das Angebot von privat vermittelten Fahrzeugen nicht groß genug, in den großen Städten würden die bestehenden Carsharing-Anbieter für ein ausreichendes Angebot sorgen.

Sein Verband konnte zuletzt deutliche wachsende Zahlen präsentieren. Erstmals nutzten 2014 mehr als eine Million Deutsche die bestehenden Carsharing-Angebote. Das stationsgebundene Carsharing hat zwar weiterhin mehr Nutzer, der Löwenanteil des Wachstums entfällt aber auf die großen stationsunabhängigen Anbieter, wie Car2go von Daimler und Drivenow von BMW, die gemeinsam um 51 Prozent zulegten.

Die Anbieter von privatem Carsharing sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Sie weisen zwar einen relativ hohen Fahrzeugbestand vor, doch verraten nicht, wie oft die Fahrzeuge tatsächlich angemietet werden. Denn inaktive Nutzer sind derzeit eines der größten Probleme im privaten Carsharing. Graf ist trotzdem optimistisch, dass es diesmal besser gelingt. „Wir verwenden viel Zeit darauf, unseren Bestand zu pflegen“, sagt er. Dabei wird genau untersucht, wie aktiv die Nutzer sind. Denn wer einmal vergeblich versucht, ein Auto zu mieten, weil der Vermieter nicht antwortet, kommt möglicherweise nicht mehr wieder. Karteileichen produzieren neue Karteileichen.

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