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Prozess um VW-Übernahme Porsche und Piëch kommen straflos davon

Der ehemalige Kommunikationschef von Porsche, Anton Hunger, muss mit einer Anklage wegen Beihilfe zur Marktmanipulation rechnen. Zwölf prominente Aufsichtsräte der Porsche Holding entgehen dagegen einem Prozess.
17.08.2015 - 14:14 Uhr Kommentieren
Der frühere VW-Patriarch kommt um eine Anklage herum. Quelle: dpa
Ferdinand Piëch

Der frühere VW-Patriarch kommt um eine Anklage herum.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/Stuttgart Die gescheiterte Volkswagen-Übernahme durch Porsche hat Folgen für Anton Hunger, den ehemaligen Pressechef des Unternehmens. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte am Montag entsprechende Medienberichte. So soll der frühere Unternehmenssprecher wegen Beihilfe zur Marktmanipulation angeklagt werden. Zwölf ehemalige und amtierende Aufsichtsräte der Porsche SE, darunter auch der einstige Konzernpatriarch Ferdinand Piëch und der amtierende Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, kommen dagegen straffrei davon.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dem ehemaligen Finanzchef Holger Härter soll Pressechef Hunger im Februar 2008 eine Kommunikationsstrategie ausgearbeitet haben, „um diese bei ihren Straftaten zu unterstützen“, heißt es in der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Stuttgart. In mindestens fünf öffentlichen Erklärungen hätten die Verantwortlichen damals eine Aufstockung der Anteile an VW auf über 75 Prozent dementiert.

Ob es am Ende zum Prozess kommt, entscheidet nun die Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart.

Barbara Livonius, Verteidigerin des ehemaligen Porsche-Sprechers Hunger, gibt sich optimistisch: „Die betreffenden Aussagen von Herrn Wiedeking und Herrn Härter waren nicht falsch. Damit liegt keine informationsgestützte Markmanipulation, und in der Folge auch keine Beihilfe zur einer solchen vor“, erklärte die Rechtsanwältin im Gespräch mit dem Handelsblatt. Zu den Details wolle man sich erst äußern, wenn die Anklage offiziell eingegangen sei. Rückendeckung bekommt Hunger auch von seinem ehemaligen Arbeitgeber. „Wir weisen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück“, erklärte ein Sprecher der Porsche SE gegenüber dem Handelsblatt.

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    Für die zwölf ehemaligen oder amtierenden Aufsichtsräte der Porsche Holding, gegen die ebenfalls ermittelt wurde, bleibt die Übernahmeschlacht dagegen folgenlos. Die Ermittlungen wegen Beihilfe zur Markmanipulation wurden eingestellt. Dabei war gegen etliche große Namen des VW-Konzerns ermittelt worden, darunter unter anderem der jüngst geschasste Patriarch Ferdinand Piëch, sein Bruder Hans Michel Piëch oder Wolfgang Porsche, der heute noch als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschäfte der Holding überwacht, sowie Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück und Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner.

    Der Anfangsverdacht der Beihilfe zur Marktmanipulation hat sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aber nicht bestätigt. Nach Auswertung sämtlicher Beweismittel habe es keine tatsächlichen Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die Mitglieder des Porsche-Aufsichtsrats an den mutmaßlich falschen Erklärungen als Täter beteiligt gewesen seien, auch nicht als Anstifter oder Gehilfen. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hätten Piëch und Co den Aussagen des Vorstands auch nicht öffentlich im Nachhinein widersprechen müssen.

    Gruppe-B-Gefühle auf öffentlichen Straßen
    Porsche 959 vor einem Kleinflugzeug mit Porsche-Flugmotor, 1988
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    Fast doppelt so teuer wie der Ferrari Testarossa brachte der Deutsche das überschäumende Temperament der Gruppe-B-Rallye-Renner in alltagsgerechte Form und auf die Straße. Mit elektronischem Allradantrieb, tempoabhängig regelndem Stoßdämpfersystem und reichlich Renntechnik brannte der Bolide die Beschleunigungsbestzeit von 3,9 Sekunden in die Bahn.

    (Foto: Porsche)
    Porsche 959 bei der Rallye Paris Dakar 1986 im Rothmans-Team
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    Trotz des Preises von über 400.000 D-Mark war der 450 PS starke Turbo so begehrt, dass die limitierte Auflage schon vor Serienstart vergriffen war und bereits die ersten gebrauchten 959 mit Aufpreis gehandelt wurden. Was Bugatti (EB 110), Ferrari (F40), Jaguar (XJ 220) und andere animierte, wenig später einen Supercar-Hype auszurufen.

    Ausverkaufsgarantie bewies jedoch allein der Porsche 959 als erster über 315 km/h schneller Allrad-Racer. Seine Technik und seine prominenten Käufer aus Sport, Show und Finanzwelt machten ihn legendär. Und zum Ahnherrn einer Generationenfolge von Über-Porsche, die bis zum gerade eingestellten 918 Spyder führt.

    (Foto: Porsche)
    Porsche 959
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    Prototyp im Windkanal 1982.

    (Foto: Porsche)
    Porsche 959
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    Ein Gruppe-B-Prototyp, wie er auf der IAA 1983 präsentiert wurde.

    (Foto: Porsche)
    Porsche 959 Jahr 1986
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    Eindrucksvoll waren auch die bei Pressetestfahrten erreichten 320 km/h. Geradeauslauf und Bremswege seien dennoch mit Werten vergleichbar, die andere Fahrzeuge im Bereich unter 200 km/h erreichen, erklärte die „Porsche Presse-Information“ zu Hochgeschwindigkeitsfahrten im 959.

    Was enthusiastische Medienvertreter bestätigen konnten. So ermittelten amerikanische Journalisten die Topspeed „the German way on the autobahn“, um dann zu resümieren, den Porsche perfekt zu nennen, sei eher eine Untertreibung.

    Entsprechend frustrierend wirkte für amerikanische Porsche-Fans die in Zuffenhausen gefällte Entscheidung, auf einen USA-Export dieses Autos der Superlative zu verzichten.

    (Foto: Porsche)
    Porsche 959 Sieg bei der Pharaonen-Rallye
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    Ein Triumph im Jahr 1985. Am Steuer war Saeed Al Hajri mit Beifahrer John Spiller.

    (Foto: Porsche)
    Porsche 959 Jahr 1986
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    Für die wenigen glücklichen 959-Besitzer ist der Sportler schlicht die beste aller Fahrspaßmaschinen -  und nebenbei eine Geldanlage mit Wertsteigerungsgarantie.

    (Foto: Porsche)

    Während der Übernahmeschlacht zwischen dem VW-Konzern und Porsche im Jahr 2008 hatten Anleger durch Kursturbulenzen mehrere Milliarden Euro verloren. Im Anschluss war Aufsichtsräten und Vorstand vorgeworfen worden, nicht früh genug über das Übernahmevorhaben informiert – und damit die Anleger getäuscht zu haben. Wegen der hohen Kreditverpflichtungen und der Entwicklung an den Finanzmärkten war die Übernahme am Ende gescheitert. Mittlerweile hat die Porsche Holding das operative Geschäft des Sportwagenbauers in den VW-Konzern integriert.

    Ausgestanden sind die juristischen Folgen der Übernahmeschlacht für die Porsche SE mit der Einstellung der Ermittlungen noch nicht: Neben einigen Schadenersatzklagen startet am 22. Oktober das Verfahren gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzchef Holger Härter. Durch die Einstellung der Verfahrens können die nun entlasteten Aufsichtsräte dann ihre Aussage nicht mehr unter dem Hinweis auf laufende Verfahren verweigern.

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