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Rezession Euro-Krise trifft Firmen mit voller Wucht

Deutschland hat sich zu lange auf Europa konzentriert. Jetzt kann es die europäische Wirtschaft nicht mehr vor dem Absturz bewahren. Seit Ausbruch der Bankenkrise vor fünf Jahren ist der Kontinent der Verlierer.
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Firmen wie Siemens, Volkswagen oder Metro beklagen Absatzeinbrüche in den europäischen Nachbarländern. Quelle: APN

Firmen wie Siemens, Volkswagen oder Metro beklagen Absatzeinbrüche in den europäischen Nachbarländern.

(Foto: APN)

Düsseldorf Insgesamt haben sich die weltweiten Gewichte in den vergangenen fünf Jahren dramatisch verschoben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machten die Konzerne der Euro-Zone nur noch zwölf Prozent der weltweiten Gewinne, 2006/07 waren es noch 22 Prozent. Größter Gewinner der seit 2007 von den USA ausgehenden Weltfinanzkrise sind Chinas Unternehmen. Sie konnten ihren Gewinnanteil von 6,2 auf 14,2 Prozent mehr als verdoppeln. Den US-Konzernen gelang es, ihren Gewinnanteil im Fünfjahresvergleich mit 34,6 Prozent fast konstant zu halten.

"Die US-Wirtschaft", bilanziert Thomas Harms, Partner bei dem Wirtschaftsprüfer Ernst & Young, "ist hervorragend aus der Krise gekommen." Allein die Ölkonzerne Exxon und Chevron, der Handelsriese Wal-Mart und der iPhone-Hersteller Apple machten 80 Milliarden Euro Gewinn - und damit mehr als alle 30 Dax-Konzerne. "Diese Innovationskraft ist die große Stärke der amerikanischen Wirtschaft", sagt Harms. "Europa hingegen kämpft nur noch um den Klassenerhalt."

Den Börsen ist es gelungen, diesen Trend frühzeitig vorwegzunehmen. Das zeigten die Turbulenzen nach der Lehman-Pleite im September 2008: Obwohl ein Schwergewicht aus den USA Insolvenz gemeldet hatte, stürzten Europas Börsen stärker ab als die Wall Street - und erholten sich anschließend auch weniger gut.

Das galt auch für den Dax mit seinen vielen exportstarken Unternehmen: Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer notierte gestern 22 Prozent unter seinen Höchstständen von 2006/07 - der amerikanische Dow Jones war davon nur neun Prozent entfernt.

Damit spiegeln die Finanzmärkte in Deutschland, Europa und den USA das Auseinanderlaufen der Ertragskraft der börsennotierten Firmen wider. Denn das Auf und Ab der Unternehmensgewinne beeinflusst langfristig immer noch am stärksten die Kurse - allen politisch motivierten Kursbewegungen zum Trotz.

Und wirtschaftlich, das zeigt die Gewinnentwicklung der US-Konzerne, ist Amerika überall stark. Noch mehr als die absoluten Gewinne überzeugt die Profitabilität der US-Unternehmen. Durchschnittlich blieben bei den US-Konzernen mit jedem Dollar Umsatz 7,5 Cent Reingewinn übrig. In Deutschland ist es im Schnitt ein Drittel weniger.

"Rezession ist in Deutschland angekommen"

Die Unternehmen in den aufstrebenden Schwellenländern sind nicht einmal halb so profitabel wie ihre US-Wettbewerber. Ob Intel, Philip Morris, Oracle, Google, Microsoft oder Apple - mit jedem Dollar Umsatz blieben mehr als 20 Cent Reingewinn übrig. So viel schafften in Deutschland nur zwei Dax-Konzerne: SAP und Infineon.

Selbst Firmen in wettbewerbsintensiven und damit margenärmeren Branchen wie General Electric in der Industrie oder Procter & Gamble und Coca-Cola im Konsumsektor erzielten Traumrenditen von zehn und mehr Prozent.

Striktes Kostenmanagement

Auch Siemens beklagt Absatzeinbrüche im Europa-Geschäft. Quelle: AFP

Auch Siemens beklagt Absatzeinbrüche im Europa-Geschäft.

(Foto: AFP)

Grund dafür ist ein striktes Kostenmanagement. Dazu gehörten Entlassungen im Krisenjahr 2008 und nur zögerliche Neueinstellungen im Boom. Deshalb verharrte die Arbeitslosenquote in den USA selbst im Aufschwung 2011 lange Zeit bei mehr als neun Prozent. Die schlechte Beschäftigung drückte die Löhne, so dass bei den Firmen angesichts kräftig gestiegener Aufträge und Umsätze die Kosten sanken - und die Margen explodierten.

Dagegen stürzten die Gewinne in Euro-Land ab. Hier fuhren die Unternehmen 2011 nur noch 207 Milliarden Euro Nettogewinn ein, nach 365 Milliarden Euro vor fünf Jahren - ein Minus von 44 Prozent.

Grund dafür ist die schwere Rezession 2008/09 infolge der Finanzkrise und die ausbleibende Erholung im vergangenen Jahr wegen der Schuldenkrise. Zwar konnten deutsche Unternehmen ihre Gewinne zumindest in den Jahren 2010 und 2011 steigern, aber von ihren Rekordgewinnen aus den Jahren 2006/07 sind sie noch mehr als zehn Prozent entfernt.

Ob Volkswagen, Metro oder Siemens - fast alle Unternehmen beklagen Absatzeinbrüche in den europäischen Nachbarländern. Das überrascht wenig, angesichts eines durchschnittlichen Umsatzanteils der deutschen Unternehmen von 34 Prozent im europäischen Ausland. Bei Eon, RWE und K+S liegen die Anteile sogar bei über 40 Prozent.

"Die starke Präsenz in Europa trifft die deutschen Unternehmen sehr und schwächt ihre Erträge", sagt Jan Holthusen, Leiter der Anleihenanalyse der DZ-Bank.

Löscher: "Aus der Krise gestärkt hervorgehen"

Ökonomen haben wenig Hoffnung auf Besserung. "Der Abschwung im Euro-Raum", sagte Chris Williamson vom Datenspezialisten Markit, habe "weiter an Fahrt genommen." Viele Unternehmen kappten in den vergangenen Wochen ihre Gewinnprognosen, darunter in Deutschland der Chiphersteller Infineon und der Stahlproduzent Salzgitter. Selbst ein bislang als konjunkturresistent geltendes Unternehmen wie der französische Lebensmittelriese Danone warnte seine Anleger angesichts der Kaufzurückhaltung vor niedrigeren Erträgen in diesem Jahr.

Neben den USA trug vor allem China dazu bei, dass Europa bei den weltweiten Gewinnanteilen so stark zurückgefallen ist. Insgesamt erzielten chinesische Konzerne im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettogewinn von 249 Milliarden Euro. China, Hongkong und Taiwan stellen inzwischen 115 der 1000 größten Unternehmen - vor fünf Jahren waren es 74.

Neben Rohstoffgiganten wie Petrochina und dem Handyhersteller China Mobile ragen vor allem die staatsdominierten Banken heraus. Sie profitieren von der raschen wirtschaftlichen Erholung nach dem bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise 2008/09. Staatlich regulierte Zinsen ermöglichten Chinas Banken zweistellige Milliardengewinne.

Die starken chinesischen Banken sind Symbol dafür, wie sich angesichts der Finanz- und Schuldenkrise die Unternehmensgewinne von West nach Fernost verlagern. Mit 295 Milliarden Euro standen die Finanzinstitute 2011/12 weltweit zwar immer noch für 16,7 Prozent der gesamten Unternehmensgewinne. Das ist beachtlich, nur die Ölbranche ist erfolgreicher. Doch mit einem Gesamtgewinn von 55,8 Milliarden Euro beherrschen die drei chinesischen Großbanken Bank of China, China Construction Bank und Industrial Commercial Bank den Finanzsektor.

Erst auf Rang vier und einem Nettogewinn von 13,6 Milliarden Euro folgt mit JP Morgan das erste amerikanische Institut. Das gab es in der langen Börsengeschichte noch nie. Auch nicht, dass die Deutsche Bank mit 4,1 Milliarden Euro nur Platz 21 in der weltweiten Banken-Hitliste erreicht.

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13 Kommentare zu "Rezession: Euro-Krise trifft Firmen mit voller Wucht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • In letzter Konsequenz wird nur das bedingungslose Grundeinkommen diese Zwickmühlen-Situation bereinigen können. Weil das wird eine direkte Investition in die Kaufkraft der Einwohner. Und es vereinfacht phänomenal den ganzen historisch gewachsenen Filz aus Steuereinhebung, Sozialleistung, Arbeitslosenvers., Renten, usw. (kein Versicherungsunternehmen hätte übrigens so etwas wie die Arbeitslosenversicherung genehmigt bekommen! Weil mittlerweile pure Abzocke!).

  • Klasse kommentiert, Punktlandung.

  • Das alles kommt nicht nur von den entsprechenden Krisen, sondern von der "heiliggesprochenen" Niedriglohnpolitik.
    Da Kostensenkung fast nur über die Löhne betrieben wird, kann der Absatz nur zusammenbrechen. Dem Markt fehlen schlicht die kaufkräftigen Kunden.
    Eine simple Logik, die jeder Studienanfänger einmal gelernt hat. Was lehren sie eigentlich heute an den Eliteuniversitäten?

  • "Nein, Deutschland hat sich zu wenig um Europa gekümmert."
    Genauso siehts aus.

  • Ökonomen befinden sich im Krieg und der Euro steckt in einer Krise? Wertigkeit?
    Krieg ist ein besonders gewalttätiges und blutiges unterfangen, während eine Krise oft einen Wendepunkt markiert.

    Mal zurückdenken. Wie begann die Krise? Zunächst platzte 2007 der spekulativ aufgeblähte US-Immobilienmarkt. Kurz darauf die spanische Immobilienblase. Das schlug durch auf viele Finanzdienstleister und Banken, auch deutsche.

    2008 kam Licht ins Hinterzimmer, Lehman Inc. gab einen fetten Verlust von 4 Mrd. US-Dollar bekannt. Kurz darauf führte die Bank zwei Kapitalerhöhungen durch, 4 Mrd. und 5 Mrd. Dollar (so dumm sind Aktionäre wirklich). Restrukturierung - das gros der Investmentsparte, Gewerbeimmobilien und andere illiquide Vermögenswerte sollten verkauft werden. Der naive Plan scheiterte. Lehman ging insolvent.
    Dann stürzten die staatlichen Hypthekenbanken Fanny Mae und Freddy Mac ab, beide mit Superbonitätsbewertung und günstigem Refinanzierungszins.

    George W. Bush, Säufer, gläubiger Kriegstreiber und Pleiteprofi, schnürte eilig das fetteste Rettungspaket der Welt. Merkel hinterher das zweitfetteste - alles auf Treu und Glauben.
    Immobilienblase, Bankenkrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, das war der Ablauf. Bilanzen hinterfragen, Konten überprüfen, Indizien sichern? Trotz der unglaublichen Summen und dem Erdbeben in der Weltwirtschaft - Fehlanzeige. Hätte wohl auch Jahrzehnte gedauert und eines armeestarken Rudels ausgebuffter Spürhunde.

    Seitdem drucken die Regierungen Geld und plündern gewohnheitsmäßig die Konten der Bürger mit immer derselben Begründung - seit 5 Jahren. Hätte nicht angedacht werden können, die Wirtschaft direkt zu versorgen, oder gesunde Institute zu beauftragen, statt über Kniebruch die, welche gerade wegen Spielsucht ganze Länder verwüstet haben?

    Sind Bush und Merkel derart herausragende Kapazitäten im Weltwirtschafts-und Interbankengeschäft? Anzunehmen, daß alles wahr sei, was behauptet wird, ist reichlich einfältig.


  • In den USA sind alle Amerikaner, in China sind alle Chinesen. In Europa ...
    Kein Politiker in keinem Land hat Interesse and zentrale Machtstrukturen. Es wird gegen ESM und gegen die EUdSSR gedonnert. Wir sind keine Nation. Jedes Land hat nur Eigeninteressen. Europa wird nicht mehr das sein was es war. Veraltete Menschen auf dem alten Kontinent, ein Museumsstück.

  • Ob das in den USA praktizierte Hire-and-Fire so erstrebenswert ist sei mal dahingestellt. Aber das hier noch als einen Hauptgrund fuer die ach so tolle Profitabilität der amerikanischen Unternehmen aufzuführen ist ja geradezu lächerlich. Das durch die hohe Arbeitslosigkeit und die vielen Stuetzungsmassnahmen der amerikanische Haushalt seit der Finanzkrise mittlerweile schlechter dasteht als der deutsche, wird auch mit keiner Silbe erwähnt. Und übrigens wusste ich garnicht, dass auch Ölunternehmen innovativ sein können, hahaha! Zum Thema chinesische Banken, da steht ja schon ganz richtig regulierte Zinsen, man scheint aber trotzdem begeistert ob der hohen Gewinne. Und wieviele faule Kredite da in den Büchern sind, möchte ich auch nicht wissen. Ich lese seit langer Zeit Handelsblatt, aber die Qualität der Artikel wird einfach immer schlechter!

  • Auch ich kann Ihnen nur beipflichten. Mit keinem Wort wird erwähnt dass die amerikanische Wirtschaft nur dank der massiven Dollarschwemme seitens der FED so gut da steht. Wie lange dies gut geht wird sich zeigen. Hier ist man von einer Kreditexpansion, dessen Blase geplatzt ist, in die Nächste, noch größere übergegangen. Europas und in Besonderen die deutsche Angst vor Inflation hat es bis heute verhindert dass gleiches auch bei uns in Europa geschieht. Und dadurch kommt es zwangsläufig zu einschneidenden und sehr schmerzhaften Wertberichtigungen.

  • Heute z.B. steigen die US-Aktien trotz eines sehr schlechtem Tags für Apple, weil die FED angedeutet hat, dass sie erneut die Wirtschaft´"stimulieren" will. "Stimulieren" = QE3 = Käufe von Staatsanleihen = Gelddrucken. Diese Staatsanleihekäufe werden von den Ratingagenturen favorisiert, weil die Banken beim Papiergeld "liquide" bleiben.
    Der gleichzeitige Anstieg des Goldpreises deutet ebenfalls auf eine Entwertung der Papiergeldes hin.

  • Sie haben Recht.

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