Rhön-Klinikum „Die alte Rhön-DNA ist nicht mehr zukunftsfähig“

Der Vorstand und der Aufsichtsrat des Krankenhauskonzerns Rhön-Klinikum werben bei den Aktionären für den Strategieschwenk. Unterdessen verhindert Anteilseigener Asklepios auf der Hauptversammlung einen Aktienrückkauf.
Update: 07.06.2017 - 17:48 Uhr Kommentieren
Logo des Rhön-Klinikums Quelle: dpa
Rhön-Klinikum

Die Zeichen im Hause Rhön stehen auf Umbruch.

(Foto: dpa)

FrankfurtAufbruch, Strategieschwenk, Zeitenwende: Das Vokabular der Redner auf der Hauptversammlung des Krankenhauskonzerns Rhön-Klinikum am Mittwoch machte den Aktionären des S-Dax-Konzerns deutlich, dass die Zeichen im Hause Rhön auf Umbruch stehen. „Die alte Rhön-DNA ist so nicht mehr zukunftsfähig“, sagte der seit Februar amtierende Vorstandvorsitzende Stephan Holzinger und verwies auf die bisher im Krankenhauskonzern praktizierte große Eigenständigkeit der Kliniken. Die ist auch ein Grund dafür, warum Rhön-Klinikum in den vergangenen Monaten nicht so profitabel arbeitete, wie es der Konzern eigentlich könnte.

Der neue Vorstandvorsitzende will das ändern. Die elf Kliniken an fünf Standorten sollen nun inhaltlich enger zusammenarbeiten, Verwaltungsstrukturen werden optimiert und in Einkauf und Materialwirtschaft eingespart werden. In diesem Jahr, ein Übergangsjahr, soll der Klinikkonzern um rund vier Prozent auf 1,2 Milliarden Euro wachsen, der operative Gewinn (Ebitda) soll maximal 105 Millionen Euro erreichen und wird damit rund ein Drittel unter dem Vorjahreswert von 157 Millionen Euro liegen. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Mit dem Land Hessen hat Rhön-Klinikum kürzlich ein Einigung über die Zuwendungen für das zum Konzern gehörende Universitätsklinikum Gießen-Marburg Hessen erreicht, dass dem Klinikum höhere Vergütungsbeträge sichert.

Für den großen Wandel bei Rhön-Klinikum stehen allerdings andere Themen wie vernetzte Versorgung und Digitalisierung. Am Stammsitz in Neustadt baut Rhön-Klinikum einen Gesundheitscampus, auf dem ambulante und medizinische Leistungen miteinander verzahnt angeboten werden und im ganzen Konzern sollen neue IT-Lösungen wie die elektronische Patientenakte und Computerassistenzsysteme vorangetrieben werden.

„Das kann großartig werden. Aber die Veränderungen bergen auch ein großes Risiko“, sagte Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Viele Aktionäre müssen sich bewusst sein, dass das Risikoprofil von Rhön-Klinikum deutlich gestiegen ist. Das ist nicht mehr der ruhige Krankenhauskonzern“, so Schmidt.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Ruhig ging es im Rhön-Klinikum in den vergangen Monaten ohnehin nicht zu. Das räumt auch Firmengründer und Aufsichtsratschef Eugen Münch vor den versammelten Aktionären ein. Nachdem die Betriebsergebnisse 2016 bröckelten und sich die Stimmung im Vorstand zunehmend verschlechterte, entstand ein Zustand der „Angststarre“, wie Münch den Aktionären beschrieb. Mit dem neuen Chef Holzinger sollte der nötige Impuls für die Umsetzung der neuen Strategie kommen. Münch verhehlte nicht, dass es mit Finanzchef Neumann Differenzen über die Digitalisierungsstrategie gegeben haben. Das sei aber kein persönlicher Konflikt zwischen ihm und Neumann gewesen, sondern der CFO habe sich gegen Zukunftsprojekte gestellt, für die sich der gesamte Aufsichtsrat ausgesprochen habe.

Wie die Aktionäre auf weitere Nachfragen der Aktionärsvertreter hin erfuhren, wurde dem ehemaligen Finanzchef vom Aufsichtsrat wegen „bestimmter Sachverhalte bei Dienstreisen“ gekündigt. Neumann streite eine Pflichtverletzung ab, so Münch, deswegen gebe es nun eine rechtliche Auseinandersetzung um die Kündigung. Aus diesem Grund taucht der Name des ehemaligen CFO nach Angaben Münchs übrigens auch nicht in der Tagesordnung beim Punkt Entlastung des Vorstandes auf. Sollte nichts dagegen sprechen, werde Herr Neumann bei der nächsten Hauptversammlung zur Entlastung vorgeschlagen, kündigte Chef Holzinger an.

Rhön-Klinikum hatte im Herbst 2013 rund 40 Kliniken an den Fresenius-Konzern verkauft. Eugen Münch wollte damit seinen Traum von einem flachendeckenden Kliniknetzwerk doch noch zur Umsetzung verhelfen. Zuvor hatten der Klinikkonzern Asklepios und der Medizintechnikkonzern B. Braun mit ihrem Einstieg bei Rhön-Klinikum eine Komplettübernahme von Rhön-Klinikum durch Fresenius verhindert. Mittlerweile haben sowohl Asklepios-Gründer Bernard große Broermann als auch Ludwig Georg Braun Aktien zugekauft und halten nun mit jeweils mehr als 25 Prozent die Sperrminorität. Eugen Münch hält aktuell 11,5 Prozent der Aktien, hat aber Termingeschäfte geschlossen, die es ihm erlauben, auf mehr als 17,4 aufzustocken. Gemeinsam mit den Anteilen seiner Frau Ingeborg könnte er perspektivisch ebenfalls die Sperrminorität erreichen.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

Was die drei großen Investoren mit Rhön-Klinikum vorhaben, dazu bekamen die Aktionäre auf der Hauptversammlung keine weiteren Information. Nur dass sowohl Vorstandschef Holzinger wie auch der Firmengründer Münch die Aktienkäufe als „Vertrauensbeweis in die unternehmerische Strategie“ bewerten. „Es ist nicht so, dass wir uns ständig umarmen“, beschreibt Münch das Verhältnis der drei großen Investoren: „Aber keiner würde über den anderen sagen, dass er ein Geldverbrenner sei.“

So ganz harmonisch scheint es nun aber doch nicht zuzugehen im Anteilseigner-Kreis, denn die auf der Hauptversammlung vorgeschlagene Ermächtigung zum Aktienrückkauf bekam mit 67 Prozent Zustimmung nicht die notwenige Stimmenmehrheit. Blockiert hatte diesen Tagesordnungspunkt Asklepios mit seiner Sperrminorität, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr. Rechtsanwalt Wolfgang Schärfe, Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, wertet das als eine gegen Firmengründer Münch gerichtete Aktion: „Nützen würde ein Aktienrückkaufprogramm vor allem Herrn Münch, der im Falle eines Pooling der Stimmen mit seiner Frau dann die Hürde Sperrminorität auf diesem Wege günstiger als durch weitere Aktienkäufe erlangen kann“, so Schärfe.

Den anderen Tagesordnungspunkten und damit der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmten die Aktionäre (rund 80 Prozent des stimmberechtigten Kapitals waren anwesend) mit Quoten von weit jeweils 97 bis fast 100 Prozent zu. Lediglich bei der Entlastung von Stephan Holzinger, der 2016 noch Mitglied des Aufsichtsrats war, fiel die Zustimmung mit 67,2 Prozent deutlich geringer aus. Und dass B. Braun-Finanzchefin, Annette Beller, nun neben Ludwig-Georg Braun einen weiteren Sitz für den Medizintechnikkonzern im Rhön-Aufsichtsrat innehat, befürworteten nur 57,32 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre.

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