Quartalszahlen Starker Euro bremst Merck aus – Pharmakonzern sieht sich auf Kurs

Der Pharmakonzern Merck erwartet ein schwieriges Gesamtjahr. Auch die Zahlen im abgelaufenen Quartal werden durch Wechselkurse belastet.
Update: 09.08.2018 - 11:26 Uhr Kommentieren
Pharmaindustrie: Starker Euro bremst Merck aus Quelle: Reuters
Merck im Rückwärtsgang

Der Pharmariese leidet unter den globalen Währungsturbulenzen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Darmstädter Merck-Konzern verbuchte im zweiten Quartal zwar einen relativ kräftigen Ergebnisrückgang. Dessen ungeachtet sieht Management den Konzern trotzdem auf Kurs. „Wir sagten bereits, dass das Jahr 2018 herausfordernd wird. Das hat sich im zweiten Quartal bestätigt. Dennoch war es ein solides Quartal, in dem wir organisch um fünf Prozent gewachsen sind“, erklärte Merck-Chef Stefan Oschmann in einer Telefon-Konferenz.

Oschmann bekräftigte zugleich die Aussage, dass 2018 für Merck ein „Übergangsjahr“ sein werde, in dem man in zukünftiges Wachstum investiere. „Ab 2019 sollten wir wieder in allen wichtigen Kennzahlen zulegen.“ 

Merck verbuchte im zweiten Quartal einen leicht erhöhten Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank dagegen um 35 Prozent auf 328 Millionen Euro und der Nettogewinn um gut 40 Prozent auf 251 Millionen Euro.

Die Zahlen wurden allerdings durch deutlich negative Währungseinflüsse wie den starken Euro und diverse Sondereffekte beeinflusst, darunter Erträge aus Meilensteinzahlungen und eine Wertaufholung bei Produktionsanlagen, die im ersten Halbjahr 2017 verbucht wurden und sich in diesem Jahr nicht wiederholten.

Das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) sank nach Aussage von Merck um knapp 14 Prozent auf 920 Millionen Euro. Darin enthalten sind nach Aussage des Unternehmens negative Währungseffekte von elf Prozentpunkten, so dass sich der organische Rückgang des bereinigten Ebitda auf 2,7 Prozent beschränkte.

Die Börse zeigte sich dennoch leicht enttäuscht von den Zahlen und reagierte am Vormittag mit einem Kursverlust von drei Prozent. Dabei dürfte eine Rolle spielen, dass der Umsatz des Konzerns zwar leicht über den Erwartungen lag, das bereinigte Ebitda dagegen hatte die Analystenschätzungen um etwa drei Prozent verfehlt. 

Vor allem die Abwertung des argentinischen Peso sorgte nach Aussage von Finanzchef Marcus Kuhnert für einen besonders starken Währungseffekt im zweiten Quartal. Für das Gesamtjahr geht Merck davon aus, dass die Aufwertung des Euros das bereinigte Ebitda mit fünf bis sieben Prozent belasten wird. Organisch rechnet man weiter mit einem Minus von einem bis drei Prozent.

Insgesamt geht der Konzern damit von einem Ebitda von 3,75 bis vier Milliarden Euro aus, gegenüber 4,25 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Zahlen für das an Procter & Gamble verkaufte Geschäft mit rezeptfreien Arzneien (Consumer Health) sind dabei bereits ausgeklammert.

Die Transaktion wird voraussichtlich im vierten Quartal vollzogen. Der operative Cashflow, der im ersten Halbjahr relativ kräftig, von 1,3 Milliarden Euro auf knapp 750 Millionen Euro schrumpfte, dürfte auch im Gesamtjahr deutlich rückläufig sein, wie Kuhnert andeutete.

Die neuen Hoffnungsträger der Merck-Pharmasparte, das Krebsmittel Bavencio und das Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad verbuchten im zweiten Quartal Erlöse von zusammen 37 Millionen Euro. Sie legten damit gegenüber dem Vorquartal um rund 50 Prozent zu und gehörten zu den Wachstumstreibern der Pharmasparte, deren Erlöse bei 1,6 Milliarden Euro stagnierten, die organisch aber insgesamt um knapp fünf Prozent zulegte.

Ob sich das Tempo bei den beiden Neuentwicklungen so fortsetzt, ließ Firmenchef Oschmann offen. Bei Bavencio werde das vor allem von den Ergebnissen der zahlreichen noch laufenden klinischen Studien abhängen. Bei Mavenclad werde es vor allem auf die weiteren Verhandlungen mit den Kostenträgern ankommen.

Einen deutlichen Schub könnte nach Einschätzung von Analysten das Geschäft mit Mavenclad erhalten, wenn das MS-Medikament eine Zulassung erhalten würde. Ein entsprechender Zulassungsantrag wurde im zweiten Quartal in den USA eingereicht und inzwischen auch von der US-Arzneimittelbehörde akzeptiert.   Eine Entscheidung erwarte man für das 1. Halbjahr 2019, sagte Oschmann.

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