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Reaktionen auf Piëchs Tod „Mein Bruder war eng verbunden mit den VW-Mitarbeitern, in guten und schlechten Zeiten“

Nach dem Tod des Auto-Managers sind die Fahnen der VW-Werke auf Halbmast gesetzt worden. Wirtschaft und Politik würdigen die Leistung von Piëch. Die Reaktionen im Überblick.
Update: 27.08.2019 - 15:15 Uhr 1 Kommentar

Wolfsburg Im Alter von 82 Jahren ist der frühere VW-Chef Ferdinand Piëch am Sonntag verstorben, wie am Montagabend bekannt wurde. Politik und Wirtschaft loben die Leistungen des Top-Managers. In verschiedenen Werken von Volkswagen, darunter in Wolfsburg und Dresden, wurden die Fahnen auf Halbmast gesetzt.

VW-Chef Herbert Diess

Quelle: dpa
VW-Chef Herbert Diess

Der Vorstandsvorsitzende des Autobauers schaut mit Dankbarkeit und großem Respekt auf die Lebensleistung von Piëch. „Ferdinand Piëch war mutig, unternehmerisch konsequent und technisch brillant“, wird Diess in einer Mitteilung von VW zitiert.

Als junger Ingenieur habe er Porsche durch legendäre Fahrzeuge zur Rennsportmarke gemacht, Audi habe er zur Premiummarke geformt. An der Spitze des Konzerns habe Piëch die Internationalisierung des Unternehmens konsequent vorangetrieben, Bentley, Lamborghini und Bugatti in den Konzernverbund integriert und das Markenvolumen zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit geführt.

Technisch sei er immer wieder an die Grenzen des Machbaren gegangen. „Vor allem hat Piëch Qualität und Perfektion bis ins Detail in den Automobilbau gebracht und tief in der Volkswagen-DNA verankert.“

Porsche-SE-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche

„Wir trauern mit der Familie um Ferdinand K. Piëch, den außergewöhnlichen Manager und Ingenieur, den Strategen und ganz einfach auch den Auto-Enthusiasten, der er zeitlebens war“, teilte Wolfgang Porsche, Chefkontrolleur der Porsche SE und Sprecher von Porsche, am Dienstagmittag mit. Sein Lebenswerk sei über Jahrzehnte eng mit dem seines Cousins verbunden gewesen. „Im Mittelpunkt stand dabei das Ringen um das Erbe unseres Großvaters Ferdinand Porsche, das wir erfolgreich weitergeführt haben.“

Hans Michel Piëch, Bruder von Ferdinand Piëch

Quelle: dpa
Hans Michel Piech

Der stellvertretende Chefkontrolleur und Sprecher der Familie betonte in der Stellungnahme, dass das Lebenswerk seines Bruder weiter über die Unternehmen hinausgereicht habe, für die er tätig war. „Er hat die deutsche Automobilindustrie geprägt wie kein Zweiter. Und er war eng verbunden mit den Mitarbeitern des Volkswagen-Konzerns, in guten wie in schlechten Zeiten.“

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch

Der Chefkontrolleur des Autoherstellers würdigte den früheren Vorstandsvorsitzenden als „leidenschaftlichen Manager, genialen Ingenieur und als visionären Unternehmer“. Seit den 1960er-Jahren habe er die Entwicklung des Automobils, der Industrie und vor allem von VW maßgeblich geprägt. „Unser Unternehmen und seine Menschen haben Prof. Piëch unendlich viel zu verdanken. Wir verneigen uns mit Respekt vor seinem Lebenswerk“, so Pötsch.

Porsche-Chef Oliver Blume

Auch die Porsche AG trauert um Piëch. „Seine Liebe zum Automobil und sein steter Wille, den technischen Fortschritt voranzutreiben, bleiben für immer unvergessen. Piëch war ein Automobilmann durch und durch“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume laut Mitteilung.

„Wir danken ihm für seine Leidenschaft und seinen Mut, mit dem er Porsche zu außerordentlichen Ingenieursleistungen geführt hat.“ Durch wichtige strategische Entscheidungen habe er die Weichen für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens gestellt.

Audi-Chef Bram Schot

Auch in allen Werken der Ingolstädter ist die Beflaggung auf Halbmast gesetzt worden. Vorstandschef Bram Schot: „Eine der größten Stärken von Ferdinand Piëch war, dass er sich den Namen Audi, zu Deutsch Horch, zu eigen machte und Kunden wie Belegschaft immer gut zugehört hat. Er lebte den Traum der Automobilität sein ganzes Leben lang und war Motor von Innovationen.“

Er habe Audi zur Premiummarke entwickelt und mit bahnbrechenden Entwicklungen Vorsprung durch Technik geschaffen. „Wir werden das Andenken an Ferdinand Piëch hochhalten – an einen Mann, der in einzigartiger Weise Genialität mit Leidenschaft und Beharrlichkeit vereinte.“

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn

Der frühere Vorstandsvorsitzende würdigte insbesondere Piëchs Rolle als VW-Chef. „Unter seiner maßgeblichen Führung entwickelte sich die Volkswagen AG zu einem der erfolgreichsten Mehrmarken-Automobilkonzerne der Welt“, heißt es in einer Stellungnahme von Winterkorn.

Piëch sei für ihn ein jahrzehntelanger Förderer und Wegbegleiter gewesen. „Seine visionäre Kraft und seine großen Fähigkeiten als Ingenieur haben auch mich während vieler Jahre geprägt, zunächst in meiner Zeit bei Audi, später als Vorstandschef der Volkswagen AG.“ Die gemeinsame Arbeit sei stets freundschaftlich und inspirierend gewesen. „Für seine Unterstützung war und bin ich ihm sehr dankbar.“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh

Der Manager würdigte den verstorbenen früheren VW-Chef Ferdinand Piëch als „großen Manager und Ingenieur“. „Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung“, teilte Osterloh am Dienstag auf Anfrage der dpa mit.

„Wir als Betriebsräte waren nicht immer in allen Fragen einer Meinung mit unserem früheren Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden. Aber wir blicken mit Respekt und Achtung auf sein großes Lebenswerk“, so der Betriebsratschef weiter. „Denn mit seiner Liebe zum Produkt, seiner strategischen Weitsicht und seinem feinen Gespür für die Weiterentwicklung unserer Marken hat Ferdinand Piëch die Erfolgsgeschichte unseres Konzerns entscheidend geprägt.“

Osterloh sagte, die Belegschaft danke Piëch für seinen Anteil an der Einführung der Vier-Tage-Woche und der damit verbundenen Rettung Zehntausender Arbeitsplätze bei dem Autobauer. Zudem habe der frühere VW-Patriarch 1998 die Entschädigung der damals noch lebenden Zwangsarbeiter des VW-Werks auf den Weg gebracht.

Mit diesen Autos hat Ferdinand Piëch den VW-Konzern geprägt
Porsche Typ 356 2
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Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

(Foto: PR)
Benzin im Blut – VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er galt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang – von 1993 bis 2002 – stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. „Autos bauen“ nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW.

(Foto: dpa)
Porsche Bergspyder 909
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Ferdinand Piëch ist auf diesem Bild mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968 zu sehen. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piëch bestimmten.

Gulf Porsche 917
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In Zürich studierte Piëch Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piëch machte Blitzkarriere: nach vier Jahren als Abteilungsleiter und nach weiteren fünf Jahren als technischer Geschäftsführer. Piëch war technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917.

Porsche 917
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Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

(Foto: picture-alliance / ASA)
Abschied von Porsche
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1972 musste Piëch Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piëch nach Querelen beschlossen hatten, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernannte ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

(Foto: picture-alliance - dpa)
Bei Audi in Ingolstadt
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Auch bei Audi setzte Piëch seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentierte er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert.

(Foto: dpa)

Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder

Mit seinem damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder ist Ferdinand Piëch als Chef des Aufsichtsrates nicht besonders zimperlich umgegangen. „Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben. Das habe ich mit Mühe im vergangenen November korrigiert“, sagte Piëch Anfang 2007 zum Rausschmiss Pischetsrieders, den er fünf Jahre zuvor selbst noch ausgesucht hatte.

Bernd Pischetsrieder ist deshalb nicht nachtragend. „Wir waren uns in einigen wenigen Punkten nicht einig, aber ansonsten haben wir uns gut verstanden“, sagte Pischetsrieder im Gespräch mit dem Handelsblatt. Gegensätze hätte es bei beiden in Fragen des Führungsstils und über die Rolle der Stuttgarter Sportwagentochter Porsche gegeben.

Nach seinem Ausscheiden in Wolfsburg sei der Kontakt zwischen Piëch und ihm nie abgerissen. „Deshalb gibt es keinen Grund, etwas Negatives über Ferdinand Piëch zu sagen“, betonte Pischetsrieder. Piëch sei zwar kein einfacher Vorgesetzter gewesen, die klare und direkte Linie habe er aber „immer geschätzt an ihm“.

VDA-Präsident Bernhard Mattes

Mit seiner „beispielhaften Karriere“ prägte Piëch laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) maßgeblich die deutsche Automobilindustrie, ihre Innovationskraft und internationale Ausrichtung. „Am Wachstum dieser Schlüsselbranche und ihrer heutigen international starken Position hat Prof. Piëch einen erheblichen Anteil“, wird Präsident Bernhard Mattes in einer Mitteilung des VDA zitiert.

Mit ihm verliere die Automobilindustrie „einen großen Unternehmer und leidenschaftlichen Ingenieur, der höchste Ansprüche an Qualität, Sicherheit, Effizienz und Design des Automobils legte“. Als VDA-Vizepräsident (1992 bis 2002) habe er stets die Interessen der gesamten Branche im Blick gehabt.

Das sagt Ex-Kanzler Gerhard Schröder
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1 Kommentar zu "Reaktionen auf Piëchs Tod: „Mein Bruder war eng verbunden mit den VW-Mitarbeitern, in guten und schlechten Zeiten“"

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  • Kann es sein, dass der Bruch zwischen Piech und Winterkorn, dadurch verursacht wurde,
    dass Piech hinter die Schummel-Software kam?