Raumfahrt Spaceshuttle ins Nirgendwo

Das Weltraumrennen war die große Schlacht des Kalten Krieges. Doch die scheint geschlagen: die Russen ziehen sich zurück. Für die kommerzielle US-Raumfahrt wird das zu einem großen Problem.
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US-Spaceshuttle Endeavour: Im Grenzbereich zwischen Stratosphäre (weiß) und Mesosphäre (blau). Quelle: Nasa

US-Spaceshuttle Endeavour: Im Grenzbereich zwischen Stratosphäre (weiß) und Mesosphäre (blau).

(Foto: Nasa)

San FranciscoZum Schluss war es so normal, dass kaum noch jemand Notiz davon nahm. In der Nacht zum Mittwoch sind die beiden Astronauten Rick Mastracchio aus den USA und sein Kollege Mikhail Tyurin aus Russland wohlbehalten in einer russischen Sojus-Kapsel von der Weltraum-Forschungsstation ISS zur Erde zurückgekehrt, so wie viele andere vor ihnen. Eine Routineübung. Doch das ist bald Geschichte: Russland steigt 2020 aus dem Gemeinschaftsprojekt ISS aus. Die noch junge kommerzielle Weltraumfahrt in den USA stellt das vor gewaltige Probleme. Ihr gehen die Ziele aus.

Mit dieser Reaktion hatte Space-X-Gründer Elon Musk nicht gerechnet. Aggressiv hatte er vor dem US-Senat Front gegen den Ankauf von russischen Raketentriebwerken gemacht. Das sei ein Verstoß gegen die Ukraine-Sanktionen. Damit wollte er einen einheimischen Konkurrenten, die ULA von Boeing und Lockheed Martin, aus dem Geschäft drängen, der auf russische Triebwerke setzt. Nun haben die Russen, sehr zur Freude von Musk, den Export der Triebwerke verboten. Doch die Ankündigung des Rückzugs aus der ISS dürfte ihm die gute Laune direkt wieder verhagelt haben.

„Wir gehen davon aus, dass wir die ISS derzeit nur noch bis 2020 benötigen“, erklärte Vizeregierungschef Dimitri Rogosin am Dienstag lapidar. Danach wolle man sich zukunftsträchtigeren Projekten widmen. Zuvor hatte er schon sarkastisch empfohlen, die Amerikaner könnten ja vielleicht schon mal üben, ihre Astronauten mit Trampolins auf die ISS zu bringen.

Damit droht Space X eine wichtige Destination ihrer Raumflüge zu verlieren. Die Firma von Musk ist eines von drei Unternehmen, die sich in Zukunft Milliardengewinne vom Pendelverkehr zwischen Raumstation und Cape Canaveral in Florida versprechen. Doch das droht jetzt zu versanden.

Alkoholverbot und ein sündhaft teures Kosmos-Klo
Internationale Raumstation (ISS)
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Was macht die Besatzung eigentlich die ganze Zeit?

Ein normaler Tag auf der ISS beginnt mit einer Morgentoilette mit feuchten Tüchern, denn eine Dusche gibt es nicht. Nach einem meist bescheidenen Frühstück widmet sich die Crew der Forschung sowie der Pflege der Bordanlagen – mit der Faustregel, dass viele Arbeiten im All doppelt so lange dauern wie auf der Erde. Je nach Tagesprogramm stehen zwei Stunden Fitness auf dem Plan, etwa das Strampeln auf Standfahrrädern, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Freizeit gibt es kaum während der sechs Monate im All. „Jede Sekunde ist verplant, man hechelt fast dem Plan hinterher“, sagt Kosmonaut Sergej Wolkow.

Internationale Raumstation (ISS)
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Könnten die Experimente auch ohne Crew funktionieren?

Theoretisch könnten Raumfahrer durchaus Bakterienkulturen oder Materialproben kurz zur ISS bringen und nach einigen Monaten wieder abholen. Das würde den Kritikern der Station gefallen, die die ständige Anwesenheit einer mehrköpfigen Mannschaft als überflüssig und teuer monieren. Der US-amerikanische Chef des ISS-Programms, Michael Suffredini, warnt aber vor einer längeren Abwesenheit von Raumfahrern. Immer wieder seien Probleme bei den Experimenten aufgetreten, die nur von Astronauten an Bord gelöst werden könnten. Sollte die ISS tatsächlich nach 2020 verschrottet werden, wollen die Partner aber stattdessen kleinere unbemannte Labore im All betreiben.

The Soyuz TMA-09M capsule carrying the International Space Station (ISS) crew of U.S. astronaut Karen Nyberg, Russian cosmonaut Fyodor Yurchikhin and
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Wie retten sich die Raumfahrer im absoluten Notfall?

Aus einem Brand 1997 auf der mittlerweile versenkten russischen Raumstation Mir haben die ISS-Betreiber nach eigenen Angaben viel gelernt. Die Station durchziehen mittlerweile Sprinklersysteme mit Kohlenstoffdioxid und Schaum, die notfalls Flammen löschen sollen. Zudem können Schleusen zwischen den Forschungsmodulen geschlossen werden. Als „Rettungsboote“ bei einer Evakuierung fungieren die Sojus-Kapseln, die an der Station angedockt und für die reguläre Rückkehr von Raumfahrern zur Erde gedacht sind. Der Platz ist knapp bemessen: Drei Menschen passen in eine Sojus.

Thomas Reiter in der ISS
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Alkoholverbot im All: Das ist doch nur ein Mythos, oder?

Offiziell gilt auf der ISS die Null-Promille-Grenze – zum Verdruss mancher Raumfahrer. „Zwei Gläser Wein täglich, wie bei U-Boot-Matrosen, würden das Leben an Bord komfortabler machen“, sagt etwa der Kosmonaut Salischan Scharipow. Experten warnen aber: Alkohol wirke im All viel stärker, weil der Körper in der Schwerelosigkeit Substanz abbaut. „Im Kosmos muss man alle Sinne beisammen haben“, sagt der deutsche Raumfahrer Thomas Reiter (im Bild 2006 auf der ISS). Die Alkoholregelung sei aber eher Richtlinie als Verbot. „Es gibt hin und wieder Anlässe, bei denen ein kleiner Tropfen dazu gehört...“, räumt Reiter ein.

Toilette der Internationalen Raumstation ISS
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Wie funktioniert eigentlich die Toilette an Bord der ISS?

Wegen der Schwerelosigkeit müssen Raumfahrer ihre Beine an der Toilette festklemmen. Was auf der Erde mit Wasser weggespült wird, saugt Unterdruck zunächst in einen 20-Liter-Behälter. Von dort werden die Stoffe weitergepumpt in leere Wassertanks des angedockten „Progress“-Raumtransporters, der als Müllcontainer dient. Der Frachter wird später zum Absturz gebracht und verglüht in der Atmosphäre. Das rund 14 Millionen Euro teure Kosmo-Klo der ISS kann zudem Urin zu Trinkwasser aufbereiten. Dies sei aber nur für den Notfall gedacht und bei den Raumfahrern „nicht besonders beliebt“, sagt der Ex-Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin.

Der russische Ausstieg trifft die Amerikaner an einer besonders empfindlichen Stelle: am Geldbeutel. Mit Beendigung des Spaceshuttle-Programms in 2011 startete eine neue Ära der bemannten Raumfahrt in den USA. Die Raumfahrtbehörde Nasa reicht den Staffelstab weiter an die Privatwirtschaft, die in ihrem Auftrag die Raumschiffe entwickeln, bauen und betreiben wird.

Neben Space X kämpfen zwei weitere Unternehmen mit allen Mitteln um diesen Markt für Aufträge in Milliardenhöhe: Zum einen der erfahrene Luftfahrtriese Boeing, seit den ersten Tagen der Raumfahrt ein Partner der Nasa und daneben Sierra Nevada, ein traditionsreicher Raketenbetreiber aus Colorado. Während Boeing und Space X auf Raumkapseln setzen, arbeitet Sierra Nevada an einem Raumgleiter nach dem Vorbild des Shuttles, der konventionelle Landebahnen nutzen könnte.

Zeit zum Geldverdienen fehlt
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1 Kommentar zu "Raumfahrt: Spaceshuttle ins Nirgendwo"

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  • Das Space-Shuttle war dafür konzipiert entweder im Kreis zu fliegen oder im Kreis zu fliegen.
    Das waren natürlich nicht die Amerikaner, die das so wollten.

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