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Renewlogy Wie eine junge Amerikanerin den Ganges vom Müll befreien will

Der heilige Fluss der Hindus wird zum Schauplatz einer Aufräumaktion. Das US-Unternehmen Renewlogy will den Plastikmüll auffangen und recyceln.
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Die Amerikanerin will den Plastikmüll in Asiens Flüssen eindämmen. Quelle: SiliconIndia
Priyanka Bakaya

Die Amerikanerin will den Plastikmüll in Asiens Flüssen eindämmen.

(Foto: SiliconIndia)

Düsseldorf Der Ganges ist für Inder ein heiliger Fluss. Jedes Jahr strömen Millionen Hindus an sein Ufer, um sich durch ein Bad von den Sünden zu reinigen. Doch der Ganga, wie er von Gläubigen genannt wird, ist auch eines der dreckigsten Gewässer der Welt.

Auf seinem Weg durch die dicht besiedelte Region im Norden des Landes wird der Ganges von den Indern ganz selbstverständlich für die Abfallentsorgung genutzt. Die Dimensionen sind riesig: Der jährlich im Fluss landende Plastikmüll wird auf 500.000 Tonnen geschätzt. Diesen Müll entlädt der Fluss in den Indischen Ozean.

In den kommenden Monaten wird der Ganges zu Schauplatz einer ambitionierten Aufräumaktion. Das US-Unternehmen Renewlogy startet an ausgewählten Stellen das erste Projekt seiner „Renew Ocean“-Initiative. Statt den Kunststoff ins Meer treiben zu lassen, soll er aufgefangen und wiederverwertet werden.

Dahinter steckt die Amerikanerin Priyanka Bakaya. Während ihres Studiums am Massachusetts Institute of Technology (MIT) besuchte sie Indien, das Land ihrer Vorfahren.

Sie war entsetzt, als sie sah, wie die Leute den Müll in der Natur entsorgten oder verbrannten. Zurück in den USA ließen sie die Eindrücke nicht mehr los. Seither ist die Eindämmung des Plastikmülls ihre Mission.

2011 gründete Bakaya, heute Mitte 30, die Firma Renewlogy. Sie baut chemische Anlagen, in denen Plastikmüll nach Angaben des Unternehmens binnen einer Stunde in flüssigen Kraftstoff verwandelt werden kann. Einfaches Plastik wird so zurück zu seinem Ursprung, dem Öl, gebracht.

Vor wenigen Wochen hat das „Renew Ocean“-Projekt schlagartig an Aufmerksamkeit gewonnen: Die Firma ist einer der Hauptpartner der neu gegründeten Allianz gegen Plastikmüll, die Mitte Januar von großen Chemie- und Konsumgüterkonzernen aus aller Welt ins Leben gerufen wurde. Die „Alliance to End Plastic Waste“ (AEPW) will Projekte mit dem Ziel fördern, Kunststoffe nicht einfach verrotten zu lassen, sondern in einen Kreislauf zu bringen.

Aus Deutschland sind BASF, Henkel und Covestro dabei. Dass gerade einige der größten Kunststoffhersteller der Welt die AEPW mitgründen, halten Kritiker für eine Farce: Sie sehen den Schlüssel zur Eindämmung des Plastikmülls eher darin, dass weniger Kunststoffe produziert werden. Bakaya sieht das anders.

Mitte Januar saß sie bei Vorstellung der AEPW in London zwischen zwei der bedeutendsten Chemie-CEOs der Welt am Konferenztisch: Jim Fitterling von Dow Chemical und Martin Brudermüller von der deutschen BASF. Diese kamen aus dem Kopfnicken nicht mehr heraus, als Bakaya ihre Pläne schilderte.

Müllsammler sollen an Einnahmen beteiligt werden

„Wir müssen bei den Flüssen ansetzen, wenn wir den Plastikmüll in den Ozeanen eindämmen wollen“, sagt sie. Tatsächlich stammen rund 90 Prozent des im Meer schwimmenden Plastiks aus zehn Flüssen – acht davon in Asien. Der Kunststoffabfall hat sich im Pazifischen Ozean zu einem schwimmenden Teppich verbunden, der mittlerweile dreimal so groß ist wie Frankreich. Einer dieser Schmutzflüsse ist der Ganges.

Renewlogy wird in den kommenden Monaten an ausgesuchten Stellen sogenannte Biofences installieren. Quer über den Fluss gespannte Barrieren sollen die Plastikflaschen und anderen Müll aufhalten, damit er nicht im Meer landet. Die AEPW will dies mit Geld, Material und Logistik unterstützen.

Das anschließende Geschäftsmodell soll so funktionieren: Müllsammler tragen die Plastikabfälle zusammen und transportieren sie zu mobilen Anlagen , wo das Material zu Kraftstoffen verarbeitet wird. An den Einnahmen aus dem Verkauf sollen die Müllsammler beteiligt werden. „Wir wollen eng mit den örtlichen Kommunen und Gemeinschaften zusammenarbeiten“ erläutert Bakaya. „Nur so können wir das Verhalten der Menschen ändern.“

Das Modell ist nach dem Geschmack der Chemiekonzerne: „Kunststoffe sind viel zu wertvoll, als dass sie auf dem Müll landen sollten“, sagt BASF-Chef Brudermüller. Wenn sich das Projekt bewährt, will Bakaya die Technologie an weiteren Flüssen installieren, etwa in Indonesien.

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