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RAG-Chef Müller Glück ab!

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Dabei hatte Müller bereits seit Freitagmorgen Gewissheit – nach dem Machtwort der Kanzlerin, die ihn als Chef des neuen RAG-Konzerns demonstrativ unterstützt. Diesem Vorschlag muss allerdings der Aufsichtsrat des Unternehmens noch zustimmen. Denn nur die RAG-Aktionäre entscheiden, wer Vorstandsvorsitzender ist – und bleibt. Müllers Vertrag endet Ende Mai 2008 und damit etwa zur selben Zeit, in der er mit der RAG an die Börse gehen will.

Seine äußerliche Gelassenheit darf nicht darüber hinwegtäuschen: Die Attacken der vergangenen Monate sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Nach den gezielten Indiskretionen, Falschmeldungen und Gerüchten dürfte sich der gewiefte Taktiker Müller ein ums andere Mal gefragt haben: „Wozu eigentlich muss ich mir das überhaupt noch antun?“ Da konnte er sich nur mit seinem Motto retten: „Das Leben geht weiter.“

Dafür, dass es für ihn weitergeht, sorgte gestern auch der Aufsichtsrat der RAG, der um 17 Uhr zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentrat. Dabei musste Müller seinen Aufsehern Rede und Antwort stehen wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Aktiengesetz. Für Müller stand viel auf dem Spiel: Der Vorwurf der Pflichtverletzung, erhoben vom Großaktionär RWE, war ein schweres Geschütz und hätte ihn auch aus dem Amt hebeln können. RWE behauptete, der Vorstandschef habe den RAG-Anteilseigner Arcelor Mittal materielle Vergünstigungen im Zusammenhang mit dem möglichen Verkauf des Versorgers Saar Ferngas eingeräumt.

Der Aufsichtsrat schlug sich aber auf Müllers Seite und genehmigte die von ihm mit Arcelor getroffenen Sondervereinbarungen im Nachhinein. Das Gremium konnte sich dabei aber den öffentlichen Hinweis nicht verkneifen, dass ihm die Vereinbarung zur Zustimmung hätte vorgelegt werden müssen.

Schon Anfang nächster Woche soll auf einem Kohlegipfel in Berlin endgültig die Entscheidung fallen, wer an die Spitze der Kohlestiftung aufrückt. Und am nächsten Mittwoch schließlich steht Müllers Vertragsverlängerung als RAG-Chef an. Dann kann er sich wenigstens für kurze Zeit gelassen zurücklehnen und Urlaub machen. Der Anblick des mächtigen Gipfeldreigestirns von Eiger, Mönch und Jungfrau fasziniert ihn immer noch.

Hierhin, in seine bevorzugte Urlaubsregion in den Schweizer Alpen, hatte sich Müller auch über Pfingsten zurückgezogen, um nachzudenken – über seine Anfeindungen und seine persönliche Zukunft. Dann erreichte ihn der Anruf der Kanzlerin zum Kaffeeklatsch – und nahm ihm die Entscheidung ab.

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