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PSA-Halbjahreszahlen Opel macht wieder Gewinn – doch einige Probleme bleiben

Opel legt erstmals unter französischer Führung einen überzeugenden Halbjahresgewinn vor. Die Aktionäre sind begeistert, Experten bleiben skeptisch.
24.07.2018 Update: 24.07.2018 - 15:56 Uhr Kommentieren
Opel: Unter PSA-Führung wieder hochprofitabel Quelle: Reuters
Zufriedenes Duo

Opel-Chef Michael Lohscheller (links) und PSA-Konzernlenker Carlos Tavares können im ersten Halbjahr gute Zahlen präsentieren.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf, Paris Der französische Autohersteller PSA profitiert von der Rückkehr von Opel in die Gewinnzone. Die Rüsselsheimer erwirtschafteten im ersten Halbjahr 2018 einen Gewinn von 502 Millionen Euro. „Die Trendwende bei Opel-Vauxhall ist nun eindeutig eingeleitet“, sagte Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon am Dienstag.

Der PSA-Konzern steigerte seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 40 Prozent auf 38,6 Milliarden Euro. Auf die Opel-Vauxhall-Sparte entfiel ein Umsatzanteil von 9,95 Milliarden Euro. Der Nettogewinn des Konzerns betrug 1,7 Milliarden Euro, das waren 242 Millionen Euro mehr als zuvor. Die Aktionäre zeigten sich begeistert. Zum Handelsstart legte die Aktie um 10 Prozent zu.

PSA-Chef Carlos Tavares hält den Druck trotzdem aufrecht: „Es wäre naiv zu glauben, dass keine harten Herausforderungen mehr anstehen.“

Seit fast 20 Jahren schreibt Opel Verluste. Nun hat der Rüsselsheimer Autobauer mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall aber zumindest im operativen Geschäft eine Trendwende erreicht. Im ersten Halbjahr 2018 erwirtschaftete das Traditionsunternehmen, das seit Sommer 2017 zum französischen Konzern PSA (Citroën, Peugeot) gehört, ein konsolidiertes Betriebsergebnis in der Höhe von 502 Millionen Euro. Der Umsatz liegt bei 9,9 Milliarden Euro.

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    „Im zweiten Halbjahr kann es noch Schlaglöcher geben“, warnte Tavares. Doch gleichzeitig zeigte er sich optimistisch: „Wenn wir dem Plan von Michael Lohscheller folgen, müsste der Trend so weitergehen.“ Der größte Teil der Restrukturierungskosten liege nun hinter PSA. 406 Millionen Euro kostete die Opel-Restrukturierung im ersten Halbjahr.

    Die Ergebnisse von Opel lassen sich aber nur schwer mit dem Vorjahr vergleichen. Unter dem alten Eigentümer, dem amerikanischen Autobauer General Motors (GM), wendete Opel andere Rechnungslegungsstandards an. Konkret bilanzierte Opel unter GM nach US-GAAP und jetzt unter PSA nach dem europäischen IFRS-Standard.

    Betrachtet man nur jene Zeit, in der Opel bereits nach IFRS operierte, hat sich die Situation bei dem Autobauer deutlich verbessert. Denn von August bis Dezember 2017 erwirtschaftet Opel nicht wie im Halbjahr 2018 ein Plus beim Betriebsergebnis, sondern ein deutliches Minus. Die konsolidierten Verluste summierten sich insgesamt auf fast 180 Millionen Euro.

    Hohe Einmalkosten durch die Restrukturierung

    PSA feiert diesen Erfolg. Schließlich stieg die wiederkehrende operative Marge der Franzosen im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte an, auf 7,8 Prozent. Betrachtet man aber die Gewinnspanne unter dem Strich, dann kostete Opel seinem Mutterkonzern sogar Marge. Denn der konsolidierte Gewinn in Relation zum Umsatz ergibt eine Umsatzrendite von 3,8 Prozent im ersten Halbjahr 2018. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2017, als Opel noch nicht mitkonsolidiert wurde, lag die Umsatzrendite von PSA bei 4,6 Prozent.

    Hintergrund ist, dass bei PSA durch die Restrukturierung von Opel hohe Einmalkosten anfallen. Insgesamt summieren sich die einmaligen betrieblichen Aufwendungen von PSA auf 750 Millionen Euro. Auch wenn PSA diese Kosten nicht detailliert aufschlüsselt, ist doch recht klar, dass ein Großteil davon auf die Sanierungsmaßnahmen bei Opel entfallen dürfte.

    Die Rüsselsheimer wollen rund ein Fünftel der vormals 18.000 Mitarbeiter abbauen. Das angestammte Personal wird bei Opel sukzessive über Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen hinauskomplimentiert. Der Autobauer zahlt seinen Beschäftigten im Schnitt mehr als 150.000 Euro um sie loszuwerden.

    Belegschaft läuft Sturm – „Wir glauben Opel und PSA kein Wort mehr“

    Analysten würdigen trotz der Kosten die schnellen Restrukturierungserfolge. So gelang es Opel vor allem durch die deutliche Reduzierung der Fixkosten um 28 Prozent wieder ein positives Betriebsergebnis abzuliefern. Das Investmenthaus Evercore ISI sieht Opel aus „der Asche auferstehen“. Die Analysten sind sicher, dass der Turnaround in Rüsselsheim gelingt. Denn langfristig kann das Unternehmen durch die Umstellung von neun auf nur noch zwei Plattformen, auf denen Opel seine verschiedenen Modelle fertigt, viel Geld sparen.

    Für die Sanierung zahlt der deutsche Autobauer nach Ansicht von Experten einen hohen Preis: Opel werde nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer seine Eigenständigkeit weitgehend verlieren. Der Direktor des CAR-Institus an der Universität Duisburg-Essen sieht die Ex-General-Motors-Tochter Opel als vergleichsweise schwache Marke, die in den vergangenen Jahren in Europa beständig Marktanteile verloren habe. „Opel leidet an Kundenschwund“, erklärte der Experte.

    Der Markanteil der Rüsselsheimer befindet sich auf einem Allzeittief. Nur noch 5,6 Prozent aller neu zugelassenen Autos in Europa sind Opel-Modelle. Schlimmer noch: In Deutschland ist der Marktanteil zuletzt auf den schlechtesten Wert seit den 1950er-Jahren abgesackt. Nur noch etwas mehr als sechs Prozent der neu zugelassenen Pkws hierzulande sind Opel-Fahrzeuge. Zum Vergleich: Mitte der 1990er-Jahre war der Markanteil der Firma mehr als doppelt so hoch.

    Verkäufe seien zudem mit einem überdurchschnittlichen Anteil so genannter Eigenzulassungen erreicht worden. Das Kalkül von PSA-Chef Tavares scheine zu lauten, Opel als PSA-Hülle aufzustellen. Zugeknöpft wie immer ließ sich dieser im Gespräch mit deutschen Journalisten nicht entlocken, wie der Stand der Verkaufsbemühungen ist: „Wir führen Gespräche, stehen aber nicht unter Zeitdruck.“

    Das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim bleibe für die Entwicklung sämtlicher Opel-Modelle zuständig und übernehme im Konzern zentrale Aufgaben wie beispielsweise die Entwicklung neuer Benzinmotoren, die Brennstoffzelle oder die Verantwortlichkeit für leichte Nutzfahrzeuge, hatte das Management noch im Juni versichert. Danach wurden jedoch Überlegungen bekannt, einen wesentlichen Teil des Zentrums möglicherweise an einen Dienstleister abzugeben. Das hatte zu erneuten Protesten der Belegschaft geführt.

    Auch wenn immer mehr Manager aus Frankreich nach Deutschland wechseln und künftig große Teile der Technologie aus dem Nachbarland kommen, beharrte Tavares darauf, dass Opel eine deutsche Marke bleibe: „Das Engineering der meisten Opel-Vauxhall-Produkte stammt aus Rüsselsheim, wo auch das Design entworfen wird“, machte der Portugiese geltend. Opel sei nun aber Teil einer weltweiten Gruppe, und Exzellenz könne man nur durch den Austausch von Talenten erreichen: „In Frankreich arbeiten mittlerweile exakt so viel deutsche Manager wie umgekehrt.“

    Nachdem Tavares in den vergangenen Jahren höheren Verkaufspreisen die absolute Priorität einräumte und Verluste von Marktanteilen hinnahm, zielt er nun auf Expansion. In allen europäischen Märkten hat PSA gewonnen. Schwach läuft das China-Geschäft, und ihre Iran-Aktivitäten haben die Franzosen wegen der neuen US-Sanktionen komplett abgewickelt, „um PSA zu schützen“, bemerkte Tavares.

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