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Quartalsbilanz Continental bekommt die schwachen Automärkte zu spüren

Überall in der Welt schrumpft die Autoproduktion. Das macht sich auch in der Quartalsbilanz von Continental bemerkbar. Der Zulieferer verdient weniger.
Update: 09.05.2019 - 12:10 Uhr Kommentieren
Conti: Continental bekommt die schwachen Automärkte zu spüren Quelle: dpa
Continental

Der schwache Automarkt schlägt sich in der Bilanz von Continental nieder.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Trotz weltweit schwächerer Automobilmärkte hat sich der Continental-Konzern im ersten Quartal vergleichsweise achtbar aus der Affäre gezogen. Der Umsatz ist mit rund elf Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal konstant geblieben.

Beim Gewinn bekommt Conti allerdings zu spüren, dass sich der Wind im weltweiten Autogeschäft deutlich gedreht hat. Der bereinigte operative Ertrag ist in den ersten drei Monaten des Jahres um 17 Prozent auf 884 Millionen Euro gefallen. Die operative Rendite ging dadurch von 9,7 auf 8,1 Prozent zurück.

Auslöser ist die weltweite Autoschwäche: Im ersten Quartal hat die globale Automobilproduktion um schätzungsweise sechs Prozent nachgegeben. Der Ordereingang der Conti-Automobilsparte ist in den ersten drei Monaten von 2019 auf gut neun Milliarden Euro von rund elf Milliarden vor einem Jahr geschrumpft.

„Im ersten Quartal wurden in allen großen Absatzmärkten weltweit weniger Fahrzeuge produziert, in Summe über 1,5 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge weniger als vor einem Jahr. Einem derart rückläufigen Marktumfeld können wir uns nicht entziehen“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer am Donnerstagmorgen in Hannover.

Conti hatte auch den geplanten Börsengang seiner Antriebssparte („Vitesco Technologies“) auf den Beginn des nächsten Jahres verschoben. Bis zum Mittag lag die Continental-Aktie mit mehr als drei Prozent im Minus. Alle Autowerte waren am Donnerstag unter Druck. Für Finanzvorstand Schäfer bewegte sich das Conti-Papier im Rahmen der normalen Schwankungsbreite. Mit dem Ergebnis der Automobilsparte und beim Cashflow habe der Konzern nicht ganz die Erwartungen erfüllt.

Der Conti-Vorstand sieht sich trotzdem auf dem richtigen Weg. „Unsere erhöhte Kostendisziplin hat zu unserem soliden Ergebnis beigetragen“, betonte Vorstandschef Elmar Degenhart. Er wertete es als Erfolg, dass der Automobilzulieferer seinen Umsatz in einem vergleichsweise schwachen Umfeld gehalten hat. Dabei habe die „starke Marktposition“ des Konzerns kräftig geholfen.

Der Konzern aus Hannover verdient gut mit seinen Reifen und am wachsenden Bedarf an Sensoren für die weitverbreiteten Fahrerassistenzsystemen. Conti hatte in den zurückliegenden beiden Jahren in diesem Bereich jeweils Aufträge von durchschnittlich drei Milliarden Euro bekommen.

Der hannoversche Konzern profitiert zudem von positiven Wechselkursentwicklungen von knapp 190 Millionen Euro. „Conti hat positiv überrascht“, sagte im Vorfeld Chris McNally, Automobilanalyst bei Evercore ISI. „Grundsätzlich erachten wir den Continental-Konzern auch für Krisenzeiten als solide aufgestellt“, kommentierte Frank Schwope von der NordLB das Ergebnis. Die recht niedrige Verschuldung lasse viel Raum für Investitionen und Akquisitionen.

Die operative Rendite des ersten Quartals liegt in der Referenzspanne von acht bis neun Prozent, die sich der Konzern für das gesamte Jahr als Ziel gesetzt hat. 2018 lag die Marge mit 9,3 Prozent noch etwas oberhalb dieser Spanne. Conti nennt erstmal ein solches Intervall als Margenziel und keinen genauen Prozentwert. Der Automobilzulieferer vermeidet damit die Gefahr von Gewinnwarnungen, zu denen sich das Unternehmen im vergangenen Jahr zweimal binnen weniger Monate entschließen musste.

Conti erwartet Dynamik in der Automobilproduktion

Continental profitiert schon jetzt von dieser Entscheidung: Der Konzern hält an eben dieser Prognose für das gesamte Jahr fest. Der Automobilzulieferer glaubt an eine leichte Belebung der Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte, so Finanzvorstand Schäfer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dazu dürften vor allem Europa und China beitragen. In der zweiten Jahreshälfte von 2018 waren die Produktionszahlen in Europa wegen der massiven Probleme mit den neuen Zulassungsstandards nach WLTP-Norm deutlich eingebrochen.

Die Branche erwartet durchgängig, dass sich diese Schwierigkeiten in diesem Jahr nicht wiederholen werden. Damit dürfte die Automobilproduktion in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zu 2018 wieder etwas besser aussehen. Dieselbe Entwicklung ist in China absehbar, dem weltweiten größten Absatzmarkt. Die Regierung in Peking hat Mehrwertsteuererleichterungen beschlossen, die auch den schwachen Automarkt wieder ankurbeln sollten.

Ob die erhoffte Belebung der Automärkte eintritt, wird sich allerdings erst in einigen Monaten zeigen. „Der September ist der entscheidende Monat“, sagte Finanzvorstand Schäfer. Von den vorangehenden Ferienmonaten Juli und August seien keine aussagekräftigen Zahlen zu erwarten. Aktuell sei keine Aussage über die tatsächliche Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte möglich. Mit den tatsächlichen Abrufmengen seiner Kunden könne Continental nur zwei bis drei Monate nach vorne sehen.

Die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte werde auch sehr stark von politischen Faktoren beeinflusst, so Schäfer weiter. Eine Einigung im chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt würde die gesamtwirtschaftliche Stimmung positiv beeinflussen und könnte damit auch den Automarkt beleben. Solche positiven Stimmungsfaktoren würden Continental auch beim für Anfang kommenden Jahres geplanten Börsengang der Antriebstochter Vitesco helfen.

Trotz der Gewinnschwäche des Vorjahres gilt Continental unverändert als vergleichsweise solider Konzern mit einem niedrigen Verschuldungsgrad. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer hatte die Gearing-Rate – das Verhältnis von Netto-Finanzschulden zu Eigenkapital – zuletzt unter die Marke von zehn Prozent gedrückt.

Mit der Gearing-Ratio geht es nun im ersten Quartal wieder in die andere Richtung: Sie steigt deutlich von 9,1 Prozent auf 22,6 Prozent. Conti macht dafür allerdings nicht das operative Geschäft oder eventuelle Zukäufe verantwortlich. Maßgeblich seien vielmehr neue Bilanzierungsvorschriften, wonach jetzt Leasingverbindlichkeiten verstärkt in der Bilanz abgebildet werden müssten. Für Zukäufe steht Continental ein Betrag von mehr als fünf Milliarden Euro zu Verfügung.

Auch beim Free-Cashflow sieht es für Continental nicht mehr ganz so gut aus: Der Konzern verbucht dafür in den ersten drei Monaten einen Betrag von minus 579 Millionen Euro (erstes Quartal 2018: plus 186 Millionen). Conti verspricht, dass sich auch beim Cashflow im Verlauf des Jahres eine deutliche Verbesserung ergeben werde. Gründe für den aktuellen Rückgang im ersten Quartal seien außer dem stagnierenden Umsatz und dem schwächeren Ergebnis zusätzliche Investitionen in neue Kapazitäten sowie neue Technologien.

Für das gesamte Jahr bekräftigt der Dax-Konzern die Prognose, dass der Mittelzufluss bei einem Betrag zwischen 1,4 Milliarden und 1,6 Milliarden Euro liegen werde. Dieser Annahme liege die „gewohnte Saisonalität des Free Cashflows“ zugrunde. Der Mittelzufluss erreiche zum Jahresende üblicherweise sein höchstes Niveau. Gründe dafür seien vor allem Zahlungseingänge aus dem Winterreifengeschäft sowie Erstattungen für Entwicklungsleistungen von den Automobilherstellern.

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