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Produktpiraterie Der Fluch der bösen Tat

Chinas Unternehmen sind dafür bekannt, fremde Produkte zu kopieren – doch inzwischen werden sie selbst immer häufiger Opfer von Produktpiraten. Denn Konzerne aus der Volksrepublik vernachlässigen Patentanmeldungen und stürmen mit ihren Erzeugnissen „völlig ungeschützt“ in den globalen Wettbewerb.
  • Andreas Hoffbauer
Noch ähneln viele chinesische Produkte westlichen Vorbildern, hier ein Auto der Marke Geely auf der IAA 2005. Schon bald könnte chinesische Technik von Konkurrenten kopiert werden. Foto: dpa

Noch ähneln viele chinesische Produkte westlichen Vorbildern, hier ein Auto der Marke Geely auf der IAA 2005. Schon bald könnte chinesische Technik von Konkurrenten kopiert werden. Foto: dpa

PEKING. „Chinesischen Firmen droht so der Ausschluss von den internationalen Märkten“, heißt es in einer noch unveröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Die Unternehmen der Volksrepublik, die immer stärker auf westliche Märkte drängen, haben in den vergangenen Jahren zwar ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung aufgestockt. „Aber die Ausgaben zur Sicherung internationaler Patentrechte wurden nicht entsprechend erhöht“, stellt die Studie fest.

Um international bestehen zu können, müssten die Chinesen dreißig Mal mehr für den Patentschutz ausgeben als bisher – für viele Unternehmen bedeutet dies Investitionen in Millionenhöhe. „Das Reich der Mitte sieht sich also nun genau dem Problem gegenüber, das viele seiner Unternehmen bislang anderen Nationen bereitet haben“, sagt Christoph Nettesheim, BCG-Geschäftsführer in Peking. „Seine Produkte werden kopiert – oder durch Patentschutzklagen verdrängt.“

Dabei will Chinas Führung mit Produkten „Made in China“ klotzen: Rund 50 Konzerne sollen als „Champions“ bald globale Anbieter sein. Konzerne wie Baosteel, Haier und TCL sind bereits so weit, andere wie die Autobauer Geely, Chery oder Brilliance wagen gerade den Schritt auf ausländische Märkte. Doch 99 Prozent aller chinesischen Unternehmen haben noch nie ein Patent angemeldet, beklagt Tian Lipu, Direktor des staatlichen Patentschutzbüros (Sipo) in Peking: „Unsere Firmen müssen das Thema unbedingt erkennen und aktiver ihre Erfindungen anmelden – daheim und im Ausland.“

Zwar steigt die Zahl der Patentanmeldungen chinesischer Unternehmen seit Jahren. Auf dem wichtigen US-Markt aber meldet Südkorea fast neun Mal so viele Patente wie China an, so die BCG-Studie, Japan 35 Mal mehr. China stehe nur für 0,5 Prozent der Anmeldungen in den USA, das sei der Wirtschaftsmacht nicht angemessen.

Die Volksrepublik versucht intensiv, Hochtechnologie ins Land zu holen. Peking bietet im Gegenzug Steuervergünstigungen und Großaufträge. Siemens wird künftig ICE-Züge in China produzieren, Airbus komplette Flugzeuge. Und Intel soll eine der modernsten Chipfabriken in Chinas Nordosten errichten. Zwar bringen die Top-Hersteller meist nicht die neueste Technologie mit. Doch wie schnell China von den Ausländern lernt, sieht man an den jüngsten Ankündigungen Pekings: Die Regierung gab vergangene Woche grünes Licht zum Bau eines eigenen Großflugzeuges und erklärte zudem, man wolle beim Ausbau der Eisenbahn künftig verstärkt auf eigene Züge setzen. „Im Hinblick auf Technologie haben wir alles, was wir brauchen“, erklärte stolz Huang Min, Chefvolkswirt des Pekinger Eisenbahnministeriums.

Nur: Mit dem Know-how habe man noch nicht das Patent, sagt Haier-Chef Zhang Ruimin. Der Elektrogeräte-Hersteller ließ als erste chinesische Firma im Ausland fertigen und besitzt nach 23 Jahren mehr als 6 000 Patente. Die meisten Firmen in China seien aber jung und unerfahren, so der Haier-Chef, „gleichzeitig ist der Druck auf sie sehr groß.“ Da werde das Thema Patentschutz schnell verdrängt. Auch Haier spürt die Folgen: Kühlschränke und Waschmaschinen der Firma aus Qingdao werden immer wieder in China kopiert. „Patentschutz ist sehr wichtig“, sagt darum Firmengründer Zhang, der gegen jeden Fälscher knallhart vorgeht.

Genau das blüht Chinas Marken nun auch auf internationalem Parkett. „Wenn chinesische Unternehmen so stark in die Weltmärkte expandieren wie angekündigt, werden Europa und die USA noch viel aggressiver gegen Fälscher vorgehen als bisher“, ist Experte Nettesheim überzeugt. Zumal die neuen Rivalen durch die Expansion „zu ernsthaften Konkurrenten für bisherige Platzhirsche“ und damit „zum Ziel unternehmerischer Attacken“ werden.

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