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Robotik Desinfektionsroboter erobern die Krankenhäuser

Die deutsche Firma InSystems Automation hat einen mobilen Assistenten entwickelt. Corona könnte den Servicerobotern zum Durchbruch verhelfen.
30.05.2020 - 15:33 Uhr Kommentieren
Die Technologie wurde bei der deutschen Tochter InSystems Automation in Berlin entwickelt.
Desinfektionsroboter von Asti

Die Technologie wurde bei der deutschen Tochter InSystems Automation in Berlin entwickelt.

München Serviceroboter konnten sich in Deutschland bislang kaum durchsetzen. Als die deutsche InSystems Automation vor drei Jahren einen Roboter für die Essensausgabe in Krankenhäusern entwickelte, fand man einen Anwender nur in Katar. Und auch dort gab es Widerstand von Arbeitnehmervertretungen. „Das Projekt kam über die Pilotphase nicht hinaus“, sagte InSystems-Geschäftsführer Henry Stubert dem Handelsblatt.

Doch die Coronakrise könnte nun Bewegung in den Markt bringen. In nur vier Wochen hat InSystems, das inzwischen zur spanischen Asti-Gruppe gehört, auf Basis einer bestehenden Plattform einen marktreifen Desinfektionsroboter für Krankenhäuser entwickelt. „Das Interesse bei den Krankenhäusern ist groß“, sagt Stubert. Es gebe bereits eine dreistellige Zahl von Anfragen.

Die Robotik-Branche hofft schon seit Jahren auf den Durchbruch von Service-Robotern. In der Industrie sind autonome, mobile Transportsysteme wie sie InSystems und die Mutter Asti Mobile Robotics herstellen, schon weit verbreitet. Sie helfen vor allem, die Logistik auf Firmengeländen zu verbessern, hier gibt es bei der Automatisierung noch viel Potenzial.

Dieses erhofft sich die Branche auch bei den Servicerobotern. Laut Branchenverband IFR dürfte allein der Umsatz mit Medizin-Robotern sich bis 2022 auf 9,1 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. „Corona kann der Entwicklung einen Schub verleihen“, sagte Patrick Schwarzkopf, Robotik-Geschäftsführer beim Branchenverband VDMA, dem Handelsblatt.

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    So haben zum Beispiel chinesische Krankenhäuser nach Angaben des Branchenverbands IFR 2000 UVD-Desinfektionsroboter des dänischen Herstellers Blue Ocean Robotics bestellt. Die junge Firma aus Odense, dem Zentrum der europäischen Cobot-Industrie, wurde im Frühjahr für ihre Entwicklungen mit dem renommierten euRobotics Technology Transfer Award 2020 ausgezeichnet.

    InSystems hofft nun, neben den Dänen zum zweiten großen Player zu werden. Den mobilen Desinfektionsroboter hat die Berliner Firma gemeinsam mit dem Lichtspezialisten Boos Technical Lighting entwickelt. Der mobile Helfer mit dem Namen ZenZoe kann mithilfe von ultraviolettem Licht (UV-C) Krankheitserreger sowohl in der Luft als auch auf Oberflächen beseitigen. Produziert wird er bei Asti Mobile Robotics in Spanien.

    UV-Strahlung hilft bei der Desinfektion

    Der für die Produktreihe gewählte Name ZenZoe Robot soll laut Unternehmensangaben eine Hommage an die Beschäftigten im Gesundheitswesen sein. Das Kürzel „Zen“ gehe auf den Namen der Krankenschwester Isabel Zendal zurück, die die Pocken ausgerottet hat. „Zoe“ stehe für Zoe Rosinach Pedrol, die erste Pharmazeutin in Spanien.

    UV-C-Licht ist im Einsatz zur Desinfektion effektiv. Durch das ultraviolette Licht kann die Viren- und Bakterienlast nach Angaben der Hersteller um bis zu 99,99 Prozent reduziert werden.

    „Ultraviolette Strahlung ist, anders als beispielsweise Chemikalien oder Ozon, nicht nur eine umweltfreundliche Lösung, sondern auch ungiftig“, heißt es bei Asti. Hierdurch seien keine Wartezeiten erforderlich, bevor die desinfizierte Einrichtung wieder betreten werden kann.

    Durch die hohe konzentrierte Lichtintensität, die durch die UV-Lampe ausgestrahlt werde, könne eine kontinuierliche Desinfektion von Keimen in einem einzigen Durchgang gewährleistet werden. Somit müssten Oberflächen und Gegenstände nicht mehrmals desinfiziert werden.

    Die Technologie wurde bei der deutschen Tochter InSystems Automation in Berlin entwickelt.
    Desinfektionsroboter von Asti

    Die Technologie wurde bei der deutschen Tochter InSystems Automation in Berlin entwickelt.

    Die kurzwellige UV-C-Strahlung ist der energiereichste Teil der UV-Strahlung. Auf der Erdoberfläche kommt sie natürlich nicht vor, da sie fast komplett von der Ozonschicht absorbiert wird. Bakterien und Viren haben deshalb keine Abwehrmechanismen dagegen entwickelt.

    Coronavirus beflügelt die Branche

    Auch das Ilmenauer Technologieunternehmen Metralabs hat einen Desinfektionsroboter mit dem Namen Sterybot entwickelt, der UV-C-Strahlung einsetzt. Das Projekt überzeugte die Jury des „Digital Innovation Hub in Robotics“ der Europäischen Union. Die Roboterentwicklung wird im Rahmen des Innovationsprogramms Horizon 2020 unterstützt.

    Er rechne noch kurzfristig mit dem ersten Praxiseinsatz im klinischen Bereich, sagte Metralabs-Mitgründer und -Geschäftsführer Johannes Tabert. Sein Thüringer Unternehmen fertigt seit mehr als 15 Jahren autonome mobile Serviceroboter, die auch in der Industrie und im Einzelhandel eingesetzt werden.

    Auch bei Osram sieht man großes Potenzial im UV-C-Licht. Schon unter normalen Bedingungen habe es an Anwendungsfeldern nicht gemangelt, sagte Alexander Wilm von Osram Opto Semiconductors. „Das Coronavirus verhilft der Desinfektion mittels UV-C-Strahlung nun aber zu einer neuen Dimension.“

    Schon bislang seien mit kurzwelligen Niederdruck-Entladungslampen Wasser, Luft oder Oberflächen entkeimt und desinfiziert worden. Doch die Zukunft liege bei LED-Lösungen. Damit seien ganz neue Anwendungen wie mobile Desinfektionsgeräte für die Jackentasche möglich.

    Allerdings sei UV-C-Strahlung gefährlich, sie dürfe nicht mit Haut oder Augen in Kontakt kommen. Und hier kommen die Roboter ins Spiel, die keine Schutzkleidung brauchen und automatisch abschalten, wenn ein Mensch in die Nähe kommt.

    Gerade in Deutschland gibt es noch immer Vorbehalte gegen Roboter. „Manche empfinden das als unmenschlich“, sagt InSystems-Chef Stubert. Dabei könne ein Service-Roboter den Pflegern Arbeit abnehmen, die dann mehr Zeit für die Patienten hätten.

    Dass sich Desinfektions- und Serviceroboter in der Gesundheitsbranche noch nicht durchgesetzt haben, dürfte nach Einschätzung in der Branche auch an der Zurückhaltung von Krankenhäusern bei Investitionen liegen. Der Kostendruck ist groß. Doch rentiert sich ein Desinfektionsroboter nach Einschätzung der Hersteller für die Kunden schnell. „Wenn jemand zwei Stunden mit der Desinfektionshandlampe herumläuft, ist das nicht sehr effektiv“, sagt Stubert.

    Der Roboter könne in zwei Stunden etwa 300 Quadratmeter reinigen. Da er den Raum kartografiere, gebe es keine Ecken, die übersehen werden, zudem gebe es bei der InSystems-Lösung ein Protokoll, in dem die Desinfektion dokumentiert werde. In der Rückverfolgbarkeit der Desinfektion sieht InSystems ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu Konkurrenzprodukten. Der Preis für eine Maschine liege unter 100.000 Euro und amortisiere sich daher schnell, sagt Stubert.

    Auch Siemens wurde in der Coronakrise aktiv

    Weitere Anbieter drängen auf den Markt. So hat die US-Firma Altoros einen Desinfektionsroboter vorgestellt. Auch Siemens ist in der Coronakrise spontan aktiv geworden: Eine chinesische Forschergruppe entwickelte gemeinsam mit der chinesischen Aucma spontan einen intelligenten Desinfektionsroboter, der mit Vernebelungspistolen arbeitet. Der mit einer Lithiumbatterie betriebene Roboter kann pro Stunde eine Fläche von 20.000 bis 36.000 Quadratmeter desinfizieren.

    InSystems war im vergangenen Jahr von Asti Mobile Robotics übernommen worden. Das spanische Unternehmen wurde bereits 1982 gegründet und gehört zu den Pionieren der mobilen Robotik. Gemeinsam kommen die beiden Unternehmen laut Branchenschätzungen auf etwa 40 Millionen Euro Umsatz.

    Die Allianz mit Asti könne helfen, auch ein größeres Interesse zu bedienen, sagte Stubert. „Wir sind seit dem Merger in der Lage, auch größere Stückzahlen zu bauen.“ InSystems allein habe eher Kleinserien von etwa 50 bis 60 Stück im Jahr gebaut. Asti habe dagegen Erfahrung mit dem Bau von 1000 Robotern im Jahr.

    Dies könne auch bei der Fertigung von mobilen Transportsystemen für die Industrie helfen. „Wenn ein Autobauer zehn Roboter für jede seiner Fabriken will, ist das schnell eine Bestellung von 1000 Stück. Bislang war kaum ein Anbieter in der Lage, eine so große Nachfrage zu bedienen.“

    Die Robotik-Industrie kann einen Anschub gut gebrauchen. Denn jahrelang eilten die Hersteller von Industrierobotern von Absatzrekord zu Absatzrekord. Im vergangenen Jahr aber stagnierte der Absatz nur bei etwa 421.000 verkauften Robotern. Kurzfristig leiden die Hersteller unter der Investitionszurückhaltung in der gebeutelten Autoindustrie, die noch immer die wichtigste Abnehmerbranche ist. Doch nach der Krise soll es wieder aufwärtsgehen.

    Die Hersteller vor allem von Leichtbaurobotern – darunter auch die großen Player wie Yaskawa, ABB und Kuka – hoffen, dass die Pandemie zu einem Automatisierungsschub führt. So könnte Produktion teilweise in Hochlohnländer in Europa zurückgeholt werden. Dabei könnten verstärkt kollaborative Roboter zum Einsatz kommen.

    Stubert ist überzeugt davon, dass der potenzielle Markt für seinen Desinfektionsroboter groß ist – unabhängig von Corona. „In Europa infizieren sich jedes Jahr Millionen Menschen mit Krankenhauskeimen.“ Zudem könne der Roboter zum Beispiel auch in Schulen, Flughäfen und öffentlichen Einrichtungen eingesetzt werden.

    Mehr: Künstliche Intelligenz und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft.

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