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Ralf Brandstätter über Corona-Prämie VW-Vorstand: „Ein Fördermodell könnte sich an CO2-Emissionen orientieren“

VW beginnt in der neuen Woche mit dem Anlauf der Produktion. Marken-COO Brandstätter schlägt eine staatliche Prämie vor, um die Nachfrage anzukurbeln.
19.04.2020 - 14:04 Uhr 1 Kommentar
„In dieser Situation sollte eine Prämie breit angelegt sein.“ Quelle: Imago
Ralf Brandstätter

„In dieser Situation sollte eine Prämie breit angelegt sein.“

(Foto: Imago)

Düsseldorf Die Automobilindustrie fängt an, sich für die eigene Historie zu interessieren. Vor gut zehn Jahren hatte die Finanzkrise auch die großen Autokonzerne in eine schwierige Lage gebracht. Deshalb entstand damals die Idee, den deutschen Herstellern mit einer Abwrackprämie zu helfen. 2500 Euro gab es als Prämie vom Staat dazu, wenn jemand sein altes Auto gegen einen Neuwagen tauschte. Die Industrie freute sich: 2009 stieg die Zahl der Pkw-Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 700.000 Autos oder 23 Prozent.

Heute steht Deutschlands wichtigster Industriezweig vor ähnlichen Problemen. Jetzt ausgelöst durch die Corona-Pandemie, dem damit verbundenen Nachfrageeinbruch und den Produktionsstopps in den Fabriken. Ralf Brandstätter, Chief Operating Officer (COO) der Marke Volkswagen, wünscht sich in der aktuellen Situation wieder ein ähnliches Förderprogramm. „Das hat in der Vergangenheit gut funktioniert“, erinnert er im Gespräch mit dem Handelsblatt an die Erfahrungen aus der Zeit der Finanzkrise.

„In dieser Situation sollte eine Prämie breit angelegt sein und auch moderne Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor umfassen. Die bisherige Förderung von Elektrofahrzeugen sollte fortgesetzt werden“, meint Brandstätter. Ein neues Fördermodell könnte sich etwa an den eingesparten Kohlendioxid-Emissionen orientieren.

„Wir gehen damit aus der Krise hinaus und hinein in die grüne Transformation“, sagt Brandstätter. An den bestehenden Klimazielen wolle Volkswagen auf jeden Fall festhalten. „Klimaschutz bleibt eine Menschheitsaufgabe. Daran ändert die Corona-Pandemie überhaupt nichts“, ist Brandstätter sicher.

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    Aus volkswirtschaftlicher Sicht sei die Förderung der Automobilindustrie zu rechtfertigen. „Viele profitieren davon, wenn es in der Automobilindustrie wieder losgeht“, betont der Volkswagen-Manager. Seine Branche stehe für zehn Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Wenn die Autoverkäufe bald wieder deutlich anzögen, werde damit eine gute Basis für einen Neustart der gesamten deutschen Wirtschaft geschaffen.

    Initialzündung von Deutschland aus

    Brandstätter argumentiert damit, dass der deutsche Pkw-Bestand vergleichsweise alt sei. Vor acht Jahren habe das Durchschnittsalter der 48 Millionen Fahrzeuge noch bei 8,5 Jahren gelegen, inzwischen seien es 9,6 Jahre. Etwa 19 Millionen Autos besäßen ältere Zulassungsnormen wie Euro 4 und noch schlechter. „Da können wir ansetzen“, sagt der COO der Marke Volkswagen. Mit einem neuen Förderprogramm lasse sich eine umweltgerechte Erneuerung des deutschen Fuhrparks zu erreichen.

    Der VW-Manager setzt dabei auf einen deutschen Alleingang ohne eine besondere Koordination mit anderen europäischen Staaten. Von Deutschland aus könne in der aktuellen Situation eine „Initialzündung“ ausgehen, um den Einbruch in der Pkw-Nachfrage wettzumachen. Andere europäische Länder würden dann recht bald mit eigenen Förderprogrammen folgen. So war es in der Tat auch vor zehn Jahren: In Frankreich, Italien und Großbritannien gab es eine vergleichbare Hilfe vom Staat.

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    Volkswagen-Vorstand Brandstätter drängt darauf, dass ein deutsches Förderprogramm vergleichsweise schnell aufgelegt wird. In der kommenden Woche dürfen in Deutschland die Autohändler wieder ihre Betriebe öffnen. Bald danach werden wahrscheinlich auch die kommunalen Kfz-Zulassungsstellen ihre Arbeit aufnehmen. Vertrieb und Verkauf von Autos könnten danach unter vergleichsweise normalen Umständen ablaufen.

    Wenn die Zulassungsstellen geöffnet haben, wäre das für Brandstätter der richtige Moment, zu dem auch ein Förderprogramm bereitstehen sollte. „Es wäre eine gute Botschaft, wenn das Hand in Hand gehen würde“, sagt er. Der VW-Manager nennt zwar keinen konkreten Zeitpunkt, zu dem der Staat einspringen sollte. Doch wenn es schnell gehen soll, dann müsste ein solches Programm wahrscheinlich schon im Mai oder Juni bereitstehen. „Es muss uns gemeinsam gelingen, diese Pandemie zu bewältigen“, sagt der VW-Manager.

    Volkswagen habe die zurückliegenden Wochen des Produktionsstopps dazu genutzt, die Fertigungsbedingungen „für den Berufsalltag mit dem Coronavirus“ vorzubereiten. Die Abläufe in den Fabriken seien neu organisiert worden, um das Infektionsrisiko für die VW-Beschäftigten zu minimieren. „An Arbeitsplätzen, an denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, gibt es beispielsweise eine Nasen-Mund-Schutz-Pflicht“, beschreibt Brandstätter eine der Veränderungen.

    Hoher Eigenbedarf an Schutzmasken

    Gesundheitsschutz stehe ganz oben auf der Agenda bei Volkswagen. Mitarbeiter, die beispielsweise zu den durch das Coronavirus gefährdeten Risikogruppen gehörten, müssten in der ersten Phase des Wiederanlaufs nicht an ihrem Arbeitsplatz erscheinen.

    Von dieser Woche an läuft die Produktion bei Volkswagen in Deutschland und Europa langsam wieder an. Zum Auftakt geht es in Zwickau und in der slowakischen Hauptstadt Bratislava wieder los, in der kommenden Woche folgen Wolfsburg, Emden und Hannover. Zunächst ist überall ein Ein-Schicht-Betrieb geplant, damit sich die Belegschaft an das Arbeiten unter Corona-Bedingungen gewöhnen kann. In der ersten Woche würden wahrscheinlich 10 bis 15 Prozent des üblichen Produktionsvolumens erreicht.

    Auch in den Fabriken von Volkswagen dürfte das Tragen von Schutzmasken bald zum Alltag gehören. Der Wolfsburger Konzern hat sich darauf eingestellt, dass der Eigenbedarf künftig recht groß sein wird.

    Der Autohersteller zieht daraus seine Schlussfolgerungen und will einfache Nase-Mund-Masken selbst produzieren. „Eine Maschine mit einer Wochenproduktion von 500.000 Masken steht schon in China. In Braunschweig wird eine zweite Maschine ähnlich große Stückzahlen erreichen“, kündigt Brandstätter an. VW wolle außerdem Desinfektionsmittel zur Flächenreinigung selbst herstellen.

    Brandstätter ist zufrieden mit der Wiedereröffnung der Handelsbetriebe. Doch Sorgen macht er sich um Tausende Zulieferer, die Volkswagen mit Teilen beliefern. 6500 gebe es davon in ganz Europa. Unter normalen Umständen, wie etwa nach einem mehrwöchigen Werksurlaub, sei es kein Problem, dass die Zulieferer wieder rechtzeitig lieferten.

    Produktionsstart als Signal an Europa

    Doch jetzt unter Corona-Bedingungen sei vieles anders. „Jedes Land hat seine eigenen Regeln und Gesetze“, moniert Brandstätter. Die Automobilbranche brauche aber eine europäisch abgestimmte Lösung für den bevorstehenden Wiederanlauf der Produktion. Es fehlten einheitliche Gesundheits- und Sicherheitsstandards, was den Produktionsstart nicht einfacher mache.

    „Dass wir jetzt wieder mit der Produktion beginnen, ist auch ein Signal an Europa“, betont der VW-Manager. Die Zulieferer hätten auf ein solches Signal gewartet, um mit der eigenen Produktion zu beginnen. Volkswagen setze darauf, dass die Beschränkungen in Europa im öffentlichen Leben und in der Wirtschaft einheitlich aufgehoben würden. „Das ist in der Politik verstanden worden“, gibt sich Brandstätter zuversichtlich.

    Die größte eigene unternehmerische Herausforderung für Volkswagen ist der für dieses Jahr geplante Verkaufsstart der neuen ID-Elektrofamilie. VW beginnt zunächst mit dem ID.3, einem Elektroauto im Golf-Format. Durch die Corona-Beschränkungen können die Entwicklerteams zwar nicht wie gewohnt an dem Auto arbeiten und müssen beispielsweise auf eine virtuelle Kooperation ausweichen. Brandstätter glaubt aber, dass die Zeitpläne trotzdem eingehalten werden können: „Wir peilen weiterhin einen Verkaufsstart im Sommer an.“

    Mehr: Volkswagen erleidet Absatzeinbruch im März.

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    1 Kommentar zu "Ralf Brandstätter über Corona-Prämie: VW-Vorstand: „Ein Fördermodell könnte sich an CO2-Emissionen orientieren“"

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    • "modern" "Verbrenner"? gerade jetzt wo im weltweiten Realversuch die Auswirkungen auf die Umwelt klar ersichtlich wurden. wie dumm kann die Menschheit noch sein.
      Es ist nicht nur CO2 sondern auch Ruß, NOx, Feinstaub, Lärm.
      Die Abhängigkeit von fragwürdigen Ölverkäufern....
      wenn schon noch Verbrenner,, dann bitte auch Höchstgeschwindigkeit und schnellste Beschleunigung in den Tests durchführen.

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