Siemens-Rivale in der Krise

Die Verluste von General Electric sind im abgelaufenen Quartal weiter gewachsen.

(Foto: AP)

Quartalsergebnis des Siemens-Rivalen General Electric macht zehn Milliarden Dollar Verlust

Es ist ein Desaster mit Ansage: General Electric hat im abgelaufenen Quartal einen zweistelligen Milliardenverlust eingefahren. Nicht nur Trumps Steuerreform kommt den Konzern teuer zu stehen.
Update: 24.01.2018 - 15:22 Uhr 3 Kommentare

MünchenAltlasten aus dem Versicherungsgeschäft und die Steuerreform haben den US-Industrieriesen General Electric (GE) tief in die roten Zahlen gerissen. Allein im vierten Quartal summierte sich der Verlust nach Anteilen Dritter auf zehn Milliarden Dollar, im Gesamtjahr stand ein Minus von 5,9 Milliarden zu Buche, wie der Siemens-Rivale am Mittwoch berichtete. Ein Jahr zuvor schrieb GE noch 9,1 Milliarden Gewinn. Aber auch operativ lief es enttäuschend. Die Kraftwerkssparte - die größte von GE - musste empfindliche Einbrüche bei Umsatz und Aufträgen verkraften. Insgesamt ging der Umsatz im Quartal um fünf Prozent auf 31,4 Milliarden Dollar zurück. Das operative Ergebnis lag am unteren Rand der Erwartungen, die Gewinnmarge brach auf 11,2 von 16,8 Prozent ein.

Der Markt für Kraftwerke habe sich schwächer entwickelt als erwartet, räumte GE-Chef John Flannery ein. „Und wir erwarten, dass die Herausforderungen weitergehen.“ Im Gesamtjahr kamen 13 Prozent weniger Aufträge herein als 2016, im vierten Quartal brachen die Orders sogar um ein Viertel ein. Auch Kostensenkungen konnten einen Gewinnrückgang in der Sparte um 88 Prozent nicht verhindern. Sie steht für rund ein Drittel des GE-Umsatzes von 122 Milliarden Dollar. Die Kraftwerks-Sparte hatte im Herbst Kürzungspläne vorgestellt. 15 Werke werden eingedampft, die Mitarbeiterzahl soll um elf Prozent sinken. Die Kosten seien um 800 Millionen Dollar gesenkt worden. Das ist fast die Hälfte der gesamten Einsparungen im Konzern.

Auch Siemens reagiert auf die Folgen der Energiewende und hat den Abbau von mehr als 6000 Stellen in der Kraftwerkssparte beschlossen. Der Weltmarkt für große Gas- und Dampfturbinen, in dem sich Siemens wie GE tummeln, werde auf Dauer schrumpfen.

Das zweite Sorgenkind von GE ist die Verkehrstechnik, in der der Umsatz im Quartal um ein Fünftel, der operative Gewinn sogar um 40 Prozent einbrach. Vor allem weniger Lokomotiven seien 2017 ausgeliefert worden, begründete der Konzern das Minus. Insgesamt ging der Gewinn der Industriesparten um ein Drittel zurück.

Lichtblicke sieht GE-Chef Flannery im Luftfahrt- und im Medizintechnik-Geschäft: Die Sparten könnten 2018 „liefern“. Die Anleger trösteten sich am Mittwoch mit einer Gewinnprognose, die die meisten von ihnen positiv überraschte. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll zwischen 1,00 und 1,07 Dollar liegen. Die Analystenprognosen lagen bisher im Schnitt bei 1,00 Dollar. Die Aktie, die am Montag erstmals seit 2011 unter die Marke von 16 Dollar gefallen war, legte vorbörslich um zwei Prozent zu.

Die Belastungen aus alten Lebens- und Krankenversicherungen, vor denen GE schon vor einer Woche gewarnt hatte, summierten sich auf 6,2 Milliarden Dollar. Zwar hatte GE den Verkauf von Krankenversicherungs-Policen der North American Life & Health schon vor mehr als einem Jahrzehnt eingestellt. Wegen der steigenden Pflegekosten muss GE Capital nun aber über sieben Jahre rund 15 Milliarden Dollar zusätzlich in die Sparte pumpen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Dazu kommen 1,8 Milliarden an Firmenwert-Abschreibungen in der Finanzsparte GE Capital. Die Steuerreform kostet den Konzern unter dem Strich 3,5 Milliarden.

Eine Aufspaltung des Konglomerats steht offenbar nicht zur Debatte. Flannery sei wohl missverstanden worden, sagte der Chef der Flugzeugfinanzierungs-Sparte GECAS, Alec Burger, in Dublin. Es gehe eher um Umstrukturierungen. Flannery hatte kürzlich von Möglichkeiten für einen weiteren Umbau gesprochen, „getrennt börsennotierte Sparten“ inklusive. „Ich glaube, auch seine Auffassung ist, dass es weiter eine General Electric gibt“, sagte Burger.

  • rtr
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3 Kommentare zu "Quartalsergebnis des Siemens-Rivalen: General Electric macht zehn Milliarden Dollar Verlust"

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  • Klingt nach Lehman Brothers 2.0.

  • GE hat wenig GOlfplätze, dafür umso mehr Geschäft (sowohl Einkauf als auch Vertrieb im (horribile dictu) AUSLAND! Warum kümmern sich die nicht mit jeder Faser um Amerikaner, und zwas US-Amerikner? Also sagt Trump: "Selber schuld, ihr werdet gehängt wegen unamerikanischer Umtriebe!"

    Wenn Sie das nicht sehen, haben Sie den Knall bei Trumps Wahl nicht gehört.
    Da kommen noch ganz andere Späße auf uns zu!

  • Hallo,

    kann jemand evtl. erklären warum sich die Steuerreform auf GE negative Auswirkungen hat?
    Dachte Trump hätte die Steuern für Unternehmen gesenkt? Da müsste demnach doch gut sein für GE?!

    Vielen Dank.

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