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Purdue Pharma „Massive und tödliche Täuschung“: Opioid-Clan Sackler droht die Insolvenz

Die Eigentümer von Purdue Pharma holt das gute Geschäft mit gefährlichen Medikamenten ein: Familie Sackler wird im Zuge der Opioid-Epidemie angeklagt.
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„400.000 tot – Schande über Sackler“. Demonstranten bringen ihren Unmut über die umstrittene Familie zum Ausdruck. Quelle: The New York Times/Reduxlaif
Proteste im Guggenheim Museum in New York

„400.000 tot – Schande über Sackler“. Demonstranten bringen ihren Unmut über die umstrittene Familie zum Ausdruck.

(Foto: The New York Times/Reduxlaif)

New YorkIhr Nachname ziert die größten Museen der Welt. Im Metropolitan Museum in New York ist der Flügel mit dem altägyptischen Dendur-Tempel nach Familie Sackler benannt. Das Guggenheim Museum, das Smithsonian, der Louvre und Unis wie Harvard und Oxford haben Räume der Familie gewidmet.

Die edlen Spender aus New York – in der Rolle sieht sich die Familie Sackler gerne, die 1952 das Unternehmen Purdue Pharma übernommen hat. Mit einem Vermögen von 14 Milliarden Dollar schaffte sie es 2015 zum ersten Mal unter die Top 20 auf der Forbes-Liste der reichsten US-Familien – noch vor den Rockefellers.

Doch statt als Philanthropen standen die Sacklers zuletzt vor allem als Hauptverantwortliche der amerikanischen Opioid-Epidemie in der Kritik. Purdue soll Menschen mit dem starken Schmerzmittel Oxycontin in die Abhängigkeit gebracht haben. Im Guggenheim Museum haben Demonstranten jüngst gegen die Sponsoren protestiert: „400.000 tot, 200 Tote täglich – Schande über Sackler“ stand auf den Spruchbändern.

Rund 1.600 Klagen liegen gegen Purdue Pharma vor. Das Unternehmen soll die Gefahr der Abhängigkeit heruntergespielt und mit gefälschten Studien zur Verbreitung des Medikaments beigetragen haben. Einige Klagen, wie die des Bundesstaats Massachusetts, richten sich auch gegen Mitglieder der Familie selbst – allen voran Richard Sackler, der einst das Patent auf Oxycontin anmeldete.

Die Familie und die Manager hätten „Purdues massive und tödliche Täuschung geleitet“, klagt Generalstaatsanwältin Maura Healey aus Massachusetts an.

Der Pharma-Unternehmer steht in den USA in der Kritik. Quelle: © Purdue Pharma
Richard Sackler

Der Pharma-Unternehmer steht in den USA in der Kritik.

(Foto: © Purdue Pharma)

Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, erwägt die Familie nun, Purdue in die Insolvenz zu begleiten. Unter dem sogenannten Chapter 11 würde ein Insolvenzrichter Einigungen mit den Klägern aushandeln. Das ginge schneller und wäre wahrscheinlich günstiger für Purdue.

Zunächst verkaufte Purdue Pharma vor allem Abführmittel oder Ohrenreiniger. In den 90ern kam der Durchbruch. Unter Führung des verstorbenen Raymond Sackler und seiner Brüder Arthur und Mortimer – alle Psychiater – entwickelte Purdue das neue Schmerzmittel Oxycontin.

Um den Markt für das Medikament zu vergrößern, stieß Purdue in den 90ern die Debatte über den Umgang mit Schmerzmitteln an. Purdues Marketingexperten sorgten dafür, dass Schmerzen nicht mehr als Symptom galten, deren Ursache bekämpft werden muss, sondern dass der Schmerz selbst behandelt wurde.

Nächster Blockbuster: Medikament gegen Opioid-Sucht

Wirtschaftlich ging die Rechnung auf: 1996 setzte Purdue gerade einmal 42 Millionen mit Oxycontin um, 2010 bereits drei Milliarden Dollar. Gesellschaftlich war es ein Desaster: Die Zahl der Drogentoten hat sich laut der US-Gesundheitsbehörde NIH seit der Einführung von Oxycontin 1995 auf mehr als 70.000 versechsfacht.

Davon starben 68 Prozent an Opioiden wie „Oxy“. Bereits 2007 mussten Purdue und drei Topmanager für die aggressive Vermarktung von Oxycontin 635 Millionen Dollar Strafe zahlen. Die Familie dagegen blieb damals verschont. Das könnte sich diesmal ändern.

Indessen bereitet Richard Sackler offenbar schon das nächste Geschäft vor: Erst 2018 erhielt er ein Patent auf ein leicht verändertes Medikament, das bei dem Entzug von Opioid-Sucht helfen soll.

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