Roche: „Wir wollen in Deutschland anpacken, nicht einpacken“
Mannheim. Während viele Industrien derzeit pessimistisch auf den deutschen Standort schauen, erkennt der Pharmakonzern Roche Grund für Optimismus. „Wir wollen in Deutschland anpacken und nicht einpacken“, sagt der Chef der deutschen Pharmasparte von Roche, Daniel Steiners, im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Subventionen oder Gelder, etwa aus dem jüngst angekündigten 500-Milliarden-Euro-Investitionspaket von Union und SPD, erwartet er nicht. Stattdessen fordert er von der neuen Bundesregierung stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, damit Roche weiter in Deutschland investiert. „Wir wollen kein Geld für Subventionen, wir wollen aber sicher planen können“, sagt Steiners.
Während viele Industrien in Deutschland derzeit eher ab- als aufbauen, hat die Pharmaindustrie allein seit 2023 Investitionen von mehr als sieben Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Der Pharmazulieferer Vetter beispielsweise plant ein neues Werk in Saarlouis – im alten Ford-Werk, das der Autokonzern mangels Zukunftsaussichten aufgibt.
Allein Roche hat 2023 insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Investitionen in Deutschland auf den Weg gebracht. Die Investitionen in die Infrastruktur und bestehende Anlagen in Deutschland betragen seit Längerem mehr als eine halbe Milliarde Euro jährlich.
Ende November vergangenen Jahres legte Roche den Grundstein für ein neues Diagnostik-Produktionszentrum am Standort im oberbayerischen Penzberg, die mit 600 Millionen Euro bisher größte Einzelinvestition des Unternehmens in Deutschland.
Internationaler Wettbewerb um Investitionen
Neu investieren will Roche dann, wenn neue Medikamente und Produkte zur Marktreife entwickelt werden. Steiners betont: „Dann stehen die einzelnen Standorte im internationalen Wettbewerb untereinander.“ Bisher sei Deutschland dabei „sehr gut bedacht“ worden, sagt er und warnt: „Ich hoffe, dass das so weitergeht.“
Neben den USA und der Schweiz ist Deutschland einer der wichtigsten Standorte für den Konzern. Neben Medikamenten verdient Roche auch Geld mit dem Verkauf medizinischer Geräte in der Diagnostiksparte. „Hier wird in bestimmten Bereichen aus Mannheim die komplette Welt bedient“, hebt Steiners hervor.
2024 setzte Roche in Deutschland insgesamt 8,5 Milliarden Euro um, das entspricht gut 13,5 Prozent des Gesamtumsatzes des Konzerns. Ein Großteil des Umsatzes, 5,5 Milliarden Euro, kommt aus den sogenannten Konzernlieferungen, also Produkten, die in Deutschland gefertigt und in anderen Weltregionen verkauft werden. In Deutschland beschäftigt Roche über 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der Pharmaumsatz in Deutschland sank im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Steiners begründet das mit einer gestiegenen Zahl von sogenannten Parallelimporten. Das heißt, dass einige Medikamente nicht in Deutschland eingekauft, sondern aus anderen Ländern eingeführt werden. Diese Umsätze werden dann bei Roche nicht in Deutschland verbucht.
Kritik an gesetzlichen „Zwangsrabatten“
Außerdem habe es bei zwei großen Produkten Preisabschläge gegeben. „Die Gesundheitsindustrie ist ein Wirtschaftsfaktor, der aus Deutschland heraus den Weltmarkt bedient, aber auch einen Absatzmarkt in Deutschland haben muss“, sagt Steiners.
Dieser wird aber aus Sicht der Pharmaindustrie durch ein Gesetz unattraktiver: 2023 reichte Roche als erstes von insgesamt vier Pharmaunternehmen eine Verfassungsbeschwerde gegen das sogenannte GKV-Finanzstabilisierungsgesetz ein.
Mit dem Gesetz verordnete Gesundheitsminister Karl Lauterbach den Pharmafirmen höhere Rabatte, um das Milliardenloch bei den gesetzlichen Krankenkassen zu stopfen. „Das hat nichts mit verlässlichen Rahmenbedingungen und Planbarkeit zu tun“, moniert Steiners.
In dem Gesetz war etwa ein zusätzlicher Herstellerrabatt festgelegt worden, der zunächst von sieben auf zwölf Prozent angehoben worden war, dann aber wieder heruntergefahren wurde. „In unserer Zentrale in der Schweiz kann man das niemandem erklären, warum es hier einen willkürlichen Abschlag gibt, der einfach rauf- und runtergefahren wird.“