Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Rechtsstreit um Unkrautvernichter Glyphosat-Vergleich: US-Richter droht Bayer mit Wiederaufnahme des Verfahrens

Der Leverkusener Konzern ist wegen mangelnder Fortschritte des milliardenschweren Vergleichs gerüffelt worden. Kläger-Anwälte erheben schwere Vorwürfe.
28.08.2020 Update: 28.08.2020 - 21:46 Uhr Kommentieren
Bayer muss in den USA jetzt Fortschritte beim Abschluss des Vergleichs vorweisen. Quelle: Reuters
Unkrautvernichter mit Glyphosat

Bayer muss in den USA jetzt Fortschritte beim Abschluss des Vergleichs vorweisen.

(Foto: Reuters)

New York Im Rechtsstreit wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat hat der zuständige US-Bezirksrichter Vince Chhabria mangelnde Fortschritte bei den Abschlussarbeiten für den von Bayer erzielten Milliardenvergleich kritisiert. Er drohte sogar damit, die normalen Gerichtsprozesse wieder aufzunehmen, wenn es nicht bald zu einem Abschluss des Vergleichs komme.

Chhabria forderte bei einer Anhörung Teilnehmerkreisen zufolge am Donnerstag die Konfliktparteien auf, den Abschluss des Vergleichs voranzutreiben, aber auch über die nächsten Schritte zu beraten, sollte das Verfahren wieder aufgenommen werden. Er habe zudem eine neue Anhörung für den 24. September angesetzt, um die Fortschritte zu erörtern. 

Die verschiedenen Prozesse waren im Hinblick auf den anstehenden Vergleich ausgesetzt worden, an dem sich die Kläger beteiligen können. Die Agentur Bloomberg berichtete, der Richter habe die Darstellung des Vergleichs durch Bayer im Juni scharf kritisiert. Der Vergleich sei weniger definiert als von Bayer dargestellt. 

Der Richter ergänzte demnach, er sei geneigt, mehrere vertrauliche Schreiben von Klägeranwälten öffentlich zu machen. Darin werde Bayer vorgeworfen, sich nicht an die Vereinbarung zu halten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Kläger-Anwalt erhebt schwere Vorwürfe

    Der Anwalt Brent Wisner von der Kanzlei Baum Hedlund, die 3400 Kläger vertritt, sagte gegenüber dem Handelsblatt: „Bayer hat der Welt und den Aktionären im Juni mitgeteilt, dass wir einen Vergleich haben. Aber wir hatten noch gar keinen.“ Er habe den Vergleich mit Bayer im Juni unterschrieben, so Wisner. „Bayer hatte damals noch nicht unterschrieben. Doch sie haben uns versichert, dass wir einen Deal haben“, berichtete er.

    „Aber am 19. August haben sie uns mitgeteilt, dass sie nicht unterschreiben und den Deal beenden“, sagte er. Das Gleiche gelte für zwei weitere Kanzleien, mit denen Wisner arbeitet. Insgesamt vertreten sie nach seinen Angaben rund 20.000 Kläger. „Ich kehre jetzt wieder zurück vor Gericht und ziehe meine Prozesse durch“, kündigte er an, „ich spiele dieses Spiel nicht mehr mit.“

    Bayer erklärte, die Umsetzung eines Vergleichs dieser Größenordnung verlaufe häufig holprig. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern sei aber „weiterhin zuversichtlich, dass eine umfassende Einigung zum Abschluss gebracht und umgesetzt wird“.

    Die Klagewelle rund um Roundup hatte sich Bayer mit der rund 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eingehandelt.

    Die Frage der zukünftigen Klagen 

    Es ist nicht das erste Mal, dass Bayer in den Vergleichsverhandlungen zu Roundup stolpert. Die Leverkusener hatten im Juni ursprünglich einen Vergleich für die rund 125.000 Klagen angekündigt, die gegen Bayer als Monsanto-Nachfolger laufen. 

    Der Vergleich sah Zahlungen von bis zu zu 10,9 Milliarden Dollar für die Kläger vor. Darin war auch ein Topf für künftige Klagen vorgesehen, dessen Auszahlung von dem Urteil eines Expertengremiums abhängen sollte. Dieser Teil des Abkommens wurde jedoch vom Gericht abgelehnt und Bayer zog ihn zurück, um eine andere Lösung zu finden. 

    Der Mediator Kenneth Feinberg, den Bezirksrichter Chhabria eingesetzt hatte, um einen Vergleich auszuhandeln, wollte die Äußerungen des Richters nicht kommentieren. „Aber ich bleibe vorsichtig optimistisch“, dass ein landesweiter Roundup-Vergleich geschlossen wird, sagte er dem Handelsblatt. 30.000 Kläger hätten dem Vergleich bereits zugestimmt. Feinberg bestätigte, dass die Frage der möglichen zukünftigen Klagen ein wichtiges Thema sei.

    Bayer will sich mit dem Vergleich vor zukünftigen Klagen schützen. Schließlich könnten Menschen, die Roundup benutzt haben, auch erst in zehn Jahren an Krebs erkranken und dann klagen wollen. Hinzu kommt, dass Bayer das Glyphosat-Produkt nicht vom Markt nehmen wird. Damit könnten theoretisch weitere Kläger hinzukommen, die den Unkrautvernichter erst in den kommenden Jahren benutzen.  

    Mehr: Glyphosat, PCB, Verhütungsmittel – Das große Reinemachen bei Bayer

    Startseite
    Mehr zu: Rechtsstreit um Unkrautvernichter - Glyphosat-Vergleich: US-Richter droht Bayer mit Wiederaufnahme des Verfahrens
    0 Kommentare zu "Rechtsstreit um Unkrautvernichter: Glyphosat-Vergleich: US-Richter droht Bayer mit Wiederaufnahme des Verfahrens"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%