Raketentriebwerke USA und Russland schließen Raketendeal trotz Sanktionen

Trotz der US-Sanktionen gegen Russland machen beide Länder noch Geschäfte miteinander. Jüngstes Beispiel dafür ist ein brisanter Raketendeal.
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Bei Raketenstarts sind die USA auf russische Technologie angewiesen. Quelle: Reuters
Russische Sojus-Rakete

Bei Raketenstarts sind die USA auf russische Technologie angewiesen.

(Foto: Reuters)

MoskauWährend das Weiße Haus bei den Russland-Sanktionen großen Druck auf Europa ausübt, zeigen sich die USA bei eigenen Deals weniger kontaktscheu. Das zeigt ein brisanter Raketendeal: Der US-Rüstungs- und Raumfahrtkonzern Orbital ATK kauft vier Raketentriebwerke von der russischen Staatsholding Energomasch. Die Triebwerke vom Typ RD-181 sind die Exportvariante des für den Start von Sojus-Weltraumraketen genutzten Flüssigkeitsantriebs. Energomasch soll bis 2021 liefern.

Über die Summe des Geschäfts vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Allerdings hat Energomasch schon Triebwerke geliefert, die als erste Zündstufe bei den Antares-Trägerraketen dienen. Mit diesen versorgen die USA die Internationale Raumstation (ISS). Der erste Vertrag, den beide Seiten abgeschlossen haben, ging über 20 Raketen und war eine Milliarde Dollar schwer, dementsprechend dürfte der Folgeauftrag mindestens 200 Millionen Dollar kosten.

Prinzipiell ist das ISS-Programm zivil. Trotzdem übte der US-Kongress angesichts der gegen Russland erhobenen Sanktionen und der sich in den vergangenen Jahren stetig verschlechternden bilateralen Beziehungen immer wieder Kritik daran, dass das Pentagon auf russische Raketentechnologien angewiesen ist. Doch in dem Fall geht offenbar das Geschäft über die Politik: Die Entwicklung eines eigenen Triebwerks würde Experten zufolge mindestens drei Milliarden Dollar kosten.

Auch für die russische Seite ist das Geschäft „vorteilhaft, da es uns Devisen einbringt, die wir in die Umrüstung und die Schaffung neuer Unternehmen investieren“, sagte der neue Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin. Als Vizepremier hatte er einst den USA gedroht, sollten sie die Sanktionen weiter verschärfen, müssten Astronauten künftig „auf dem Trampolin“ zur ISS fliegen.

Noch dubioser sind Verhandlungen zwischen Russland und den USA über ein Waffengeschäft: Ende August wurde bekannt, dass beide Seiten die Lieferung von Handfeuerwaffen für die US-Sicherheitsorgane besprechen. Es geht um russische Pistolen des Typs „Osa“ („Wespe“), die zu den „nicht tödlichen Waffen“ zählen. Seit 2016 werden Polizisten im Bundesstaat Arizona damit ausgerüstet.

„Nun wird die Frage nach der weiteren Zusammenarbeit ausgearbeitet“, erklärte der Chef der Waffensparte bei der Industrie- und Rüstungsholding Rostec, Sergej Abramow.

Pikant an der Angelegenheit: Eigentlich gelten Waffengeschäfte mit Russland grundsätzlich als nicht genehm. Interessanterweise taucht der Osa-Produzent Techmasch namentlich allerdings nur auf der Sanktionsliste der EU auf, obwohl die Schwarze Liste der Amerikaner wesentlich länger ist. Eine Ausnahme, die die sonst demonstrierte Prinzipienfestigkeit bei den Sanktionen untergräbt.

Nord Stream 2 taucht ab – in die Ostsee

Womöglich auch darum ist der Widerstand in Europa gegen die Vorschriften aus dem Weißen Haus zu bilateralen Energieprojekten mit Russland groß. US-Präsident Donald Trump arbeitet sich seit Monaten speziell an der Pipeline Nord Stream 2 ab, die er als Instrument der Russen bezeichnete, Europa abhängig und sie gefügig zu machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen verteidigte das Projekt als wichtig für die Energiesicherheit Europas.

An Nord Stream 2 sind unter anderem auch die deutschen Konzerne Uniper und Wintershall als Geldgeber beteiligt. Offiziell alleiniger Aktionär ist bislang die mehrheitlich staatliche Gazprom.

Die USA drohten damit, das Projekt auf die Sanktionsliste zu setzen. Unbeeindruckt davon machen die Betreiber Tempo. Obwohl es bis heute keine Genehmigung Dänemarks für die Kreuzung der eigenen Gewässer gibt, steht die Verlegung der Rohre in der Ostsee unmittelbar bevor.

Das Verlegeschiff „Solitaire“ ist bereits im Hafen von Helsinki angekommen und soll in den nächsten Tagen in den finnischen Hoheitsgewässern mit dem Ausbringen der Pipelineröhren beginnen, teilte ein Sprecher der Betreibergesellschaft mit. Anschließend soll das finnische Teilstück über den russischen Teil der Ostsee an die schon bestehende Pipeline-Infrastruktur in Russland selbst angeschlossen werden. Moskau hat diesbezüglich bereits Investitionen in Milliardenhöhe getätigt.

Um das Scheitern des Projekts in letzter Minute zu verhindern, hat Russlands Präsident Wladimir Putin zudem zuletzt mehrfach versichert, dass Russland prinzipiell den Transit durch die Ukraine auch nach dem Ende des auslaufenden Transitvertrags 2019 weiter bestehen lassen wolle. Der steigende Energiebedarf Europas mache diese Route sinnvoll, so der Kremlchef.

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