Rechtevergabe Emissionshandel kommt Industrie teurer zu stehen

Bittere Schlappe für die deutsche Industrie: Bei der Zuteilung der Rechte hat die EU-Kommission ihre Vorstellungen in weiten Teilen durchgesetzt. Allein der Stahlbranche entstehen dadurch Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe – jährlich. Wirtschaftsvertreter schimpfen – und schießen gegen das Bundesumweltministerium, das den Plänen zustimmte.
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Rauchwolke: Der Emissionshandel ist eines der wichtigen Instrumente zur Reduktion von Treibhausgasen. Quelle: ap

Rauchwolke: Der Emissionshandel ist eines der wichtigen Instrumente zur Reduktion von Treibhausgasen.

(Foto: ap)

BERLIN. Die deutsche Industrie muss beim Emissionshandel künftig kräftig draufzahlen. Die EU-Kommission setzte bei der Zuteilung der Emissionsrechte in weiten Teilen ihre Vorstellungen durch. Allein der Stahlindustrie entstehen jährlich Mehrkosten in Höhe von knapp 200 Millionen Euro.

Ausschlaggebend sind die finalen Verhandlungen zwischen Kommission und deutschen Regierungsvertretern Ende dieser Woche. Dabei stimmte das federführende Bundesumweltministerium den Plänen der Kommission zu – gegen den Widerstand des Wirtschaftsministerums. Die Entscheidung sorgt für Streit zwischen beiden Häusern. Im Wirtschaftsressort heißt es, Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) habe leichtfertig und absprachewidrig die Interessen deutscher Unternehmen verspielt.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte erst vor wenigen Wochen ein industriepolitisches Konzept vorgelegt, in dem zusätzliche Belastungen ausgeschlossen werden. Die Industrie trägt in Deutschland gut 20 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei – mehr als in den meisten anderen EU-Staaten. Die Industrie hat wesentlichen Anteil an der starken konjunkturellen Entwicklung Deutschlands.

Der Entscheidung in Brüssel waren monatelange Verhandlungen vorausgegangen. Dabei ging es um die Frage, für welche Produktionsprozesse in der Industrie es Gratiszuteilungen von Zertifikaten in welchem Umfang gibt. Die Verhandlungen bezogen sich auf die dritte Handelsperiode des europäischen Emissionshandelssystems, die 2013 beginnt. Betroffen sind Branchen wie Stahl, Chemie, Zement, Papier, Glas und Aluminium.

„Wir sind tief enttäuscht. Der Beschluss geht völlig an den industriellen Realitäten vorbei“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, dem Handelsblatt. Die beschlossenen Werte lägen „weit unter dem Niveau der emissionsärmsten zehn Prozent Produktionsanlagen in Europa“, sagte er. Die Stahlerzeuger müssten daher Emissionsrechte in großem Umfang zukaufen. Nach Informationen des Handelsblattes aus Branchenkreisen hat sich Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz in einem Brandbrief an das Kanzleramt gewandt und das Agieren des Umweltministerium scharf kritisiert.

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10 Kommentare zu "Rechtevergabe: Emissionshandel kommt Industrie teurer zu stehen"

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  • Eigentlich müßte es genügen, die Rolle von CO2 im Klimawandel den zuständigen Leuten unübersehbar nahe zu bringen. Sozusagen per Einschreiben mit Rückantwort. im internet findet man unter EiKE genügend informationen zum Thma. Wer es noch genauer wissen will, sollte die amerikanischen Ausführungen lesen, die z.b. in "United States Senate Report" enthalten sind und im internet unter dieser Nummer aufgerufen werden kann. www.epw.senate.gov/inhofe. Da wird Climategate sehr ausführlich beschrieben und auch die strafrechtliche Seite beleuchtet. in USA laufen auf höhster Ebene Strafanzeigen gegen die Wissenschaftler, die durch gefälschte Daten seit Jahren die Politik beeinflussen. bei uns: Vorsätzliche Falschberatung der Kanzlerin und des Umweltmi-nisters. Man müßte diese berater - Schellenhuber u.andere - haftbar und ihre Aussagen unter Eid machen lassen.Steuerberater, Rechtsanwälte und vergleichbare Personen müssen auch haften. Das ist ganz normal.

  • Wieso die Zuteilung der Emissionsrechte nicht Pro-Kopf berechnet wird , verstehe ich nicht. Es wäre doch gerecht dass ein Land mit 80 Millionen Einwohnern (D) mehr Emissionsrechte bekommt als ein Land mit nur 11 Millionen Einwohnern (EL) Hellenische Republik . Zahlen werden hier nicht genannt. Solle D mehr Rechte brauchen als zugeteilt kann D von EL Rechte doch kaufen.
    D muss doch nicht unbedingt die Produktionsstätte nach EL verlagern. So müsste man nicht von "interessen deutscher Unternehmen" reden, was immer das heißen mag. ich kann das Wort schon nicht mehr hören.

  • @halloaberauch

    ...dann werden wir also in Zukunft die bürger fragen, ob man für eine Tonne Stahl 1300 oder 1400 Gramm CO2 braucht?! Und was bei einer befragung der industrie rauskommt haben Hotel-Geschenke und Atom-Deals gezeigt. Also bitte mal überlegen, bevor man immer die gleichen Phrasen drischt!

  • von Menschen, die nicht in der industrie arbeiten und keine Empathie für die Mechanismen mitbringen. Das ist tragisch. CO2-emitierende industrie wird abwandern und Teile des Netzwerkes mit sich ziehen. Der kleine Wahnsinn ist zudem alles so auf CO2 als eine Messgröße ausgerichtet zu haben. Die hiesige CO2-emittierende industrie wird bestimmte "Stufen" auslagern müssen, wenn es Wettbewerbsverzerrungen gibt. Chinesische, koreanische, indische u.a. industriezentren haben diese Probleme nicht und produzieren ein Vielfaches von dem, was in der EU gefertigt wird.
    Man wird nun hoffen, dass die Produktionscluster trotzdem bleiben, was aber natürlich von der Erlössituation abhängig sein wird. Schwierig.

  • Nur durch eine De-industrialisierung Deutschlands ist einheitliches Wirtschaftsniveau in Europa erreichbar. Das trüge zur wirtschaftlichen Stabilität bei und überfordert auch nicht permanent die PiiGS-Staaten. Wenn man zur Schließung dieser Gerechtigkeitslücke keinen eigenen Plan entwickeln will, kann man ja auf den Morgenthau-Plan zurückgreifen. Durch die zukünftige Konzentration auf ökologisch angebaute Agrarprodukte ist der Hunger in der Welt auch wesentlich effizienter zu bekämpften als mit Thyssen-Krupp-Stahl. Oder?

  • Und so geht es munter weiter. Die Politiker fragen nicht mehr das Volk und neuerdings auch nicht mehr die Wirtschaft.
    Es ist schon so weit, dass unsere Politsesselpuper stramm stehen, wenn brüssel eine blähung absetzt.

  • Alles was seit einiger Zeit von brüssel kommt, ist gegen Deutschland. Dieser Trend ist schön länger erkennbar.

    So wie Frankreich seinerzeit Kohl mit Krieg gedroht hat, um den Euro einzuführen, so arbeitet heute die EU gegen Deutschland. Allen voran die Franzosen
    Deutschland ist wirtschaftlich zu mächtig und das stört viele hauptsächlich diesen kleinen Napoleon von Paris.
    Ein Mann, den man mal genauer unter die Lupe nehmen sollte, denn mit Demokratie hat der nicht viel am Hut. Er führt sich doch mehr und mehr auf wie ein Despot.
    Leider haben wir eine DDR-Kanhzlerin, die das mitmacht, da ihr das gerade recht kommt beim Umbau Deutschlands zu einer DDR2.0 und Planwirtschaft.

    Unsere Wirtschaft kann nur endlich mal eines tun:
    sich mit uns bürgern/Arbeitnehmern verbünden, aufklären um was es geht, dass auch Arbeitsplätze gefährdet sind durch die hohen Kosten und gemeinsam mit uns zu Millionen auf die Straße gehen.
    Es wird ohnehin Zeit, dass wir uns mal ein beispiel an den seinerzeit auf die Straße gehenden DDR-bürgern nehmen und unserer gegen-die-bürger-agierenden Regierung mal sagen "wir sind das Volk"
    Es wird höchste Zeit, das auch Journalisten endlich einmal genauer hinsehen was in diesem Land abläuft udn aufhören, die Kanzlerin schön zu reden.

    Die derzeitige EU, die ja mehrheitlich mit strammen Sozialisten in brüssel bestückt ist, ist der Untergang Deutschlands.

  • ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß die anderen EU-Staaten z. Zt. versuchen, die "belastbarkeits Deutschlands" zu erproben. Wie sonst kann man all diesen blödsinn (EU-Rettungsschirm, Emissionshandel) erklären?

  • [1] Sehe es wie Sie.
    Was mich erbost, ist diese völlige Ahnungslosigkeit deutscher Ministerien.
    Leider scheint Herr K. Ermecke in Urlaub zu sein. Dann zitiere ich ihn eben:
    DiESER CO-2-AbLASSHANDEL iST EiNE AbZOCKE DER iNDUSTRiE ZUM SCHADEN DER MENSCHEN, UND UM GESCHÄFTEMACHEREi !
    AbER DiE TREibHAUSLEHRE iST EiN MÄRCHEN.

    DiESER KLiMAKULT iST DiE GRÖSSTE iRRLEHRE SEiT DEM HEXENWAHN.
    Herr E. zitiert in diesem Zusammenhang Herrn Dipl-ing. Heinz Thieme, den man doch in die Redaktion des Hb einladen möge, er wohne doch in der Nähe.
    Vielleicht nähert sich die Redaktion des Hb einmal der Kernfrage an:
    "Wieviel wird von dem bewegten Geld in die Taschen der Politiker recycled, die es propagieren?
    Und war nicht Pachauri, der Chef des "Weltklimarates" iPCC, im Privatleben Milliardär und Nutznießer zahlreicher CDM-Papiere?

    Schöner als Herr E. kann man es nicht sagen!
    Die Redaktion des Hb tut gut daran, diesen Hinweisen zu folgen. Sie machen sich allesamt lächerlich, wenn Sie zu S K E i S S E einfach
    KOMiTOLOGiEVERFAHREN SAGEN.

  • Dieser CO2-Ablaßhandel muß gestoppt werden. Sonst ist die weitere De-industrialisierung Deutschlands (Aluminiumverhüttung u.a.) nicht mehr aufzuhalten.

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