Raketen-Kooperation Airbus und Safran wollen gemeinsam den Weltraum erobern

SpaceX hat mit Kampfpreisen den Markt für kommerzielle Weltraumflüge aufgewirbelt. In Europa wollen Airbus und das französische Unternehmen Safran dagegenhalten. Sie planen eine Kooperation beim Bau von Trägerraketen.
Update: 16.06.2014 - 16:23 Uhr Kommentieren
Die undatierte Aufnahme zeigt ein Modell des geplanten Weltraumflugzeugs von Airbus. Gemeinsam mit dem französischen Konzern Safran will Airbus künftig kommerzielle Weltraumflüge anbieten. Quelle: dpa

Die undatierte Aufnahme zeigt ein Modell des geplanten Weltraumflugzeugs von Airbus. Gemeinsam mit dem französischen Konzern Safran will Airbus künftig kommerzielle Weltraumflüge anbieten.

(Foto: dpa)

ParisIm Wettstreit mit der aufstrebenden Raketenbau-Konkurrenz aus den USA legen die Airbus Group und der französische Triebwerkshersteller Safran ihre Kräfte zusammen. Die Unternehmen hinter der europäischen Ariane-Rakete wollen bis zum Jahresende ein Joint Venture gründen, an dem beide Partner je 50 Prozent der Anteile halten.

„Um auch künftig im Wettbewerb mithalten zu können, brauchen wir wesentlich effizientere industrielle Strukturen“, kommentierte Airbus-Chef Tom Enders am Montag. Es gehe darum, die Konkurrenzfähigkeit des europäischen Trägerraketen-Geschäfts langfristig zu sichern.

Auswirkungen auf die Arbeitsplätze am großen deutschen Airbus-Raumfahrtstandort Bremen wird das Projekt nach Unternehmensangaben vorerst nicht haben. „Eine Verlagerung der Produktionsstätten ist nicht geplant“, sagte ein Sprecher.

Mit Spannung wird nun vor allem erwartet, welche Raketen das neue Unternehmen bauen wird. Schwerpunkte der industriellen Partnerschaft sollen die neue Ariane 5 ME und die neue Ariane 6 werden. Um sie gibt es bislang aber politischen Streit zwischen Deutschland und Frankreich.

Die Problem-Projekte der Rüstungsindustrie
EADS präsentiert den Militärtransporter A400M
1 von 12

Airbus A400M

Es sollte das Vorzeigeprojekt von Airbus (früher EADS) werden: Mit dem Transportflugzeug A400M wollten die Europäer den Russen und Amerikanern zeigen, zu welchen technischen Fähigkeiten sie in der Lage sind. Herausgekommen ist ein Desaster. Die Auslieferung der ersten Maschinen war für 2009 geplant, geliefert wurde allerdings bisher kaum eine Maschine. Die Franzosen haben derzeit zwei Maschinen in ihrem Besitz, Deutschland soll 2014 den ersten A400M erhalten.

Quellen: Bund der Steuerzahler, Handelsblatt Research Institute (HRI), Bundesverteidigungsministerium

huGO-BildID: 32214829 FILE - This Thursday, June 20, 2013, file photo shows an Airbus A400M performing its demonstration flight during the 50th Paris
2 von 12

Die Verzögerungen in der Produktion haben auch die Kosten in die Höhe getrieben. So sollen die Mehrkosten laut Verteidigungsministerium satte 9,3 Milliarden Euro betragen – obwohl die Bundesregierung bereits die Notbremse gezogen hat und Flieger abgestellt hat: Von den ursprünglich bestellten 73 Maschinen sollen der Bundeswehr nun nur noch 40 zur Verfügung gestellt werden. Weitere 13 will Deutschland direkt weiterverkaufen. Käufer wurden bisher allerdings noch nicht gefunden.

huGO-BildID: 25102461 (FILES) A file picture taken on February 9, 2011 shows a French Dassault Rafale multirole combat aircraft performing during the
3 von 12

Eurofighter

Die Anfänge des Kampffliegers „Eurofighter“ gehen bis in die frühen 80er-Jahre zurück. Mit ihm wollten die Europäer den übermächtigen sowjetischen Kampfjets etwas entgegensetzen. Doch auf dem Weg der Entwicklung kam Airbus die Geschichte in die Quere. Denn Ende der 80er-Jahre fiel zunächst die Berliner Mauer, später brach die Sowjetunion zusammen. Doch alles kein Problem: Mit großem Verhandlungsgeschick gelang es Airbus die Regierungen in Europa davon zu überzeugen, an dem Projekt festzuhalten.

Eurofighter Typhoon
4 von 12

So sicherte der Rüstungskonzern zu, dass der Eurofighter im Laufe der Jahre immer weiter modifiziert werde und so den neuen Rahmenbedingen angepasst werde. Allerdings zeigten die ersten ausgelieferten Jets etliche technische Probleme, deren Behebung weitere Kosten verursachten. Ursprünglich sollte eine Maschine circa 33 Millionen Euro (Preis von 1998) kosten, am Ende schoss der Preis auf 138,5 Millionen Euro in die Höhe. Die Bundeswehr nimmt daher nur noch 140 von ursprünglich geplanten 250 ab.
Doch es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Eurofighter trotz aller Probleme ein durchaus konkurrenzfähiges Flugzeug ist. Dies zeigte sich 2005 in einem „Schaukampf“, bei dem zwei amerikanische F-15-Kampfjets gegen eine Eurofighter-Trainingsmaschine antraten und zu Überraschung aller Beteiligten der Eurofighter dieses Gefecht klar für sich entscheiden konnte.

Hubschrauber NH 90
5 von 12

NH 90

Der Mehrzweckhubschrauber von NH Industries sollte das Rückgrat der deutschen beziehungsweise europäischen Hubschrauberflotte werden. 2010 erhielt die Bundeswehr die ersten Helikopter, die von einer Expertengruppe eingehend getestet wurden. Ihr Urteil war vernichtend. Sie kamen zu dem Schluss, dass, wann immer es möglich sei, alternative Luftfahrzeuge zum Transport von Infanteriekräften zu nutzen seien. Die Mängelliste ist lang und skurril. Zum Beispiel ermöglicht die geringe Bodenfreiheit Soldaten nur auf befestigtem Boden den Ausstieg. Außerdem ist die Heckrampe nicht für den Ausstieg ausgerüsteter Soldaten geeignet, da deren Konstruktion zu schwach ist. Doch das noch lange nicht alles...

Hubschrauber NH 90
6 von 12

Der Innenraum des NH90 ist derart eng bemessen, dass eine Infanteriegruppe mit Gepäck für 24 Stunden nur dann in den Hubschrauber passen würden, wenn sie ihre Waffen und das Gepäck ohne Sicherungen auf den Boden legen. Diese Beengtheit macht eine Anbringung eines Bordgeschützes außerdem praktisch unmöglich, weshalb der Helikopter im Ernstfall mit anderen Mitteln verteidigt werden müsse. Zu guter Letzt können schwere Waffen aufgrund fehlender Gurte nicht transportiert werden. Ursprünglich waren 122 NH 90 geordert worden, letztlich werden es Stand jetzt circa 100 werden. Kostenpunkt: 8,6 Milliarden Euro. Immerhin gibt es zu diesem Preis weitere Kampfhubschrauber im Paket...

THE FIRST SERIAL PRODUCED FRANCO GERMAN COMBAT HELICOPTER TIGER TAKES OFF IN DONAUWOERTH
7 von 12

Tiger

Und zwar 57 Kampfhubschrauber Tiger. Die Pläne für die Eurocopter-Maschine reichen bis in das Jahr 1984 zurück. Zusammen mit der französischen Regierung gab die Bundesregierung eine Alternative zum PAH-1 in Auftrag. Dieser ging an Eurocopter (Airbus) mit dem Entwurf des Tigers. Dieser Mehrzweck-Kampfhubschrauber sollte in Konkurrenz zum amerikanischen Apache treten.

Deutsche Raumfahrtvertreter hatten die aktuellen Pläne für die Ariane-6-Rakete jüngst infrage gestellt und angekündigt, sie stärker als Konkurrenzangebot zur russischen Sojus konzipieren zu wollen. Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, hält das vorliegende Konzept der Europäischen Raumfahrtagentur Esa mit rund vier Milliarden Euro für zu teuer und vermutlich nicht zustimmungsfähig.

Die Bundesregierung unterstützt vor allem die Weiterentwicklung der Ariane 5 zur Ariane 5 ME. Letztere ist in der Entwicklung bereits wesentlich weiter als die Ariane 6 und soll von spätestens 2018 an bis zu zwölf Tonnen Nutzlast in geostationäre Transferbahnen transportieren können. Frankreich sieht hingegen in der Ariane 6 eine dringend notwendige Antwort auf die neue Konkurrenz durch Raketen wie die Falcon 9 des US-Unternehmens SpaceX.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Agiler werden, die Konkurrenz überholen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Raketen-Kooperation - Airbus und Safran wollen gemeinsam den Weltraum erobern

0 Kommentare zu "Raketen-Kooperation: Airbus und Safran wollen gemeinsam den Weltraum erobern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%