Produktpiraterie MAN vor Sieg über Bus-Kopierer in China

Im Kampf gegen Chinas Produktpiraten setzt sich erstmals ein deutscher Hersteller mit Erfolg zur Wehr. In der Urheberrechtsklage des Busherstellers MAN gegen den chinesischen Rivalen Zonda hat das zuständige Gericht in Peking vor wenigen Tagen entschieden, dass beide Seiten bis Anfang Juli eine Einigung finden müssen.
  • Andreas Hoffbauer
Der juristische Streit dreht sich um den Luxusreisebus "Starline" der MAN-Tochter Neoplan. Foto: PR

Der juristische Streit dreht sich um den Luxusreisebus "Starline" der MAN-Tochter Neoplan. Foto: PR

PEKING. Wie der MAN-Konzern dem Handelsblatt bestätigte, ist eine Frist von 30 Tagen gesetzt worden. Andernfalls wolle das Gericht den Fall unverzüglich selbst entscheiden. Beide Parteien hätten bereits signaliert, eine außergerichtliche Lösung finden zu wollen. „Wir sind darum zuversichtlich, den Fall in diesem Monat mit einem zufriedenstellenden Ergebnis abzuschließen“, so Urs Vollrath, CEO von MAN Nutzfahrzeuge China, zum Handelsblatt in Peking.

Der deutsche Hersteller war vor einem Jahr in einem spektakulären Schritt gegen Zonda vor Gericht gezogen. Der Zonda-Reisebus A9 sei eine „exakte Designkopie" des Starliner-Modells der MAN-Firma Neoplan, hatte der Münchner Konzern damals beklagt. „Es handelt sich um einen ernsten Fall von Patentverletzung", begründete Franz Neundlinger, Vizepräsident von MAN-China, den Schritt. Die Klage sei ein „glasklarer Fall.“

Der juristische Streit dreht sich um den Neoplan-Luxusreisebus „Starliner", der zum ersten Mal 2004 auf der Automesse in Hannover vorgestellt worden war. Nur ein paar Monate später, im März 2005, tauchte bereits ein täuschend ähnlich aussehendes Fahrzeug auf einer Bus-Schau in Shanghai auf – das Modell A9, produziert von Zonda in der chinesischen Provinz Jiangsu.

Bei dem angezettelten „Buskrieg“ geht es nur um das äußerliche Design, nicht um Motoren oder andere Antriebstechnik. Hauptproblem der Deutschen ist jedoch, dass das chinesische Modell nur ein Drittel kostet wie der echte „Starliner", der in Deutschland für rund 350 000 Euro angeboten wird.

Mit der Klage von MAN folgt erstmals ein deutscher Hersteller einem sich neu abzeichnenden Trend im Kampf gegeh chinesische Kopierer. Immer öfter klagen ausländische Firmen ihre Patentrechte vor Gerichten ein – und haben bereits mehrfach recht bekommen. Die Luxusgüterhersteller Gucci, Prada oder Burberry sowie die Kaffeehauskette Starbucks siegten im vergangenen Jahr gegen Produktfäklscher und Logo-Kopierer.

Auch der Pharmariese Pfizer konnte konnte sein Viagra-Patent erfolgreich einklagen, Kopien aus China sind auch dort offiziell illegal. Gerade im Autobau hat es immer wieder Klagen ausländischer Marken gegen chinesische Hersteller wie Chery oder Geely gegeben. Meist jedoch weniger erfolgreich.

Zonda ist Chinas führender Bushersteller mit fünf Fabriken im Land und einer Produktionskapazität von 15 000 Bussen im Jahr. Die Pressestelle von Zonda verwies auf Anfrage auf die eigene Rechtsabteilung, wo eine Mitarbeiterin jedoch keine Auskunft zu dem MAN-Fall geben konnte. Die Form des A9 sei seit 2003 selbst entwickelt worden, hatte Zonda in den vergangenen Monaten erklärt. Da MAN-Neoplan erst im August 2005 Neoplan in China das Patent auf das Design angemeldet hatte, sah sich der chinesische Hersteller bislang nicht schuldig.

Nach MAN-Angaben soll Zonda bereits „einige hundert“ der Bus-Kopien verkauft haben. Erst im April hatte Zonda nach eigenen Angaben 60 Stück des A9 nach Jordanien verkauft. Doch es geht nicht nur um Aufträge: Mit der Klage will der Münchner MAN-Konzern auch deutlich machen, dass Chinas Ideen-Klau auch im eigenen Land langsam Grenzen hat. „Wir glauben an Chinas Rechtssprechung und müssen unsere Partner schützen“, heißt es bei den Deutschen.

Denn pikant ist an der Bus-Affäre, dass diesmal nicht nur Ausländer zu Schaden gekommen sind, sondern auch Landsleute: MAN-Partner Neoplan-Youngman Jinhua (Provinz Zhejiang) hatte die Lizenz für den Bau des „Starliners“ gekauft. Der blickt nun in die Röhre und beklagt bereits „große Verlusten“ durch das Zonda-Modell.

Spekuliert wird in Peking allerdings, dass die anstehende außergerichtliche Einigung aus den Gegnern sogar Partner machen könnte. Denkbar sei, dass Zonda künftig in China den Starliner für MAN produziert – dann aber ganz offiziell unter Lizenz. Das wäre ein echter Sieg in Sachen Produktpiraterie.

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