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RAG-Chef Müller Glück ab!

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Um genau zu sein: Das Ausstiegsszenario entstammt einer Idee der Unternehmensberatung Boston Consulting. Kaum hatte Müller im Juni 2003 den Chefposten in Essen übernommen, ließ der ehemalige Bundeswirtschaftsminister mehrere Berater antreten. Die sollten Konzepte entwerfen, wie man das „etwas barocke Unternehmen RAG“, so Müller in seiner gewohnt ironischen Art, auf Vordermann bringen könnte. Denn eines ist klar: Bergbau, Fördertechnik, Spezialchemie Kraftwerke und ein riesiger Wohnungsbestand im Ruhrgebiet passen nicht zusammen. Zumal der so genannte weiße Bereich Geld verdient, die Kohle als schwarzer Bereich dagegen mit Subventionen in Milliardenhöhe über Wasser gehalten werden muss.

Müller entwickelt aus dem Grobkonzept einen komplizierten, aber tragfähigen Plan für den Ausstieg aus der Steinkohle: Das Vermögen der RAG wird an eine Stiftung übertragen. In einem zweiten Schritt wird der bisherige Haftungsverbund zwischen dem schwarzen Bereich Steinkohle und dem weißen, kohlefernen Bereich aufgelöst. Der profitable Industriekonzern mit den Sparten Spezialchemie (Degussa), Strom (Steag) und Immobilien soll als eine Einheit an die Börse kommen.

Noch firmiert diese künftige Börsenfirma unter „Newco“. Den neuen Namen hat Müller aber schon fest im Tresor verschlossen. Bis es so weit ist, laufen die Kicker von Borussia Dortmund mit einem Ausrufezeichen auf der Brust über den Rasen. Die RAG ist Hauptsponsor des Traditionsclubs aus dem Ruhrgebiet.

Der Erlös aus dem Börsengang von voraussichtlich mehr als fünf Milliarden Euro soll an die Stiftung fließen. Diese soll das Geld sicher und rentabel anlegen, damit sich das Stiftungsvermögen im Laufe eines Jahrzehnts auf 8,5 Milliarden Euro vermehrt. Die Summe ist nötig, um ab dem Jahr 2018 die Ewigkeitskosten des Bergbaus zu finanzieren. Dahinter verbergen sich beispielsweise Kosten für das Abpumpen des Grundwassers in längst geschlossenen Kohleschächten, weil sonst das ganze Ruhrgebiet in einem riesigen See versinken würde.

Müller scheint sich durchzusetzen. Die Aktionäre der RAG, die Ruhrkonzerne Eon, RWE und Thyssen-Krupp sowie der luxemburgische Stahlriese Arcelor Mittal spielen mit – nach anfänglichem Zögern. Sie erklären sich bereit, ihre Anteile zum symbolischen Preis von einem Euro abzugeben, wenn sie im Gegenzug von den Haftungsrisiken des Bergbaus freigestellt werden.

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