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Quartalsbilanz in Wolfsburg Volkswagen ist gut durch den Herbst gekommen – bislang

VW hat die Folgen der Corona-Pandemie fast ausgeglichen. Doch die Unsicherheit für den Autokonzern nimmt durch die Entwicklung in Europa wieder zu.
29.10.2020 Update: 29.10.2020 - 15:36 Uhr Kommentieren
Noch spielt das Elektroangebot eine ziemlich untergeordnete Rolle in der Konzernbilanz von Volkswagen. Das wird sich allerdings schnell ändern. Quelle: Bloomberg
Mit dem ID.3 hat bei VW das Elektrozeitalter begonnen

Noch spielt das Elektroangebot eine ziemlich untergeordnete Rolle in der Konzernbilanz von Volkswagen. Das wird sich allerdings schnell ändern.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Ein deutlich verbessertes drittes Quartal hat den Volkswagen-Konzern nach neun Monaten wieder zurück in die Gewinnzone gebracht. Für die Zeit von Januar bis einschließlich September lag das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen wie etwa aus der Dieselaffäre bei 2,4 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 14,8 Milliarden). Das Ergebnis vor Steuern betrug 2,3 Milliarden Euro (14,6 Milliarden). Zum ersten Halbjahr hatte der Konzern noch einen Verlust von gut einer Milliarde Euro verbucht.

„Die deutliche Erholungstendenz im dritten Quartal zeigt, wie robust unser Unternehmen aufgestellt ist“, kommentierte VW-Finanzvorstand Frank Witter das Ergebnis. Trotz der Corona-Pandemie sei es Volkswagen gelungen, die Elektrooffensive fortzusetzen und wichtige neue E-Modelle wie den ID.3 auf den Markt zu bringen. Volkswagen geht es auch besser als etlichen Wettbewerbern: Der Konzern hat seinen Weltmarktanteil bei Pkws um 0,4 Prozentpunkte auf 13 Prozent steigern können.

Trotz der zuletzt starken Zunahme der Corona-Infektionszahlen auf dem wichtigen europäischen Markt bleibe der VW-Konzern „vorsichtig optimistisch“ für den Rest des Jahres, so der Finanzvorstand. Im Schlussquartal 2020 sollte es Volkswagen gelingen, „die Stabilisierung unseres Geschäfts fortsetzen zu können und den Konzern nachhaltig zukunftsfest aufzustellen“.

Mit konkreten Aussagen für den Verlauf des gesamten Jahres 2020 gibt sich Volkswagen unverändert bedeckt. Der Wolfsburger Autokonzern spricht lediglich davon, dass in diesem Jahr ein positives operatives Ergebnis (vor und nach Sondereinflüssen) erreicht werde. Umsatz- und Absatzzahlen würden deutlich unter den Werten von 2019 liegen.

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    Auch mit einem guten dritten Quartal hat es der VW-Konzern nicht geschafft, die Corona-bedingte Frühjahrslücke mit mehrwöchigem Produktionsstopp und nahezu eingestelltem Verkauf ausgleichen zu können. Nach neun Monaten hat Volkswagen weltweit 6,5 Millionen Fahrzeuge abgesetzt gegenüber acht Millionen im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 18,7 Prozent.

    Entsprechend deutlich ist auch der Umsatz zurückgegangen, nämlich von 187 auf 156 Milliarden Euro. Der operative Gewinn im dritten Quartal von 3,2 Milliarden Euro deckt sich im Wesentlichen mit den Erwartungen der meisten Analysten. Volkswagen profitierte vor allem von der starken Erholung in China, wo der Wolfsburger Konzern Marktführer ist.

    Keine großen Belastungen mehr aus der Dieselaffäre

    Im Schlussquartal wird es Volkswagen genauso wenig gelingen, die Rückstände aus dem Frühjahr aufzuholen. Wegen der bevorstehenden Feiertage zum Jahresende beruhigt sich das Autogeschäft noch einmal deutlich. Weitere Belebungstendenzen sind deshalb nicht zu erwarten. Außerdem sorgen die steigenden Infektionszahlen der Corona-Pandemie für neue Unsicherheiten. „Das ist eine offene Flanke“, sagt Arndt Ellinghorst, Automobilanalyst beim US-Investmenthaus Bernstein.

    Liquiditätssorgen muss sich Volkswagen trotz der starken Einbußen bei Umsatz und Absatz nicht machen. Dem Wolfsburger Autokonzern ist die Stabilisierung von Netto-Liquidität und Cashflow weitestgehend gelungen. Dazu haben vor allem zurückgenommene Investitionen und ein starker Abbau der Lagerhaltung beigetragen. VW hatte zur Jahresmitte außerdem eine Hybridanleihe begeben, die rund drei Milliarden Euro in die Kassen brachte.

    Nach neun Monaten liegt der Netto-Cashflow im Automobilbereich bei 1,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,6 Milliarden) und hat damit wieder einen positiven Wert erreicht. Wegen der starken Verkaufseinbrüche im Frühjahr hatte die Cash-Position zum Halbjahr noch deutlich düsterer ausgesehen. Nach sechs Monaten stand beim Netto-Cashflow ein Minus von 4,8 Milliarden Euro in den Büchern.

    Auch bei der Netto-Liquidität hat sich der Volkswagen-Konzern in den zurückliegenden Wochen nach den starken Einbrüchen vom Frühjahr noch einmal deutlich erholen können. Nach neun Monaten kommt VW jetzt auf einen Betrag von 24,8 Milliarden Euro, bis Ende Juni waren es noch 18,7 Milliarden.

    Bis zum Jahresende sind bei Volkswagen weitere Cash-Abflüsse in größerem Umfang zu erwarten. Dazu zählt etwa die Ausschüttung der Dividende, die mit etwa 2,4 Milliarden Euro zu Buche schlägt. Nicht mehr in diesem Jahr wird die geplante Übernahme des US-Lkw-Herstellers Navistar wirksam, für die die Volkswagen-Tochter Traton gut drei Milliarden Euro aufbringen will. VW-Finanzvorstand Frank Witter sprach davon, dass mit einem Abschluss im zweiten Halbjahr 2021 gerechnet werde. Aus der Dieselaffäre muss Volkswagen keine besonders großen Belastungen mehr erwarten. Rund eine Milliarde Euro dürfte in diesem Jahr dafür fällig werden.

    Gewinn für Audi, Porsche und Skoda

    Volkswagen kalkuliert damit, dass die Netto-Liquidität zum Jahresschluss den Wert von 2019 erreichen wird, also rund 21,3 Milliarden Euro. Der Netto-Cashflow werde wegen der Einbußen aus dem Frühjahr und der noch in diesem Jahr zu erwartenden Abflüsse „deutlich unter dem Vorjahreswert liegen“, so Volkswagen. 2019 waren es 10,8 Milliarden Euro.

    Bei den einzelnen Marken des Konzerns hat die Ingolstädter Premiumtochter Audi im dritten Quartal die wichtigste Veränderung geschafft. Nach sechs Monaten hatte das Ingolstädter Unternehmen noch rote Zahlen geschrieben. Jetzt hat Audi immerhin einen kleinen operativen Gewinn von 200 Millionen Euro schreiben können (Vorjahreszeitraum: 3,2 Milliarden).

    Audi gehört damit nach Porsche, Skoda und Scania zu den Fahrzeugmarken aus dem VW-Konzern, die trotz der Corona-Pandemie schwarze Zahlen geschafft haben. Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche entwickelt sich auch nach neun Monaten zur wichtigsten Konzernmarke aus Ertragssicht. Ein operativer Gewinn von 1,9 Milliarden Euro steht für eine Rendite von 10,8 Prozent. Zumindest bei den Absatzzahlen könnte Porsche bis zum Jahresschluss immerhin noch das Vorjahresergebnis erreichen.

    Die tschechische Konzerntochter Skoda kommt nach neun Monaten auf ein operatives Ergebnis von 469 Millionen Euro, die Rendite liegt bei knapp vier Prozent. Die schwedische Lkw-Tochter Scania erreicht einen operativen Ertrag von 419 Millionen Euro und eine Rendite von 5,2 Prozent.

    Verluste schreibt unverändert die Marke Volkswagen Pkw, nach neun Monaten beträgt das Minus eine Milliarde Euro im operativen Geschäft. Rot sind die Zahlen auch bei der VW-Transportertochter: Das operative Minus macht 362 Millionen Euro aus. Volkswagen Nutzfahrzeuge wird in diesem Jahr die neuen EU-Emissionsvorgaben nicht einhalten und muss entsprechend Bußgelder nach Brüssel überweisen.

    Die Vorzugsaktie von Volkswagen notierte im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz 2,7 Prozent fester. Bis zum Nachmittagshandel konnte das VW-Papier diese Steigerung halten und gehörte damit zu den besten Titeln im wichtigsten deutschen Aktienindex Dax.

    Mehr: VW-Chef Diess: Corona hat Konzernumbau „nicht gebremst, sondern beschleunigt“.

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