Pumpen müssen hierbleiben Russland-Sanktionen treffen die Falschen

Ölpumpen und Bohrmaschinen dürfen nicht mehr nach Russland geliefert werden. So will die EU die dortige Erdölindustrie schwächen. Doch unter dem Embargo leiden auch Firmen, die nichts mit Erdölförderung zu tun haben.
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Ein Mitarbeiter des Motorsägenherstellers Stihl zeigt eine Pumpe zum anbringen von Haft-Öl an die Kette einer Motorsäge. Seitdem die EU ein Embargo über Lieferungen an die russische Ölindustrie verhängt hat, braucht auch die kleine Pumpe eine Genehmigung vom Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (Bafa). Quelle: dpa

Ein Mitarbeiter des Motorsägenherstellers Stihl zeigt eine Pumpe zum anbringen von Haft-Öl an die Kette einer Motorsäge. Seitdem die EU ein Embargo über Lieferungen an die russische Ölindustrie verhängt hat, braucht auch die kleine Pumpe eine Genehmigung vom Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (Bafa).

(Foto: dpa)

WaiblingenDie Pumpe ist nur etwas größer als ein Fünf-Mark-Stück, etwa 30 Gramm bringt sie auf die Waage. Sie ist eigentlich dafür gedacht, Haft-Öl an die Kette einer Motorsäge zu bringen. Ein Verschleißteil, dass der Hersteller Stihl immer mal wieder an seine Kunden liefern muss. Wenn es allerdings um russische Kunden geht, stellt das Stihl seit Ende Juli vor ein Problem.

Seitdem die EU ein Embargo über Lieferungen an die russische Ölindustrie verhängt hat, braucht auch die kleine Pumpe eine Genehmigung vom Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (Bafa). Grund ist die sogenannte Zolltarifnummer, mit deren Hilfe Waren im gemeinsamen Wirtschaftsraum der Europäischen Union sortiert werden. Die Nummer der Ölpumpen von Stihl ist im Anhang II der Verordnung 883 aufgelistet. Mit dessen Hilfe soll verhindert werden, dass Werkzeug zur Erdölexploration nach Russland gelangt. Zwischen Rohren für Öl- oder Gasfernleitungen oder Tiefbohrwerkzeugen sind dort unter der Nummer 841350 auch „Verdrängerpumpen für Flüssigkeiten, mit Motorantrieb“ genannt.

Stihl-Vertriebsleiter Joachim Burandt kann nur vermuten, warum ausgerechnet die Mini-Pumpen des Motorsägenherstellers auf die Liste gelangt sind. „Ölpumpen wurden für diese Embargoliste nicht weiter spezifiziert“, sagt er. Das gleiche gilt für Stihls Bohrwerkzeuge: Die sind dafür gedacht, circa ein Meter tiefe Löcher zum Beispiel für Weidezäune zu graben - und fallen nun in eine Kategorie mit Bohrwerkzeugen zur Ölförderung.

Dieter Knopp, Nutzfahrzeug-Vertriebsleiter bei ZF Lenksysteme, kennt das Problem. Er braucht seit Ende Juli Genehmigungen für Hydraulik-Pumpen von Servolenkungen. „Wohlwissend, dass man damit kein Erdöl fördern kann.“

Das zuständige Bundesamt für Ausfuhrkontrolle kämpft mit der Flut der Ausnahmeanträge für Russland-Exporte. Wie viele auf den Anhang II der Verordnung fallen, konnte ein Sprecher der Behörde zwar nicht beantworten. Seit Beginn der Sanktionen seien aber alles in allem fünfmal mehr Anträge eingegangen als im Vorjahr. In den sechs Wochen zwischen 1. August und 15. September waren es 1400. Für den Anhang II biete die Behörde allerdings Verfahrenserleichterung an, wenn die Produkte nicht den Zweck des Embargos erfüllen, betont der Sprecher.

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9 Kommentare zu "Pumpen müssen hierbleiben: Russland-Sanktionen treffen die Falschen"

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  • "...Status des Dollars als Weltwährung nicht zu gefährden..."

    Sehe ich auch so. Was wäre wenn man den Euro bis auf Parität schwächt und dann den Euro 1:1 mit Dollar ersetzt. Praktisch nicht? EU und Nato nur als Brückenkopf. So denke ich wird es laufen.

  • Tja, es soll da diese menschlichen Kettensägenkampfmaschinen geben... hab ich auch schon von gehört.....

  • Ähm ... an das Bohren von Gegenständen hatte ich da nicht gedacht. Zum Bataillon Asow wird über Entführung, Folter und Mord berichtet ...

  • Gute Idee, es gibt da diese Bohrmaschienen für die Landwirtschaft zum Bohren von Löchern für Weidezaunpfähle. Können eventuell auch für die Grenzbestigungspfähle gebraucht werden.

    Da Jazenjuk den allgemeinen Arbeitsdienst, für Arbeiter, Studenten, Arbeitlose und Bauern einführen will (kein Witz) ist ein ausgedehntes Betätigungsfeld für viele zukünftig Bohrende gegeben.

    Stihl muss halt gegenbenfalls vorfinanzieren.

  • Bohrwerkzeuge und Motorsägen könnte man doch nach Kiew liefern. Das Bataillon Asow weiß bestimmt etwas damit anzufangen...

  • Aus Sicht der USA treffen die Sanktionen die Richtigen: Nämlich Russland und die EU, vornehmlich Deutschland.

    Ansonsten ist Ihnen vollständig zuzustimmen, Herr Falk.

    Auch der Euro wird künstlich geschwächt, um die schwachen EU-Länder von Reformen abzuhalten (mit Geldflut und Schwachwährung kann man sich auch so lange durchmogeln) und um den Status des Dollars als Weltwährung nicht zu gefährden.

  • Wieso müssen wir unbedingt gegen die Russen kämpfen? Angesagt ist doch der Kampf gegen den Islam (Tötet Andersgläubige) und kriminelle, kundenfeindliche Banker. Wieso unterstützt Frau Merkel diese Gruppen hemmungslos?

  • Mit diesen Sanktionen, die die Ölexploration und Förderung treffen sollen, verfolgen die US-Öloligarchen gleich 2 Ziele: Sie halten sich langfristig die (kostengünstigere) Konkurrenz für ihr Fracking-Öl vom Hals und zerschneiden einen wachsenden Wirtschaftsraum, der langfristig den US-Markt weit hinter sich lassen könnte. Die russischen Partner werden die Lektion verstehen, die ihnen von der Bundesregierung mit der Teilnahme an den Sanktionen damit verpasst wird: macht Euch nicht von Partnern abhängig, die nicht ihre eigenen Interessen vertreten können, sondern die der Konkurrenz vertreten müssen, wenn es darauf ankommt. Sie werden sich umorientieren, ob es ihnen passt oder nicht. Glorreiche Zeiten für chinesische Maschinenbauer und südamerikanische Landwirtschaftsproduzenten. Klasse, Merkel und Gabriel!

  • Man kann es nicht oft genug wiederholen "Sanktionen sind dummes Zeug", Helmut Schmidt zu den Russlandsanktionen.

    Russland wird sich andere Lieferanten suchen. Vielleicht ist die Qualität und der Service dieser Produkte nicht so gut wie die der deutschen, hinreichend allzumal.

    Die Merkel´schen Sanktionen sind nichts anderes als ein Projekt, um die deutsche Wirtschaft zu schädigen.
    Deutsche Exporterfolge waren eh in letzter Zeit Anlass, um von interessierter Seite Kritik zu üben.

    Frau Merkel hat dieser Kritik Rechnung getragen.

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